Heringsfangquote in der Ostsee : Schleifischer in Kappeln: „Wir können nicht mehr planen“

Deutsche Fischer dürfen 2019 in der westlichen Ostsee noch weniger Heringe fangen.
Deutsche Fischer dürfen 2019 in der westlichen Ostsee noch weniger Heringe fangen.

Die neue Heringsquote des EU-Fischereirats für 2019 bedroht Existenz der Küstenfischer.

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16. Oktober 2018, 18:58 Uhr

Kappeln | Am Montagabend teilten die EU-Staaten im Anschluss an ein Treffen der EU-Fischereiminister mit, dass die erlaubte Fangmenge an Heringen in der westlichen Ostsee um 48 Prozent reduziert wird. Das bedeutet in absoluten Zahlen, dass im kommenden Jahr nicht mehr als 4600 Tonnen Heringe gefischt werden dürfen (2017: 15 700; 2018: 9600 Tonnen). Claus Ubl vom Deutschen Fischereiverband stellte klar, dass dieser Einschnitt „existenzbedrohend“ für Fischer sein kann, wenn der Verlust nicht durch Beihilfe aufgefangen werde.

Der Kappelner Fischer Olaf Jensen stimmt zu: „Die Schleifischer sind ja gerade auf den Hering angewiesen.“ Das gelte allerdings für die Fischer, die in dem Gebiet vor Schleimünde in der westlichen Ostsee fischen, denn für die Schlei gelte die jeweilige Fangquote nicht. Was er als besonders existenzbedrohend ansieht ist, dass in jedem Jahr neue Fangquoten ausgegeben werden. Bei der Dorschfischerei gebe es für Fahrzeuge über acht Meter Länge Ausgleichszahlungen. „Aber die Kleinen, die sind angeschmiert.“

Bei den Heringen werde eine Ausgleichszahlung nicht mal angedacht. Er hoffe, dass es durch die gestiegene Quote beim Dorsch einen kleinen Ausgleich gibt. Radikal betroffen seien natürlich die Kutter, die mit Schleppnetzen unterwegs sind. „Wir können in der Fischerei einfach nicht mehr planen. Gut wäre ein Mehrjahresquotenplan, das könnte helfen.“

Dem Nabu geht die Begrenzung der Fangmengen nicht weit genug

„Eine Katastrophe ist das“, sagt Lorenz Marckwardt, langjähriger Vorsitzender des Landesfischereiverbandes, „das ist die zweite Absenkung innerhalb von zwei Jahren. Das bedeutet für viele Fischerfamilien das Ende.“ Der Aufschlag beim Dorsch gleiche das Minus auf den Hering dabei nicht aus.

Ein bisschen anders ist die Sicht der Dinge, wenn man Umweltverbände anspricht. Eva Heimsoth, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Umweltschutz (IGU) Kappeln und Umgebung, verweist an Kim Detloff, Leiter Meeresschutz beim Nabu in Berlin. Detloff bedauert die politische Entscheidung, die ganz anders ausgefallen ist, als der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) empfohlen hatte – nämlich den Hering zunächst ein Jahr lang gar nicht zu fischen und dann zu sehen, wie er sich erholt. „Offenbar hat die Politik nicht aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre gelernt. Ich fürchte, am Ende werden die Fischer die Zeche dafür zahlen – nämlich dann, wenn die Bestände sich nicht erholen.“

Ebenso kritisch sieht er die Entscheidung für die Anhebung der Fangquote beim Dorsch. „In den vergangenen zwei Jahren waren die Nachwuchszahlen ganz gut, aber die Dorsche pflanzen sich erst ab dem dritten Jahr fort. Jetzt die Quote anzuheben ist fischereibiologischer Irrsinn. So kommt die deutsche Küstenfischerei nicht wieder auf die Beine – ich halte beide Entscheidungen für falsch.“

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