Arnis : Schmuckstücke auf der Schlei

Immer mehr Besucher: Die beiden Veranstalter Nicolas Thon und Mike Peuker (im Vordergrund v.l.) mit Gästen.
Immer mehr Besucher: Die beiden Veranstalter Nicolas Thon und Mike Peuker (im Vordergrund v.l.) mit Gästen.

Am Wochenende trafen sich 25 Segler zum Spaßrennen und Austausch beim Folkeboottreffen in Arnis.

shz.de von
28. Mai 2018, 07:04 Uhr

Arnis | „Es werden jedes Jahr ein paar Boote mehr“, sagte Nicolas Thon, einer der beiden Veranstalter des Folkeboot Treffens im Hafen der Wassersportgemeinschaft Arnis, das dieses Jahr zum vierten Mal stattfindet. Diesmal waren etwa 25 Bootseigner mit ihren liebevoll gepflegten Schmuckstücken angereist. Folkeboote sind kleine, einfache und sehr seetüchtige Boote, die bis heute gebaut werden. Das erste lief 1942 vom Stapel. Ursprünglich aus Holz, gab es später aber auch GFK-Boote.

Einige Segler waren schon am Freitag angekommen, andere im Laufe des Samstagvormittags. Zum Auftakt des Treffens fand, wie üblich, die beliebte Spaßregatta auf der Schlei statt. Start war auf der Arnisser Breite. Von dort ging es bei bestem Segelwetter nach Sieseby und mit einer Wende wieder zurück. „Es gibt nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren“, sagte Mike Peuker, der zweite aus dem Veranstalterduo. „Es geht nur darum, dass es schön aussieht.“

Thon und Peuker, beide Folkebootenthusiasten, mussten nicht viel Werbung für die Veranstaltung machen. Der Termin erschien in verschiedenen Segler-Portalen und hatte sich irgendwie einfach herumgesprochen, so Peuker. „Das Treffen haben die Folkebootsegler inzwischen als Saisonauftakt schon fest im Terminkalender“, erklärte er. Johann Meerbach war mit seinem Boot „Jonny“, gekommen. „Es wurde 1973 von Torkild Lind gebaut“, schwärmt er. „Lind-Boote sind der Mercedes unter den Folkebooten.“ Meerbach weiß viel zu erzählen über die Besonderheiten dieser Boote. „Alles ist genau festgelegt. Um der sogenannten Klassenformel zu entsprechen muss das Gewicht immer gleich sein. Wer sich für einen Alumast statt einen aus Holz entscheidet muss das eingesparte Gewicht wieder ausgleichen. Manche legen dann Blei ins Boot. Allerdings sind die strengen Vorgaben nur bei offiziellen Regatten wirklich wichtig. „Wir nehmen das hier nicht so genau“, sagt Meerbach augenzwinkernd.

Björn Pfannkuche segelt seine „Lotte“ schon seit 23 Jahren. „Ich habe das Boot geerbt, als ich 16 war“, erzählt er. Mit Lotte hat er schon viele ausgedehnte Sommertörns unternommen. Es ging nach Stockholm, Oslo, durch den Göta-Kanal und immer wieder mal nach Kopenhagen. Ursprünglich waren die kleinen Boote für den Familienurlaub konzipiert. Vier Kojen für Vater, Mutter und zwei Kinder, ein Kocher, ein Tisch und nirgends Stehhöhe. „Jetzt finden wir es zu zweit schon ausgesprochen spartanisch“, gibt der Bootseigner zu. „Aber man kommt immer an und mit seinem geringen Tiefgang passt ein Folkeboot überall dazwischen“, sagt er. „Und man kann mit so einem kleinen Boot Plätze entdecken, die Besitzern von großen Jachten auf ewig verschlossen bleiben.“ Um die zu finden muss Pfannkuche gar keine großen Törns unternehmen. Die gibt es für ihn überall, auch hier an der Schlei. Allerdings beklagt er, dass inzwischen viele Jachtbesitzer nur wenig Verständnis dafür aufbringen, dass jemand auf solch einem minimalistischen Boot unterwegs ist. „Ihr könnt euch wohl kein größeres Boot leisten“, war einer der abfälligen Kommentare, die er schon zu hören bekam. Pfannkuche findet das sehr schade. Er braucht kein größeres Boot um glücklich zu sein. Und das gilt auch für all die anderen Folkebootsegler, die in Arnis zusammengekommen sind, um ihre Boote zu präsentieren, miteinander zu fachsimpeln und zu erzählen. Aber es ist auch einfach das Beisammensein und das gemeinsame Feiern, das sie alle jedes Jahr wieder nach Arnis zieht.



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