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Kappeln : Schleiterrassen-Planung im Wettlauf gegen die Uhr

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Die Stadt beschließt den F-Plan für die „Schleiterrassen“ noch vor der Änderung des Landesnaturschutzgesetzes und ermöglicht so weiterhin eine ufernahe Bebauung.

Eile war geboten. Genau eine Woche nach der jüngsten Sitzung der Stadtvertreter trafen sich die Mandatsträger nun erneut, direkt nach der Sitzung des Bauausschusses. Und wie bei diesem Gremium hatte die Stadtvertretung nur ein inhaltliches Thema auf der Tagesordnung: die Beschlussfassung der 39. F-Plan-Änderung für die Schleiterrassen. Kurzfristig hatte die Verwaltung zu dieser Sitzung eingeladen, nachdem alle Stellungnahmen der Behörden und sonstiger Träger öffentlicher Belange eingegangen waren. 

Und diese Eile hatte einen Grund, denn bereits im April oder Mai will das Land Schleswig-Holstein sein Landesnaturschutzgesetz ändern. Dann muss die Wohnbebauung  künftig 150 Meter vom Ufer entfernt sein statt bislang 100 Meter. „Die meisten Kaufinteressenten wollen doch direkt am Wasser leben. Entsprechend unangenehm ist eine solche Veränderung für den Investor“, äußerte sich Ove Autzen vom Bergenhusener Architekten- und Ingenieursbüro Planungsring Mumm und Partner über die Ausdehnung der FFH-Grenze (Flora-Fauna-Habitat-Grenze) von 100 auf 150 Meter. Denn durch diese Maßnahme würde die Vermarktung der Grundstücke erschwert. Da es laut Autzen unklar ist, ob es Übergangszeiten für direkt nach der Gesetzesänderung beschlossenen Flächennutzungspläne gibt, haben die Kappelner Stadtvertreter den F-Plan noch vor der Gesetzesnovelle auf den Weg gebracht.

Dabei hat die neuerliche Stellungnahme der Träger öffentlicher Belange kaum neue Aspekte hervorgebracht. „Die wesentliche Änderung gab es bereits mit der Verkleinerung des Sportboothafens von 130 auf 74 Liegeplätze“, sagte Autzen. Diese Änderung zur ursprünglichen Planung hatte die erste Abwägung der Stellungnahmen erbracht. Danach  sollten diese 74 Liegeplätze grundsätzlich auch nur kleinen Booten vorbehalten sein.

Eine neuerliche Stellungnahme habe dann aber doch noch eine Änderung bewirkt, so Autzen. Dabei handelt es sich um das Schreiben des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Die Behörde hatte  darauf hingewiesen, dass der nördliche Steg des Sportboothafens teilweise die kritische Zwei-Meter-Tiefenlinie überschreitet. Damit wäre  die Anlage genehmigungspflichtig gewesen, und diese Genehmigung wäre an die Einhaltung des erforderlichen Mindestabstands zum Fahrwasser gekoppelt. Daraufhin wurden die Liegeplatzbreiten eingeschränkt, sodass die Zwei-Meter-Linie nicht mehr erreicht und der erforderliche Abstand zum Fahrwasser eingehalten wird.

Angesichts dieser  Ausgangslage hatten weder Bauausschuss noch Stadtvertretung Einwände gegen das Vorhaben. Beide Gremien beschlossen einstimmig  den F-Plan.  Matthias Mau meinte zur kurzfristigen Ansetzung der beiden Sitzungen: „Verwaltung und Politik verfolgen das Projekt nicht nur, sie begleiten es auch. Doch ich wünsche mir, dass nun auch der B-Plan so dringlich angegangen wird.“ Damit spielte der  CDU-Fraktionsvorsitzende auf die schleppenden Verhandlungen mit dem Investor der Schleiterrassen, der Hamburger AMA, an. Bürgermeister Heiko Traulsen machte Hoffnung und meinte, dass der Gesetzgeber mit der Änderung des Naturschutzgesetzes auch die Gültigkeit eines F-Planes begrenze, sofern nicht in einem noch zu bestimmenden Zeitraum  nicht auch der B-Plan beschlossen werde. Ove Autzen, versicherte, dass auch der Investor bemüht sei, kurzfristig zu handeln. „Eigentlich ist der B-Plan fertig, aber es gibt noch Differenzen. Wenn die behoben sind, ist der Investor auch gewillt, kurzfristig zu handeln“, so der Diplom-Ingenieur. Annette Kießig vom Bauamt warf ein, dass sie noch nicht einmal den Entwurf eines Bebauungsplanes gesehen habe.

Lars Braack (SPD) sagte: „Wenn der B-Plan schon in den Startlöchern ist, dann geht es wohl um die städtebaulichen Verträge, und da besonders um die Finanzen.“ Traulsen räumte ein: „Im Wesentlichen sind die Finanzen das  Hindernis für den Fortgang der Verhandlungen.“ Braack meinte: „Ich hoffe, dass diese Änderung des F-Plans  nun zum Anlass genommen wird, die Gespräche mit dem Investor wieder aufleben zu lassen.“ Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker (CDU) sah in dem Abstimmungsergebnis schon mal ein gutes Omen. „Das ist ein sehr gutes Signal für dieses Projekt, damit es auch wirklich vorangeht.“

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erstellt am 30.Mär.2016 | 07:15 Uhr

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