Kappeln : Schmökerstoff für den Sommer

Das Buch „Nelli Spürnase und die verschwundenen Bücher“ gefällt Stadtbüchereileiterin Petra Herzig besonders gut.
Das Buch „Nelli Spürnase und die verschwundenen Bücher“ gefällt Stadtbüchereileiterin Petra Herzig besonders gut.

Die Leiterin der Kappelner Stadtbücherei Petra Herzig gibt Buchtipps für die Urlaubszeit.

shz.de von
14. Juli 2018, 06:34 Uhr

Der Sommer ist schon lange da, nun hat auch für alle Bundesländer die Urlaubs- und Ferienzeit begonnen – für den einen oder anderen mal wieder Gelegenheit, ein gutes Buch zur Hand zu nehmen. Petra Herzig, Leiter der Stadtbücherei in Kappeln, hat sich Gedanken gemacht und stellt neue Bücher für alle Altersgruppen und Gelegenheiten vor.

„Wir fangen mal bei den Jüngsten an“, sagt Petra Herzig und zieht das Vorlese-Bilderbuch „Das blaue Monster will alles“ von Jeanne Willis aus dem Stapel hervor. „Monsterbücher sind voll im Trend“, berichtet die Expertin. Ob nun lustig oder gruselig – Hauptsache ein Ungeheuer taucht auf. Das blaue Monster ist übermäßig verwöhnt. „Es möchte immer mehr neue Sachen und alles sofort – aber ist es wirklich glücklich, wenn es alles bekommt?“, fragt Petra Herzig. Ein schnelles Auto, ein eigenes Flugzeug und tolle Reisen, am Ende stellt auch das blaue Monster mit seiner Familie fest, was wichtiger ist als jeder Besitz und jeder Konsum. „Ein tolles Bilderbuch zum Vorlesen für Kinder ab vier Jahren.“

Das zweite Bilderbuch, ebenfalls für Kinder ab vier Jahren aufwärts, ist „Nelli Spürnase und die verschwundenen Bücher“ von Julia Donaldson. Nelli ist ein guter Spürhund, aber ein ganz besonderer, denn sie hat eine Schwäche für Bücher und liebt es, wenn die Kinder ihr vorlesen. „Doch heute, ein Montag, da fehlt in der Luft, nach Nellis Gespür ein entscheidender Duft“ – die Regale in der Schulbücherei sind leer geräumt. Klar, dass die Hündin die Witterung aufnimmt und hilft den Dieb zu finden.

Als es um die Empfehlung eines Jugendbuches geht, gibt Petra Herzig ab an Anna Lena Schmidt. Die 17-Jährige aus Kappeln hat ein dreiwöchiges Praktikum in der Bücherei absolviert und in ihrer Freizeit das Buch „Als die Bücher flüstern lernten“ von Felictas Brandt gelesen. Darin wird die 17-jährige Hope vorgestellt, ein Waisenkind, das außer ihrer Leidenschaft für Bücher niemanden hat. Eines Nachts bricht sie in das Haus einer reichen Familie ein, um sich in deren Bibliothek zu bedienen und wird erwischt, aber der Sohn des Hauses hat offenbar gar nicht die Absicht, sie zu verraten. Doch dann werden die beiden unversehens in eins der Bücher hineingezogen und landen in einer ganz anderen Welt. „Ich mochte das Buch, weil es viel Wortwitz und Situationskomik enthält“, verrät die Praktikantin. „Es gibt viele Anspielungen auf andere Bücher, Serien oder Filme.“

Das Buch „Vom Schweden, der die Welt einfing und in seinem Rucksack nach Hause brachte: Reisen in die Ferne und zu sich selbst“ vom Bestsellerautor Per J. Andersson gibt Petra Herzig Erwachsenen mit auf den Weg. „Hier geht es quer durch die Welt und ich kann mich nur dem anschließen, was auf dem Klappentext steht: Das Buch „ist ein grundsympathischer Reiseverführer, der Mut macht aufzubrechen“, denn wer reist, hat mehr vom Leben.“

Um einen Roman handelt es sich bei „Der Pfau“ von Isabel Bogdan. „Dieses Buch macht wirklich Spaß. Es ist satirisch und voller Humor – einfach wunderbar.“ Eigentlich sollte es eine Teambuilding-Auszeit in der Abgeschiedenheit werden, aber ein pubertierender Pfau bringt das Wochenende in der schottischen Einöde ziemlich durcheinander.

„Noch ein Lieblingsbuch“, sagt Petra Herzig und zeigt „Der Zopf“ von Laetitia Colombani. Der Roman stellt drei Frauen vor: Smita in Indien, Guilia in Sizilien und Sarah in Montreal. Sie führen Leben, die unterschiedlicher nicht sein könnten – und doch gibt es eine Verbindung.

Eine ganz andere Thematik behandelt das Buch „Sweet Occupation“ von Lizzie Doron, die fünf Männer traf – verurteilte ehemalige Terroristen und israelische Dienstverweigerer – und in diesem Buch ihre ergreifenden Geschichten erzählt. Lizzie Doron liest am Dienstag, 7. August, zum „Literatursommer“ um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei in Kappeln.

Ganz im Norden Deutschlands spielt „Meerraben“ von Brigitte Cleve. Die 72-jährige Protagonistin Lina Martens lebt in Flensburg und berichtet von ihrem Leben als Flüchtlingskind. Ein unterhaltsamer Roman für die Generation 70 Plus: „Es ist die wunderbare Geschichte einer Frau, die erst spät im Leben – aber eben nicht zu spät – lernt, sich selbst zu behaupten“, so die Bücherei-Leiterin.

Ferienzeit und keine Sonne? Da kommen auch die Gesellschaftsspiele wieder groß raus. „Word Slam“ heißt die Empfehlung. „Hier geht es um die Kunst, Begriffe zu erklären, ohne zu sprechen“, sagt Herzig. „Sag’s mit Karten“ steht auf dem Karton: Zwei Teams treten an und mehr als 100 Erklärkarten stehen zur Verfügung – ein sehr kommunikatives Spiel für Erwachsene und Kinder ab zwölf Jahren. „Je mehr Mitspieler, desto besser“, sagt Petra Herzig.

Zum Schluss dann doch noch etwas Technik für das Kinderzimmer: 20 neue Tiptoi-Bücher konnte die Stadtbücherei mit Landesmitteln anschaffen. „Das ist Leseförderung mit allen Sinnen und gut für die, die gerade niemanden da haben, der ihnen etwas vorlesen könnte“, sagt die Leiterin der Stadtbücherei. Die Bücher, bei denen durch die Berührung mit einem Stift, Texte gelesen oder Aufgaben gelöst werden, gibt es zu den unterschiedlichsten Themenfeldern.

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