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Schlei-Bote

21. Oktober 2017 | 16:08 Uhr

Maasholm : Seenotretter mit Leib und Seele

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Crew des Seenotrettungskreuzers „Nis Randers“ befreite im vergangenen Jahr 176 Menschen aus gefährlichen Situationen.

shz.de von
erstellt am 03.Jan.2014 | 12:30 Uhr

Ruhig dümpelt in diesen Tagen der Seenotrettungskreuzer „Nis Randers“ mit seinem Tochterboot „Onkel Willi“ im Huckepack an der Maasholmer Schumacher-Brücke. Im Dezember brauchte die Besatzung keinen Einsatz auf der Flensburger Außenförde oder in der dänischen Südsee zu fahren. Außer den Sturmböen von Orkan „Xaver“ war auf dem Meer wenig los. Wie seit über 30 Jahren haben Flensburger Segler wieder einen Tannenbaum für den Kreuzer gespendet. Der Baum ist bis nach Neujahr so etwas wie eine „grüne Galionsfigur“.

„Hinter uns liegt ein ganz normales Einsatzjahr ohne besonders spektakuläre Vorfälle“, berichtet der erste Vormann Dirk Höper. Doch die schriftlich festgehaltene Arbeitsbilanz beweist, wie wichtig und unverzichtbar die mit neun Hauptamtlichen und elf Freiwilligen besetzte Rettungsstation Maasholm der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) im Kampf gegen den nassen Tod ist. Diese Zahlen sprechen für sich: 176 Personen wurden auf See aus Gefahrensituationen befreit. Dabei befanden sie sich – mehr oder weniger hilflos – auf 64 Booten und Schiffen. Besonders hart hatte es sieben Kranke und Verletzte getroffen, die von der „Nis Randers“-Crew geborgen und in den Maasholmer Hafen transportiert wurden, wo sie in die Obhut von Notärzten kamen. Unfälle an Bord der Segelboote, darunter Stürze und Brüche, mussten behandelt werden. Die Zeiten, in denen sich Hobbyangler mit den Haken in Nase und Lippen verletzten, sind jedoch weitgehend vorbei.

Der Statistik ist außerdem zu entnehmen, dass 15 vergebliche Einsätze (also Fehlalarme), 22 Ausbildungsfahrten, zwei Übungen mit Hubschraubern, 16 Sonderfahrten (wie zur Kieler Woche) und 233 Kontrollfahrten hinzukamen. Insgesamt legten der Kreuzer und das Freiwilligen-Boot „Wuppertal“ 3400 Seemeilen zurück. Die „Nis Randers“ musste ab August drei Monate in einer Bremer Werft „verarztet“ werden. In dieser Zeit sprang in Maasholm der DGzRS-Kreuzer „Hannes Glogner“ (mit teils eigener Besatzung) in die Bresche.

Und was war mit dem Orkan „Christian“ ? Da schlugen selbst auf der Schlei anderthalb Meter hohe Brecher gegen die Hafeneinfahrt, und der Brückenkopf war wegen der Gischt nicht zu erkennen. Ein Segler, der bei dieser extremen Wetterlage auf dem Weg nach Kappeln war, kam nicht mehr voran: Er musste von den Maasholmer Rettern in Schlepp genommen werden.

Mit Leib und Seele tun die Einsatzkräfte ihren Job. Dirk Höper (49) ist gelernter Fischer. 25 Jahre lang fuhr er mit dem Kutter in die Gewässer vor Schleimünde und legte Stellnetze aus. Doch die unsichere Ertragslage in diesem Beruf, vor allem die begrenzten Fangquoten und die niedrigen Erlöse, waren für ihn der Anlass zur Aufgabe. Er trat 2003 als Profi in die Dienste der DGzRS, zuerst auf Nordstrand, dann in Maasholm. Seit Ende 2011 ist er der Chef der Station und „Kreuzer-Kapitän“ – sprich erster Vormann. Ihm zur Seite stehen erfahrene Mitstreiter wie der zweite Maschinist Reinhold Schulz (53), der seit 1986 an Bord der „Nis Randers“ und damit als Dienstältester tätig ist. In jungen Jahren fuhr er als gelernter Matrose auf Fahrgastschiffen durch Nord- und Ostsee. Zur Crew gehört außerdem der dritte Maschinist Dirk Doose (40), wie alle anderen gebürtiger Maasholmer, der ursprünglich den Beruf des Maschinenbau-Mechanikers auf der einheimischen Werft Modersitzki erlernte. Sein Bruder Andreas Doose (46) ist Chef der Maasholmer Freiwilligen-Crew. Er hat Landwirtschaft gelernt, später bei einem Kappelner Wasserbauunternehmen gearbeitet. In Lohn und Brot steht er derzeit bei der Kommune Maasholm als Gemeindearbeiter.

Was alle emotional verbindet: Sie absolvierten einst die Grundschule Kieholm, ehe sie auf weiterführende Schulen nach Kappeln gingen. Dirk Höper sagt deshalb: „Der Erhalt der Kieholmer Schule liegt auch uns am Herzen.“

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