Klappbrücke Lindaunis : Segler auf der Schlei gefangen

Das klappt einfach nicht: Mehr als 20 Segler warteten  vor der Brücke Lindaunis  – die aber wird frühestens heute Abend  repariert sein.
Das klappt einfach nicht: Mehr als 20 Segler warteten vor der Brücke Lindaunis – die aber wird frühestens heute Abend repariert sein.

Die defekte Klappbrücke Lindaunis versperrt immer noch den Weg – mindestens bis heute Abend.

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30. Juli 2014, 07:30 Uhr

Michael Schulze hat die Nase voll. Der Skipper der 35-Fuß langen Yacht „Lihiniya“ ist zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter seit Montag auf der Schlei gefangen. Grund ist die Klappbrücke Lindaunis, sie lässt sich nicht mehr öffnen – und die Yachten müssten schon ihren Mast kappen, um unter der kombinierten Bahn-Straßenbrücke hindurchzupassen. Inzwischen ankern auf jeder Seite der Brücke 20 Boote – ohne echte Informationen über den Grund und ohne klare Aussagen darüber, wann es weiter geht.

Auch die Aussagen der Bahn, die für das Bauwerk zuständig ist, hilft den Seglern nicht wirklich weiter. „Wir können keine Prognose darüber abgeben, wann der Schaden behoben sein wird“, erklärte Bahn-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis gestern vormittag. Es seien Techniker einer Spezialfirma an der Arbeit, die versuchten, dass Problem zu lösen. Es hakt offenbar an den Verriegelungen der Brücke – die haben sich nach dem bisherigen Stand der Untersuchungen durch die hohen Temperaturen ausgedehnt und klemmen fest. Im schlimmsten Fall müsse man warten, bis es kühler wird.

Seit Montagmittag ist die Passage der Schleibrücke in Lindaunis für Schiffe gesperrt. Auch der Bahnverkehr war zwischenzeitig nicht möglich. Inzwischen können Züge aber die Brücke wieder im Schritttempo passieren. Der Autoverkehr war nicht betroffen. Wohl aber die Freizeitskipper, die nach Schleswig oder in die Ostsee wollen. Vier Dutzend von ihnen warten vor der defekten Brücke geduldig ab, die Zahl der Betroffenen ist aber wesentlich höher, weil diejenigen, die die Möglichkeit dazu hatten, abgedreht haben und im Heimathafen die Entwicklung abwarten.

Besonders schlechte Karten haben die dänischen Segler, die von Schleswig kommend nach Hause wollen und die Charterfahrer, die ihr Boot termingerecht zurückgeben müssen. Denn für sie gibt es keine Alternative. Für Michael Schulze aus Fahrdorf hatte der vierwöchige Segelurlaub, der ihn und seine Familie an die dänische Küste führen sollte, schon nach wenigen Stunden ein vorläufiges Ende gefunden. „Der Plan, auch noch Kopenhagen anzusteuern, wird wohl gestrichen“, vermutet er. Für Tochter Laura (22), die selbst zur See fährt, und seine Frau Lilia sollte dieser Trip eine Erholung sein. Doch von Entspannung kann im Moment keine Rede sein. Am meisten wurmt Schulze, dass er so lange in Ungewissheit gelassen wurde. Nachdem gestern Vormittag die Schleswiger Nachrichten einen ersten Bericht brachten und daraufhin ein Radiosender sowie ein privater Seefunksender nachzogen, gab es keine weiteren Informationen für die Seefahrer. „Dabei gibt es auf der Brücke eine Lautsprecheranlage, die man durchaus für eine Nachrichtenübertragung hätte nutzen können“, meint Schulze. Doch diese Idee hätte bei der Bahn wohl niemand gehabt.

Jetzt ist der Freizeitkapitän im Zweifel, ob er sich schlechtes Wetter wünschen soll. „Dann kämen wir vielleicht durch die Brücke, aber der Rest des Urlaubs wäre eine Katastrophe“, philosophiert er und hofft, dass die Brücke möglichst schnell wieder funktioniert.

Dass hofft auch Hertha Nelius, Geschäftsführerin der Schleischifffahrt. Ihre „Wappen von Schleswig“ steuert immer dienstags von der Kreisstadt aus Schleimünde an. „Wir haben uns nach dem Zeitungsbericht gestern Morgen beim Brückenmeister erkundigt. Da hieß es, eine Durchfahrt könnte klappen“, berichtet ihr Mann Kurt. Also nachte das Schiff mit 100 Gästen an Bord die Leinen los. Bei Lindaunis aber war die Fahrt zu Ende. Der Dampfer kehrte um, war nach drei Stunden in Schleswig zurück. Die Passagiere erhielten einen Teil des Fahrpreises zurück. Und wie geht es weiter? Da ist Kurt Nelius genauso ratlos wie die Bahn. „Meine letzte Information ist, dass das ganze Malheur noch einen Tag, eine Woche oder die ganze Saison dauern könnte.“

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn wurde gestern Abend etwas konkreter. Der Fehler an der Brücke sei inzwischen gefunden worden: ein durch die Hitze verbogenes Gestänge. Das schadhafte Teil sollte so schnell wie möglich ausgebaut und heute im Laufe des Tages ersetzt werden. Wenn alles nach Plan läuft, könnte die Brücke am Mittwochabend wieder funktionieren, so die Bahn-Sprecherin.

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