Projektwoche : Schüler wehren sich gegen Mobbing

Im Rollenspiel weiß sich Schülerin Celina keinen anderen Rat, als sich die Hände über den Kopf zu halten, um sich vor den Attacken ihrer Mitschülerinnen zu schützen.
Im Rollenspiel weiß sich Schülerin Celina keinen anderen Rat, als sich die Hände über den Kopf zu halten, um sich vor den Attacken ihrer Mitschülerinnen zu schützen.

Im Rahmen einer Projektwoche an der Gemeinschaftsschule beschäftigten sich Sechstklässler mit dem Thema Mobbing und seinen Gefahren. In Filmen, einem Rollenspiel und einer Ausstellung präsentierten sie ihre Erkenntnisse.

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05. November 2013, 07:30 Uhr

Die zwölfjährige Celina hockt sich auf den Boden, hält die Hände schützend über ihren Kopf, um die Attacken ihrer Mitschülerinnen abzuwehren. Die tyrannisieren, schikanieren, piesacken sie und schüchtern das Mädchen verbal ein, treten auch mit den Füßen zu – ein Rollenspiel. Es verdeutlicht, dass solche Attacken auf Schulhöfen keineswegs selten sind. Untersuchungen haben ergeben, dass jeder sechste Schüler gemobbt oder ausgegrenzt wird. Das hinterlässt bei den Betroffenen seelische und körperliche Spuren, kann schnell zu einem Albtraum werden und im schlimmsten Fall zum Suizid führen.

Die Lehrerinnen Stefanie Siegemund und Nina Schuischel greifen als ausgebildete Streitschlichterinnen ein, trennen die Schülerinnen. Nicht wegschauen, sondern Signale erkennen und eingreifen, und so lautet die Devise: „Wir müssen miteinander reden.“

Eine Woche lang hatten sich die rund 100 Schüler der vier sechsten Klassen der Gemeinschaftsschule mit dem Thema Mobbing auseinander gesetzt – ihre Erkenntnisse in kurzen Filmen und einer Ausstellung dokumentiert. Die präsentierten sie nun ihren Eltern. Mit Übungen, Rollenspielen und Gesprächen hatten die Schüler, unterstützt von ihren Lehrern sowie Dittmer Heil und Hartwig Haeger von SIS – „Seniorpartner in School“ – erforscht, wie man positiv und konstruktiv miteinander umgehen kann und dabei gelernt, was jeder tun kann, um Mobbing gar nicht erst entstehen zu lassen. Bei alledem war erklärtes Ziel, ein tragfähiges Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln.

Schulleiterin Britta Pichatzek freute sich, dass zur Präsentation Eltern in großer Zahl gekommen waren und deutete das als „Wertschätzung unserer Schule“. Mobbing sei ein Thema, mit dem sich befasst werden müsse, denn es nehme zu und auch Schulen seien davon nicht ausgenommen. Pichatzek: „Diese Projektwoche, wie wir sie erstmals durchgeführt haben, hat die ganze Brisanz aufgezeigt.“ Und das bedeute, dass dieser ersten Projektwoche im Idealfall weitere folgen sollen.

Das bestätigte Lehrerin Sefanie Siegemund. Zunächst, sagte sie, seien es Kleinigkeiten, mit denen Schüler ausgegrenzt werden. Dann führe eines zum anderen, isoliere den Betroffenen, mache ihn krank. „Deshalb ist Aufklärung notwendig“, sagte Siegemund. Und eben das sei in der Projektwoche geschehen. „Es ist erforderlich, den jungen Leuten Strategien an die Hand zu geben, damit sie Konflikte gewaltfrei lösen können“, betonte die Pädagogin. Denn ständige Attacken durch Schläge, Beleidigungen, Drohungen, Ignoranz oder Demütigungen führe zum Verlust des Selbstwertgefühls, mache Angst und könne in Depressionen enden. Siegemund: „Das darf nicht hingenommen werden.“ Sie appellierte an Schüler, Eltern und Lehrer, gemeinsam dem Mobbing Einhalt zu bieten, denn: „Mobbing ist kein Schicksal, Mobbing muss nicht sein.“

Bei alledem leistete während der Projektwoche umfangreiches Material, von der Techniker-Krankenkasse gemeinsam mit der Beratungsstelle Gewaltprävention des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung zusammen gestellt, wertvolle Hilfe. Und alles steht unter dem Motto „Mobbingfreie Schule – gemeinsam Klasse sein“.

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