Seenotretter in Bestform

Er scheint zwischen Himmel und Wasser zu schweben, der dänische Soldat, der zu seinem schon in der Rettungsinsel sitzenden Kameraden abgewinscht wird.
Er scheint zwischen Himmel und Wasser zu schweben, der dänische Soldat, der zu seinem schon in der Rettungsinsel sitzenden Kameraden abgewinscht wird.

Im Hafen von Langballigau und Maasholm präsentierten haupt- und ehrenamtliche Helfer zahlreichen Besuchern spektakuläre Übungen

Avatar_shz von
27. Juli 2014, 14:49 Uhr

Sie lebt ausschließlich von Spenden, und deshalb stellt die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sich und ihre Arbeit einmal im Jahr am „Tag der Seenotretter“ der Öffentlichkeit vor. Höhepunkt in Langballigau war am gestrigen frühen Nachmittag der Einsatz eines großen dänischen Rettungshubschraubers von der Luftwaffenbasis Skrydstrup bei Hadersleben. Eine Stunde lang übte er zusammen mit der Besatzung des Seenotrettungsbootes „Werner Kuntze“ vor dem Hafen das Auf- und Abwinschen zwischen den beiden Beteiligten. Dabei waren neben zwei dänischen Soldaten auch Vormann Hannes Lund und sein Kamerad Christopher Lehuniak mit von der Partie.


Hafengottesdienst mit mehr als 200 Besuchern


Zur Eröffnung am Vormittag fand der traditionelle Hafengottesdienst mit dem Grundhofer Pastor Arne Gerundt statt. Mehr als 200 Besucher nahmen daran teil. An Deck des als Gast anwesenden dänischen Heimwehrkutters MHV 910 (Ringen) aus Apenrade war ein provisorischer Altar aufgebaut worden. Dort wurden auch drei Kinder getauft.

Zum Rahmenprogramm der gesamten Veranstaltung gehörten Mitfahrten auf der „Werner Kuntze“ und ihrem kleinen Bruder „Jens Füerschipp“ von Gelting-Mole. Die Wasserschutzpolizei informierte über Sicherheit auf See und gravierte wertvolles Schiffszubehör als Schutz vor Diebstahl. Der Shanty-Chor „Ellunder Nordlichter“ stellte sein breitgefächertes Repertoire an Liedern vor. Die Jugendfeuerwehr im Amt Langballig lud ein zum Zielspritzen, und die Frauen der Rettungsmänner betrieben mit viel Einsatz ein kleines Café, dessen Reinerlös der DGzRS zugute kommt. Für Vormann Lund und sein Team war der den ganzen Tag anhaltende große Besucherzuspruch Bestätigung und Ansporn zugleich.

„Search and Rescue – Suchen und Retten“, so lautet die Maxime der DGzRS. Diesem Anspruch wurden gestern auch in Maasholm die neun Hauptamtler und die 37 Freiwilligen der Station Maasholm einmal mehr gerecht. Sie feierten den mittlerweile 15. „Tag der Seenotretter“, der entlang der Küsten der Nord- und Ostsee in rund 60 Stationen begangen wurde und Sehleute in Scharen herbeilockte. Sie wollten sich aus erster Hand informieren und erlebten spektakuläre Rettungsübungen, die ihnen deutlich machten, dass die Seenotretter unentbehrlich sind. Da sich die DGzRS ausschließlich aus Spenden finanziert, bekundeten nicht nur viele der Besucher – in Maasholm waren es reichlich tausend – ihren Willen zur Mitgliedschaft, sondern zückten auch für Spenden auch ihre Portemonnaies.

Das Besondere der Maasholmer Station ist, dass sie neben der in Laboe die einzige ist, in der Hauptamtler auf dem Seenotrettungskreuzer „Nis Randers“ und eine Freiwilligen-Crew auf dem Seenotrettungsboot „Wuppertal“ Hand in Hand arbeiten. Gestern gab es die Gelegenheit zu Rundfahrten mit dem Kreuzer und den Booten aus dem Hafen hinaus auf die Schlei – und dafür standen die Besucher tatsächlich Schlange. Ganz nebenbei konnten sie auch das Zusammenspiels der Helfer miterleben. Und da hatte sich das Seenotrettungsboot „Karl van Well“ mit in das Maasholmer Geschehen eingeklinkt. Dieses Boot war es dann auch, dass im Laufe des Tages zu einem Ernstfall ausrückte: Im Hafen von Schleimünde hatte sich eine Person verletzt.


Ein beherzter Sprung ins Hafenbecken


Bevor ein SAR-Hubschrauber über Maasholm einschwebte und unter dem Beifall der Besucher Personen aus der Schlei barg, aktivierte die Mannschaft der „Nis Randers“ eine beidseitig verwendbare Rettungsinsel. Nachdem die sich aufgepumpt hatte, sprangen die DGzRS-Freiwilligen Michael Stöckl und Manuel Wald beherzt von Bord des Kreuzers ins Hafenbecken, retteten sich in die Insel, die das Rettungsboot „Wuppertal“ an den Haken nahm und mit dieser im Schlepptau eine Runde durch den Hafen drehte, damit vom Kai und von der Brücke das Geschehen hautnah verfolgt werden konnte. Dass die örtliche Feuerwehr und der DRK-Ortsverein als helfende Organisationen mit vor Ort waren, versteht sich in Maasholm von selbst.

Der gestrige Tag der Seenotretter war gewissermaßen eine Einstimmung in das kommende Jahr. Dann nämlich wird die DGzRS 150 Jahre und dann soll in Bremen, Sitz der Seenotretter-Zentrale, und auch in Bremerhaven Jubiläum gefeiert werden – mit einer „Woche der Seenotretter“.
Wilhelm van de Loo/Ursel Köhler

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen