Südhafen Kappeln : Schandfleck wird zum Boutique-Hotel

In der Mitte der Speicher als prägendes Gebäude, rechts und links je zwei alleinstehende Bauten – so könnte es am Südhafen aussehen.
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In der Mitte der Speicher als prägendes Gebäude, rechts und links je zwei alleinstehende Bauten – so könnte es am Südhafen aussehen.

Lübecker Grundstücksgesellschaft ist neue Eigentümerin des alten Südspeichers – und stellt ihre Pläne vor.

shz.de von
31. Januar 2017, 07:00 Uhr

Neben all den Gebäuden, die auf dem Areal der früheren Marinewaffenschule vor sich hin verfallen, existiert noch ein weiterer Bau in der Stadt, der sich in der Vergangenheit in eine ganz ähnliche Richtung entwickelt hat: weg vom Gebrauch, vom tatsächlichen Betrieb, hin zu verlassener Unansehnlichkeit. Der alte Speicher am Südhafen ist schon eine ganze Weile nicht mehr von wirtschaftlichem Nutzen, und während er selber oft als „Schandfleck“ tituliert wird, gilt seine Lage gerne als „Sahnestück“: Direkt am Wasser und erster Blickfang nach der Brücke könnte er so viel mehr sein als ein langsam vor sich hin zerbröckelndes Gebäude. Vielmehr: Er müsste es sein. Einigermaßen ehrgeizige Pläne verfolgt nun die Dr. Schmidt Grundstücksgesellschaft mbH aus Lübeck, seit Ende vergangenen Jahres neue Eigentümerin des Südspeichers, mit dem unter Denkmalschutz stehenden Bau. Vor dem Bauausschuss präsentierte Geschäftsführer Michael Bull erste Skizzen. Und sollten diese Wirklichkeit werden, kann man davon ausgehen, dass der Speicher seiner herausragenden Lage tatsächlich gerecht werden könnte.

„Speicherquartier“ – unter diesem Schlagwort subsumierte Bull seine Ideen, die er nach eigenen Worten „gleich hatte, als ich das Gebäude zum ersten Mal sah“. Zwar sei der Bau aus den 30er-Jahren inzwischen reichlich verwahrlost, aber im Grunde solide. Der Kern der Pläne: „Wir möchten den Speicher gerne freistellen“, sagte Bull. Heißt: Die eierschalenfarbenen Anbauten werden abgerissen, dafür vier neue Einzelgebäude errichtet – „kein langer geschlossener Riegel mehr“, wie Bull betonte. Auf diese Weise sollen auch die Häuser in zweiter Reihe einen Blick aufs Wasser erhaschen können. In diesen Einzelgebäuden sollen maximal 40 Wohnungen entstehen mit einer Wohnfläche von bis zu 75 Quadratmetern. Die Neubauten erhalten ein unterirdisches Garagengeschoss, oberirdisch sind keine Stellplätze eingeplant. Bull: „Wir stellen uns vor, dass die Wohnungen touristisch genutzt, also als Ferienwohnungen vermietet werden.“ Optisch sollen die vier Einzelgebäude einen Kontrast zum Speicher bilden: Während der nämlich rot geklinkert ist, dominieren rechts und links daneben die Farben Grau und Weiß, außerdem viel Glas in den Fassaden. Hinzu kommt: Die Neubauten bleiben in ihrer Höhe unterhalb der 22 Meter des Speichers.

Beim Speicher selber hat die Denkmalpflege ein Wort mitzureden, Michael Bull kündigte einen Gesprächstermin für Mitte Februar an. Ungeachtet dessen stellte er sein „liebstes Konzept“ vor: Das beinhaltet ein kleines Boutique-Hotel, das der Speicher beherbergen soll, 15 bis 16 Zimmer plus Gastronomie im Erdgeschoss. Knackpunkt bei dieser Nutzung ist allerdings die Notwendigkeit, der linken Gebäudehälfte durch zusätzliche Fensterschlitze zu mehr Lichteinfall zu verhelfen. Bull: „Ohne Fenster kein Hotel.“ Diese Verwandlung allerdings muss die Denkmalpflege mittragen. Lässt sie keine Fenster zu, sieht Bulls Planung weitere Ferienwohnungen im Speicher vor, die Gastronomie soll in jedem Fall verwirklicht werden, im Idealfall inklusive Wintergarten. Einen potenziellen Betreiber gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, dennoch wirkte Michael Bull während seines Vortrags nicht nur zuversichtlich, sondern streckenweise durchaus euphorisch. Und er wusste offenbar um die Bedeutung des Speichers und seiner Lage. „Wir wollen nichts Fremdes in den Ort bauen“, sagte er. Und: „Die Funktion folgt der Atmosphäre.“

Einstimmig gab der Bauausschuss danach sein Einverständnis zu einem Verfahren für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Und mit ein bisschen Glück könnte die Einfallschneise in die Stadt bald um einen wirklichen Blickfang reicher sein.

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