Esgrus : Schweinezucht soll wachsen

Landwirt Eiken Struve mit einem zwei Wochen alten Ferkel vor der Anlage in Moosgaard.
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Landwirt Eiken Struve mit einem zwei Wochen alten Ferkel vor der Anlage in Moosgaard.

Bauern in Tollschlag und Brunsholm wollen ihren Bestand um jeweils 1000 Tiere vergrößern: Bürger befürchten Gestank.

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15. Januar 2015, 12:30 Uhr

Was die Schweinezucht betrifft, so gilt die Landschaft Angeln in Fachkreisen als eine aufstrebende Veredelungsregion. Landwirte wie Eiken Struve (39) aus dem Esgruser Ortsteil Tollschlag haben längst die Zeichen der Zeit erkannt und sich neuen Herausforderungen gestellt. Gemeinsam mit seinem Vater Erich Struve und dem Kollegen Peter Matzen (Brunsholmhof) gründete er vor einigen Jahren die GbR „StruMa“, um in Kooperationsform mit vereinten Kräften zu noch effektiveren Ergebnissen in der Schweinezucht zu gelangen. Die Zusammenarbeit erstreckt sich sogar bis zum Betrieb von Jörg Struve in Nübel.

Die moderne Betriebsform rüttele keineswegs an der Eigenständigkeit der Bauernhöfe, und es habe sich erwiesen, dass sich das Leistungsniveau sowohl biologisch als auch ökonomisch verbessert habe, erklärte GbR-Sprecher Eiken Struve am Dienstagabend im „Grünholzer Gasthof“ vor vollem Haus. Dort stellte er in Absprache mit Bürgermeister Hermann Vollertsen das Projekt und die Erweiterungspläne für dasselbe vor. In dem Stall von Brunsholm-Moosgaard werden 750 Sauen gehalten. Im wenige Kilometer entfernten Tollschlag befindet sich ein Schweinemaststall. Um den Anforderungen des Marktes auch in Zukunft gerecht zu werden, schmiede die „StruMa“ rechtzeitig Erweiterungspläne, erklärte Struve in der gut besuchten Einwohnerversammlung. Zur Seite stand ihm ein Expertenteam mit der Sachverständigen Dr. Dorothee Holste (Ottendorf), den Architekten Reimer Hamann (Flensburg) und Heinz Klingenhof (Wees) sowie dem Juristen Dr. Helmar Hentschke aus Potsdam.

Die Planungen ergeben folgendes Bild: In Moosgaard soll in zwei Anbauten die Zahl der Sauen-Plätze um fast 1000 Einheiten auf 1720 erweitert werden, ergänzt durch 100 Plätze für die Aufzucht von Jungsauen. Auch in Tollschlag ist ein Stall-Neubau erforderlich, damit für die Mast künftig 1951 Plätze – 1000 mehr als bisher – verfügbar sind.

Eiken Struve stellte klar, dass er im Einvernehmen mit der Esgruser Gemeindevertretung die Bürger bereits zu diesem frühen Planungszeitpunkt informiere und involviere, um ein mögliches Konfliktpotenzial zu minimieren. Mit einem sogenannten „biologischen Abluftwäscher“ in Moosgaard und einem ebenso effektiven „Biofilter“ in Tollschlag sollen Emissionen durch Staub, Ammoniak und Geruch verhindert werden, sodass im Abstand von 100 Metern um die Stallungen „reine Luft herrscht“.

Aus der Esgruser Einwohnerschaft waren dennoch kritische Stimmen zu vernehmen. Anlieger Volker Sohrt aus Moosgaard bezweifelte, dass bei einer Verdoppelung der Schweinezahl die Geruchsbelästigung geringer würde. Ein anderer bestätigte: „Wir müssen in Sommernächten unsere Fenster geschlossen halten, weil es oft 250 Meter weit bis zu meinem Haus stinkt.“ Dessen ungeachtet freute sich der Bürgermeister am Schluss der Aussprache über einen fairen und unverkrampften Verlauf der Versammlung.

Bis zur behördlichen Genehmigung dieses Vorhabens liegt vor den Betreibern noch ein weiter Weg. Zu den Hürden zählen ein landschaftspflegerischer Begleitplan, Prüfungen zur Umwelt-Verträglichkeit und Aussagen zum Artenschutz. Die Vorprüfungen der Experten haben jedoch ergeben, dass die Pläne durchaus genehmigungsfähig seien. Vor 2016 ist mit dem Baubeginn nicht zu rechnen.

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