Gymnasium und Gemeinschaftsschule : Schulvereinbarung mit Modell-Charakter

Mit ihren Unterschriften bestätigten Britta Pichatzek und Thomas Hellmuth gestern den Willen zur engen Kooperation.
Foto:
Mit ihren Unterschriften bestätigten Britta Pichatzek und Thomas Hellmuth gestern den Willen zur engen Kooperation.

Als erste im Kreis gehen Gymnasium und Gemeinschaftsschule eine Kooperation ein. Der Austausch soll Bildungslandschaft durchlässiger machen.

shz.de von
15. Januar 2015, 07:30 Uhr

Gemeinschaftsschule und Gymnasium rücken künftig noch enger aneinander heran. Gestern Nachmittag unterzeichneten Britta Pichatzek, Schulleiterin der Gemeinschaftsschule, Thomas Hellmuth, Schulleiter der Klaus-Harms-Schule, sowie Schulverbandsvorsteherin Marta Kraft und Bürgermeister Heiko Traulsen stellvertretend für die beiden Schulträger eine Kooperationsvereinbarung, die ein großes Ziel hat: Schülern beider Schularten soll ein möglicher Schulwechsel so einfach wie möglich gemacht werden, indem man sie intensiv mit der jeweils anderen Schule vertraut macht. Nach den Worten des Bürgermeisters ist diese Art der Kooperation bislang einzigartig im Kreis Schleswig-Flensburg.

Zusammengearbeitet haben beide Schulen bereits in der Vergangenheit, das betonten gestern sowohl Britta Pichatzek als auch Thomas Hellmuth. Dennoch: So exakt ausformuliert, schriftlich fixiert und damit unumstößlich belastbar war die Kooperation nicht. Die nun unterzeichnete Vereinbarung geht zurück auf Paragraf 43, Absatz 6 des Landesschulgesetzes, wonach Gemeinschaftsschulen ohne eigene Oberstufe mit Gymnasien gemeinsam wirken können. Thomas Hellmuth erklärte: „Wir wollen Gemeinschaftsschülern den Übergang aufs Gymnasium erleichtern und umgekehrt Gymnasiasten, die bei uns nicht ganz so gut zurecht kommen, die Angst vor einem Wechsel zur Gemeinschaftsschule nehmen.“ Insofern habe die Vereinbarung tatsächlich Relevanz für beide Schulen.

Konkret sieht das dann so aus: Regelmäßig im Frühjahr sollen Zehntklässler der Gemeinschaftsschule die Gelegenheit erhalten, für eine Woche am Unterricht des Gymnasiums teilzunehmen. Auf diese Weise können sie einen authentischen Eindruck davon erhalten, was sie bei einem Schulwechsel erwartet. Gleiches gilt für Lehrkräfte der Gemeinschaftsschule, die Fachkonferenzen der Klaus-Harms-Schule besuchen, um ihren Schüler ein besseres Bild des gymnasialen Unterrichtsstoff zu vermitteln und die Anforderungen, die sie erwarten genauer einzuschätzen.

Britta Pichatzek hat eben diesen Wunsch bei ihren Schülern deutlich wahrgenommen. „Das Interesse daran, das Gymnasium von innen kennen zu lernen, bevor sie es besuchen, ist bei unseren Kindern ganz stark“, sagt die Leiterin der Gemeinschaftsschule. In der Vergangenheit habe man vereinzelt Hospitationen organisiert, mit der neuen Vereinbarung stünde dieser Aspekt jedoch auf spürbar sicheren Füßen. Anders herum sollen Gymnasiasten, die einen Wechsel auf die Gemeinschaftsschule ins Auge fassen, genauso Schnuppertage ermöglicht werden, um ihnen so die Entscheidung zu erleichtern. Thomas Hellmuth erkennt darin noch einen bedeutenden Nutzen. „Für unsere Schüler, die wechseln, hat es den großen Vorteil, dass sie dann den mittleren Bildungsabschluss erreichen können“, sagt der Gymnasiums-Leiter. Durch den derzeitigen Doppel-Jahrgang ist dieser Umstand im Moment nicht automatisch gewährleistet. Nicht nur für Britta Pichatzek stellt die Vereinbarung daher einen „wichtigen Mosaikstein“ dar, der die Schulen durchlässiger und die Bildungslandschaft offener mache. Im Idealfall sollen irgendwann auch Lehramtsanwärter bereits während ihrer Ausbildung an der jeweils anderen Schulen mitarbeiten.

Auch Marta Kraft sieht in der nun zementierten Kooperation ausschließlich einen Gewinn. „Diese Vereinbarung dient der Stärkung der Kinder“, sagt die Schulverbandsvorsteherin. „Und es zeigt, dass unser Schulsystem nicht aus Einbahnstraßen, sondern aus Kreuzungen besteht.“ In den Augen des Bürgermeisters stellt die Kooperationsvereinbarung nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal im Kreis dar. „Sie macht den Schulstandort Kappeln auch interessanter und konkurrenzfähiger“, urteilte Traulsen.

Nachdem nun also Schulkonferenzen und Träger dem kurzen, aber durchaus inhaltsreichen Vertragswerk zugestimmt haben, muss es nun noch vom Bildungsministerium abgesegnet werden. Im zweiten Schulhalbjahr wollen die beiden Schulen das zweiseitige Papier dann mit Leben füllen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen