Hochwasser in Kappeln : Sandbek meldet „Land unter“

Gummistiefel waren gestern in der Dorfstraße ein unerlässliches Utensil, auch bei den Anwohnern Ulf Callsen (links) und Lennart Bruhn.
Gummistiefel waren gestern in der Dorfstraße ein unerlässliches Utensil, auch bei den Anwohnern Ulf Callsen (links) und Lennart Bruhn.

Die Anwohner der Dorfstraße waren gestern von der Außenwelt nahezu abgeschnitten.

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23. Dezember 2014, 07:30 Uhr

Als gestern Morgen die Zeitung nicht wie gewohnt im Briefkasten lag, ist Ulf Callsen misstrauisch geworden. Der Student verbringt derzeit die Weihnachtsferien bei seinen Eltern in der Sandbeker Dorfstraße, ein Schritt vor die Tür offenbarte ihm schnell, weshalb es der Austräger nicht zu seinem Haus geschafft hatte: Die gesamte Dorfstraße bis zur Einmündung der Kreisstraße 58 stand komplett unter Wasser. Bis gestern Abend hatte sich an diesem Zustand nicht viel geändert.

Der heftige und vor allem andauernder Regen der vergangenen Tage hat dafür gesorgt, dass Boden und Leitungen mehr als gesättigt sind. Auch Ulf Callsens Onkel, Werner Johannes Callsen, kam gestern Morgen zunächst nicht aus dem Haus. „Meine Frau wollte nach Kappeln und ist über das Grundstück unseres Nachbarn bis zur Kreisstraße gelaufen, von dort hat sie dann jemand mitgenommen“, berichtete Callsen gestern Nachmittag. Allerdings sei der Wasserstand im Laufe des Tages wieder gesunken, Callsen rechnete aber mit weiteren Regenfällen in der Nacht.

Gemeindewehrführer Dirk Schadewaldt bestätigte die nasse Wettertendenz, sprach gestern davon, dass zumindest bis morgen eine Unwetterwarnung gelte. Schadewaldts Stellvertreter Rainer Seehusen ist derweil in Sandbek gewesen, hat einen Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr allerdings abgesagt. Schadewaldt: „Gefahr für Leib und Leben besteht nicht.“ Jedoch habe die Wehr einen Gullydeckel abgehoben, das Loch mit einer Europalette abgedeckt, sodass niemand hineinstürzt, das Wasser aber gleichzeitig ablaufen kann. „Es läuft einfach mehr Wasser nach als wir hätten wegpumpen können“, erklärte Schadewaldt den Verzicht, die Wehr zu mobilisieren. Durch den geöffneten Gullydeckel laufe das Wasser selbstständig ab, ein Risiko für Wohnhäuser und die Trafohäuschen bestünde nicht.

Ulf Callsen erinnerte sich derweil an einen ganz ähnlichen Wasserpegel – er sprach gestern von etwa 1,20 Meter – vor etwa zehn Jahren, sein Onkel betonte indes: „So schlimm wie jetzt war es damals nicht.“

Dirk Schadewaldt appellierte derweil an die Stadtverwaltung, sich der Sache anzunehmen. Seine Vermutung: „Irgendwas muss da mit den Rohrleitungen oder den Ein- und Abläufen nicht stimmen.“ Es sei angebracht, der Ursache für den schlechten Wasserablauf auf den Grund zu gehen. Das Bauamt bestätigte, dass ein Mitarbeiter ebenfalls vor Ort gewesen sei, um sich die Lage in Sandbek anzusehen. Jedoch war er für die Redaktion gestern telefonisch nicht mehr zu erreichen.

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