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Schlei-Bote

18. Oktober 2017 | 04:29 Uhr

Schwere Zeiten für die Kleingärtner

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Das Amt will auf der Ehlerskoppel, der vorletzten Anlage des Süderbraruper Vereins, eine neue Schule bauen

Die Vorboten des Frühlings sind unübersehbar. Die Sonne zeigt sich öfter, und es wird wärmer. Krokusse und Schneeglöckchen weichen bereits den Osterglocken. Und die Kleingärtner lassen sich – zunächst noch vereinzelt – auf ihren Parzellen blicken. Auch auf der Ehlerskoppel, hinter dem Bürgerhaus von Süderbrarup, ist in einigen Gärten schon die geharkte schwarze Erde zu erkennen, die nun auf Radieschen- und Rübensamen sowie Steckzwiebeln wartet.

Die Ehlerskoppel mit 1,8 Hektar und die Westenkoppel mit einem Hektar sind die Reste einer Kleingartenkultur, die vor fast 70 Jahren begann. Am 30. November 1946 wurde in der Gaststätte „Wintergarten“ der „Kleingartenverein für Süderbrarup und Umgebung“ gegründet. Sechs Monate später hatte der Verein bereits 150 Mitglieder. Denn Süderbrarup war durch Flüchtlinge übervölkert, und die Versorgungslage mit Lebensmitteln war schlecht. Der Anbau von Obst, Gemüse und Kartoffeln konnte manche Familie über den Winter bringen. Nachfrage gab es nach 300 Parzellen. Bauer Julius Carstensen war der erste, der 36 Parzellen zur Verfügung stellte. Die Gemeinde bemühte sich um die Bereitstellung von Kirchenland für den Gartenbau. Der Verein wuchs schnell. 1948 hatte er 1586 Mitglieder und die Kleingärtner bewirtschafteten insgesamt 75 Hektar Gartenland.

Als Anfang der 1950er-Jahre viele Flüchtlinge in Richtung Ruhrgebiet abwanderten, sank auch die Zahl der Kleingärten und ganze Kleingartenanlagen, wie die Schröder-Koppel südlich der Schleswiger Straße, wurden zurückgegeben.

1972 wurde auf der Ehlerskoppel das Vereinsheim „Zum lustigen Maulwurf“ errichtet, das für Versammlungen, kleine Festlichkeiten und am Wochenende auch als Treffpunkt genutzt wurde. Hier wurde auch das jährliche Sommerfest gefeiert, bei dem Essen, Trinken, Klönschnack und Erfahrungsaustausch unter Gartennachbarn auf der Tagesordnung standen. Ein großes Sommerfest mit Beiprogramm und Tanz gab es 1996 zur Feier des 50. Vereinsgeburtstags.

Insgesamt 13 Vorsitzende hatte der Verein. Nach Johannes Wolarski, dem ersten in der Reihe, der zehn Jahre die Geschicke des Vereins leitete, dauerte es 36 Jahre, bis mit Kai Jensen wieder ein Vorsitzender diese Amtszeit erreichte. Momentan steht Joachim Schmidt seit neun Jahren an der Spitze des Vereins.

Inzwischen hat sich auch der Typ des Kleingärtners gewandelt. Selbstversorgung aus Not ist kein Thema mehr. Eher steht die Qualität der Lebensmittel im Vordergrund. Man weiß, was man isst, wenn man es selbst angebaut hat. Die Jahrespacht von zwei Cent pro Quadratmeter kann sich jeder leisten, und Gartenarbeit ersetzt das Fitnessstudio. Ökologisch Interessierte bauen hier nach strengen Regeln an. Auch Migranten der frühen Generation haben hier Gärten, um heimische Pflanzen anzubauen, die es auf dem Markt nicht oder nur sehr teuer gibt. Und die „Schule am Markt“ hat hier ihren Schulgarten.

Die Anzahl der Kleingärtner ist inzwischen auf 59 geschrumpft. Doch das Interesse steigt wieder. Im letzten Jahr sind fünf neue Mitglieder dazu gekommen. Als Flächen bestellt der „Kleingartenverein Süderbrarup“ inzwischen nur noch die Ehlerskoppel und die Westenkoppel. Dabei steht der Kleingartenverein mit Joachim Schmidt an der Spitze vor schwierigen Zeiten. Denn auf der Ehlerskoppel will das Amt Süderbrarup eine neue Schule bauen.

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