Ehrenbürger für Kappeln : Schlei-Kind mit Unternehmergeist

Peter Kruse (1873 - 1951) Foto: Stadtarchiv
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Peter Kruse (1873 - 1951) Foto: Stadtarchiv

Kappelns dritter Ehrenbürger Peter Kruse (1873 - 1951) hatte großen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt

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05. August 2011, 06:35 Uhr

Kappeln | Zwei große Metallbuchstaben und zwei stilisierte Getreideähren, angebracht in luftiger Höhe, erinnern an einen für die wirtschaftliche Entwicklung Kappelns bedeutenden Mann, den Großkaufmann Peter Kruse. Der von ihm 1936 errichtete Speicher prägt noch heute das Bild des Nordhafens. Wer an ihm vorbei geht und den Blick nach oben richtet, findet in Höhe des achten Obergeschosses des stattlichen, mit Klinkersteinen verblendeten Baus das Kürzel des einstigen Bauherrn und langjährigen Betreibers: PK. Der Kaufmann Peter Kruse, der sich auch in der Stadtpolitik engagierte, ist nach Wilhelm Seehusen und Jacob Moser der dritte Ehrenbürger Kappelns.

Peter Kruse war ein Kind der Schleiregion: Er wurde am 26. November 1873 in Holzdorf auf der Halbinsel Schwansen geboren und gründete im Alter von 25 Jahren in Kappeln ein Getreidegeschäft. Damit legte er die Basis für eine bemerkenswerte unternehmerische Entwicklung, die zu einer weltweit bekannten und agierenden Firma führen sollte. Auch die Stadt Kappeln profitierte von diesem wirtschaftlichen Erfolg. Bereits 1919 wurde ihm von der Stadt Kappeln das Ehrenbürgerrecht verliehen. Die Stadtverordneten hatten in geheimer Sitzung einstimmig beschlossen, Peter Kruse "in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt" in dieser Form öffentlich zu würdigen. Die Stadt entsandte daraufhin eine Delegation mit dem Auftrag, Kruse in dessen Villa in der Schleswiger Straße "in feierlicher Weise von seiner Ehrung Kenntnis" zu geben. Die Abordnung überbrachte dem neuen Ehrenbürger zugleich die Glückwünsche des gesamten Stadtverordnetengremiums. Kruse war nicht nur ein erfolgreicher Wirtschaftskapitän, sondern über seine beruflichen Aktivitäten hinaus lange Jahre ehrenamtlich als Stadtverordneter und Stadtrat für Kappeln und seine Bürger tätig.

Das Unternehmen von Peter Kruse expandierte in raschem Tempo und brachte Arbeitsplätze nach Kappeln und andere Orte, in denen er sich engagierte, zum Beispiel Eckernförde, Kiel, Lübeck und Wismar. Er pflegte rege Handelsbeziehungen mit Dänemark, England, Russland, Rumänien und verschiedenen überseeischen Ländern. Später verlegte er den Hauptsitz seiner Firma nach Hamburg, dem "Tor zur Welt". Dort konzentrierte er seine Arbeit auf das Importgeschäft, das einen erheblichen Aufschwung nahm. Sichtbarer Ausdruck dieses Fortschrittes war die Errichtung eines riesigen Silos mit einer Speicherkapazität von 11 000 Tonnen.

1921 wandelte Kruse sein Unternehmen um in eine Aktiengesellschaft. Damit verschwand auch der bisherige Firmenname Peter Kruse; er wurde ersetzt durch die Bezeichnung "Getreide A.G." Auch wenn Kruse verstärkt auf den Ausbau seiner internationalen Verbindungen setzte - Kappeln, seine Heimatstadt, verlor er nicht aus den Augen. Auch hier ließ er einen modernen 5000-Tonnen-Speicher errichten - ein Gebäude, das heute unter Denkmalschutz steht und nach wie vor die Optik der Schleipartie dominiert. Allerdings wird in dem Bau kein Getreide mehr gespeichert. Im Erdgeschoss ist ein Restaurant untergebracht, in verschiedenen Stockwerken soll Wohnraum geschaffen werden.

Zeitweise war Peter Kruse Eigentümer des traditionsreichen Strandhotels, das er in den 1930-er Jahre erworben hatte. Er ließ das Haus nach seinen Plänen um- und ausbauen. Nach dem Zweiten Weltkrieg schenkte er Gebäude und Parkgelände der Stadt Kappeln. In jener Zeit propagierte und forcierte er die Idee, auf dem Ellenberger Ufer der Schlei eine Zuckerfabrik zu errichten. Zu diesem Zweck wurde bereits eine Gesellschaft gegründet, die Zuckerfabrik Schlei AG. Doch gab es Probleme bei der Beschaffung des Baumaterials. Das Ellenberger Projekt scheiterte zwar, aber einige Jahre später - im Herbst 1953 - wurde ein ähnlicher Plan in Schleswig realisiert.

Sein privates Refugium hatte sich Peter Kruse auf Gut Stubbe an der Schlei geschaffen, das von ihm 1915 erworben worden war. Fasziniert war er von der landschaftlichen Schönheit dieser Region, die er bis ins hohe Alter zu Fuß oder als Reiter durchstreifte. Am 8. November 1951 erlag er im Alter von 77 Jahren auf seinem Gut den schweren Verletzungen, die er sich bei einem Verkehrsunfall in Hamburg zugezogen hatte.

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