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Berufsschule Kappeln : Schüler zeigen Ausstellung zur Sterbehilfe

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

50 Jugendliche haben ihre Gedanken zum Tod auf Plakaten und Flyern zusammengefasst.

Seit Beginn dieses Schuljahres befassen sich die Schüler des zwölften und 13. Jahrgangs des beruflichen Gymnasiums der Kappelner Außenstelle des Berufsbildungszentrums (BBZ) gemeinsam mit Pastorin Bettina Sender aus Toestrup im Fach Religion mit dem Thema Sterbehilfe. Sie haben recherchiert, gefragt und sich eigene Gedanken gemacht und das alles in Form von Plakaten, Flyern und Power-Point-Präsentationen zu einer Ausstellung zusammengefasst, um ihre Mitschüler an ihren Überlegungen teilhaben zu lassen.

Für die rund 50 jungen Leuten der beiden Jahrgänge ist der Tod weit weg, aber: Er kommt, denn das Leben ist endlich. Bei der Beschäftigung mit diesem Thema ging es auch um die Frage, wann ein Leben – Zeugung oder Geburt – beginnt, wann ein Mensch tot ist. Mit Blick auf den unweigerlich kommenden Tod kamen die jungen Leute zu dem Ergebnis, dass das Helfen beim Sterben sehr unterschiedlich sein kann – vom Aushalten des Leidens bis hin zum Abschalten lebenserhaltender Maschinen. Im Zuge dessen setzten sie sich auch mit der Frage auseinander, wer oder was die Selbstbestimmung steuert.

Maike Herbst aus Kappeln hat dabei ein ganz persönliches Fazit gezogen. „Wenn die Schmerzen unerträglich geworden sind, ist das Ja zur Sterbehilfe richtig“, sagt die 21-Jährige. Auch Nils Höpner plädiert für Selbstbestimmung. „Egal, wie alt man ist – wenn man nicht mehr leben möchte, muss man Schluss machen dürfen, einen Weg finden, um seinem Leben ein Ende zu setzen“, sagt der 23-jährige Kappelner. Zu der Gruppe, die sich mit religiösen und medizinischen Standpunkten befasst haben, gehören auch Madina Stelter und Katharina Enneuga.

Jana Feil, Jenin Brennemann, Sonja Sanchez, Lena Zappe (alle aus Kappeln) und Rahel Thiesen aus Boren – zwischen 17 und 21 Jahre alt – haben sich mit der Frage befasst, wie es einem Menschen geht, nachdem er die Diagnose, dass sein Leben zu Ende geht, erhalten hat. Der ersten Phase des „Nicht-wahrhaben-wollens“ folgen in der zweiten Zorn und Ärger. Dann wird mit den Ärzten und auch mit Gott „verhandelt“, bevor die depressive Phase einsetzt und der Wunsch auftaucht, „was kann ich noch machen, um mit mir und den Angehörigen ins Reine zu kommen“? Und schließlich die Akzeptanz des Unabwendbaren. Bei alledem berichten die Schülerinnen auch über eigene Betroffenheiten. Der Tod komme, man müsse sich mit ihm auseinander setzen, so die Erkenntnis. Wichtig sei es, die verbleibende Zeit, solange es gehe, zu genießen und mit dem Leben auszusöhnen.

Mit den unterschiedlichen Arten der Sterbehilfe haben sich Vincent Wegerdt aus Neudorf-Bornstein, Finn Jensen aus Süderbrarup, Thomas Heise aus Rabenkirchen-Faulück und Malte Schätzler aus Stenderup – zwischen 18 und 20 Jahre alt – auseinander gesetzt. Da unterscheiden sie zwischen definitiver (vorzeitiges Beenden durch Fremdeinwirkung), aktiver (gezielte Herbeiführung des Todes durch eine Überdosis), passiver Sterbehilfe (Verzicht auf lebenserhaltende Maßnahmen) und assistiertem Suizid (zur Verfügung gestellte Medikamente, wissend, dass diese todbringend sind). Sie verdeutlichen anhand einer Landkarte, wie die jeweilige Gesetzeslage in Europa ist. Natürlich wissen auch diese jungen Menschen, dass das Sterben zum Leben dazugehört. Sie machen sich für eine Selbstbestimmung stark und eine Sterbehilfe, um das Leiden zu verkürzen. Wichtig ist ihnen dabei, dass jeder für sich selbst entscheiden müsse, wann für ihn das Ende gekommen sei.

Mithilfe der Ausstellung, die bis Montag zu sehen ist, können sich nun auch andere Schüler des BBZ mit den Pro- und Contra-Argumenten der Sterbehilfe beschäftigen. Die Gruppe um Pastorin Bettina Sender ist sich schon einig darüber, dass das Thema wichtig ist: „Jeder muss sterben, deshalb muss jeder sich mit dem Unabwendbaren befassen.“

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