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Kappeln : Schüler errichten Wirtschaftsimperium

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Beim „Camp Futour+“ lernen 14- bis 16-Jährige die Arbeitswelt in der Praxis kennen. Morgen öffnen sie in der Jugendherberge ihren „Laden“.

Die Jugendherberge Kappeln steht Kopf. Denn statt Schulklassen oder Kurzzeiturlaubern einen Schlafplatz zu bieten, dient das Hostel seit einer Woche 30 Jugendlichen als Standort für ihr neues, reges „Wirtschaftsimperium“. Mit dem „Camp Futour“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) lernen die 14-bis 16-Jährigen die Arbeitswelt praktisch mit einem Unternehmensplanspiel kennen. Bereits im vergangenen Jahr konnten Jugendliche ab der siebten Klasse aus Kiel, Flensburg, Lübeck und Neumünster im dreiwöchigen Sommercamp der DKJS in Kooperation mit dem schleswig-holsteinischen Bildungsministerium in verschiedenen Projekten die Berufswelt erkunden. Das diesjährige „Alumni Camp Futour+“ ist gewissermaßen der zweite Teil des Berufsförderungsprojektes, erklärt Benjamin Frank, Diplompädagoge und einer der acht Betreuer des Camps. „Das erste Camp diente der Frühorientierung nach der siebten Klasse“, sagt Frank. „Das jetzige ist der zweite Schritt und ein guter Start ins Berufsleben.“

Das Konzept des Programms: Die Jugendherberge dient als Standort eines fiktiven Wirtschaftsunternehmens, das die jungen Teilnehmer von der Pike an aufbauen sollen. Sogar über eine eigene Währung – den sogenannten „Kappel“ – verfügen die Mitarbeiter des jungen Unternehmens. Wie eine reale Firma besteht auch die „Flash-Manufaktur“ („Für Leute aus Schleswig-Holstein“) aus den Arbeitsbereichen Produktion, Vertrieb, Verpackung und Öffentlichkeitsarbeit. Jeweils acht Jugendliche kümmern sich um den Aufbau und die Pflege dieser Arbeitsfelder. Der erste Tag diente dem Erkennen von persönlichen Stärken der potenziellen Arbeitnehmer. Im Spiel „Doktor Bibber“ beispielsweise prüften die Teamer, wie die Schüler unter Zeitdruck arbeiten. Kreativität war gefragt, als die Jungen und Mädchen selbstständig einen Flyer für ihr zukünftiges Unternehmen kreieren sollten.

Am nächsten Tag ging es für alle Schüler ans Bewerbungen-Schreiben, tags darauf folgten die Vorstellungsgespräche. Dabei fungierten die Betreuer als Arbeitgeber und fragten die jungen Bewerber nach ihren persönlichen Stärken und Schwächen. Nachdem die Vorstellungsgespräche absolviert waren und jeder der 30 Jugendlichen seinen „Job“ und seinen eigenen Arbeitsvertrag inklusive Regelungen zu Urlaubs- und Pausenzeiten in der Tasche hatte, wurden in jedem Bereich Abteilungsleiter gewählt. Jacqueline (14) aus Flensburg, Justine (15) aus Neumünster und Jeremy (14) aus Flensburg sind zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ihrer „Firma“. Justine erläutert: „Die Gruppen haben Ideen und Vorschläge gesammelt und die Aufgabenteilung besprochen.“ Die Abteilung der Öffentlichkeitsarbeit etwa habe sich als Ziel gesetzt, die „Flash-Manufaktur“ in Kappeln bekannt zu machen. „Wir stellen den Kontakt mit den Medien her, denken uns noch ein Logo für die Firma aus und erstellen einen Flyer“, sagt die 15-Jährige. Die Produktionsabteilung des fiktiven Unternehmens stellt Armbänder, Lampenschirme oder Laptoptaschen aus günstigen oder Recyclingmaterialien wie Getränkeverpackungen oder Klebeband her. Jacqueline beschreibt die weiteren Arbeitsbereiche: „Die Mitarbeiter im Vertrieb kümmern sich um den Verkauf der Produkte und die Gestaltung des Ladens, innerlich und äußerlich. Der Bereich Verpackung probiert noch die verschiedenen Möglichkeiten des Verpackens mit selbst gestaltetem Papier aus.“

Alle Schüler erhalten für ihren sechsstündigen Arbeitstag einen Lohn von 70 Kappels pro Tag. Zur Freizeit der „Flash“-Mitarbeiter gehört der Betriebssport, diverse hauseigene Wellnessangebote sowie eine „Casino-Night“. Benjamin Frank sagt: „Dabei ist der Lohn auch ganz schnell wieder weg, wie im echten Leben.“ Die Teamer fungieren in den zwei Wochen als eine Beratungsagentur. „Wir geben im Laufe des Projekts immer mehr an die Abteilungsleiter ab, bis es quasi selbstständig läuft“, erklärt Frank.

Morgen und am Mittwoch öffnet der Laden der „Flash-Manufaktur“ in der Jugendherberge , Eckernförder Straße 2, jeweils von 10.30 bis 12.30 Uhr und von 15 bis 17 Uhr seine Türen für den öffentlichen Betrieb. Wer neugierig ist, das „neue“ Unternehmen der Stadt und seine jungen Mitarbeiter kennen zu lernen, ist eingeladen, der Jugendherberge einen Besuch abzustatten. Die von Hand hergestellten Produkte stehen zum Verkauf. „Allerdings“, räumt Frank ein, „dürfen wir kein Geld annehmen, also erhalten die Kunden vor Ort Kappels, mit denen sie bezahlen können“. Jeremy, Jacqueline und Justine freuen sich darauf, ihre selbst gegründete Firma vorstellen zu können. Für sie hat sich das Projekt jetzt schon ausgezahlt. Justines Fazit: „Es macht Spaß, und ich habe mich und meine Stärken besser kennen gelernt.“

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erstellt am 26.Okt.2015 | 07:45 Uhr

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