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Geburt in den eigenen vier Wänden : Säugling hatte es eilig

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

31 Minuten von erster Wehe bis zur Geburt: Zwei Wochen vor errechnetem Termin kommt die kleine Juna im heimischen Badezimmer zur Welt.

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erstellt am 22.Feb.2015 | 11:30 Uhr

Neun Monate können lang werden. Das dachte sich wohl auch die kleine Juna am 28. Januar, als sie sich auf den Weg machte, endlich das Licht der Welt zu erblicken. Und das im Eiltempo, nämlich innerhalb von einer halben Stunde.

Zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin ihres zweiten Kindes hält sich Simone Koglin mit ihrer vierjährigen Tochter Lynn in ihrem Haus in Barkelsby auf , als sie gegen Mittag ein leichtes Ziehen im Bauch bemerkt. „Ich habe gedacht, das sind Übungswehen, das passiert in dieser Phase der Schwangerschaft ja schon mal“, sagt sie. Als die Schmerzen gegen 14.30 Uhr stärker werden, schreibt die 33-Jährige ihrem Ehemann Hanjo in einer SMS, „dass es möglicherweise losgeht“ und kontaktiert ihre Hebamme. Diese rät ihr, zur Entspannung ein Bad zu nehmen. „Ich dachte ja noch, dass sich die Wehen wieder beruhigen, also habe ich mir Wasser in die Wanne eingelassen“, sagt Simone Koglin. Nur wenige Minuten später bemerkt die Bürokauffrau, dass die Geburtswehen längst eingesetzt haben.

Also wendet sie sich an ihre Schwester Sandra Schmidberger-Hübscher, die nur wenige Minuten entfernt wohnt. „Ich habe meine Tochter geschnappt und bin sofort zum Auto gelaufen“, erzählt die 40-Jährige, „die Uhr im Auto zeigte genau 14.50 Uhr an. Wegen unseres Deals habe ich bewusst darauf geachtet.“ Bei der Geburt ihrer ersten Tochter vor vier Jahren lag Simone Koglin zwölf Stunden in den Wehen. Sie hatte Angst vor einer weiteren schwierigen Geburt. Also hatten die Schwestern ein „Abkommen“ geschlossen. „Wenn du dieses Mal unter fünf Stunden bleibst, bekommst du was Schönes“, erklärt ihre Schwester Sandra.

Während ihrer vierminütigen Fahrt hat Sandra Schmidberger-Hübscher gedacht, dass ihre Schwester demnach spätestens um 20 Uhr das Kind in den Armen halten müsse. Als sie dort eintrifft, hat ihre Schwester bereits Wehen im Minutentakt. Auf dem Weg ins Badezimmer kündigt sich die erste Presswehe an. „Da war für mich klar, wir schaffen’s nicht mehr in die Klinik“, erinnert sich Sandra, „dann habe ich Simone auf den Fußboden im Badezimmer gelegt und gesehen, dass der Muttermund bereits geöffnet war.“ Dann sei alles ganz schnell gegangen. „Nach der ersten Presswehe hatte ich schon den Kopf des Babys in der Hand.“ Bis zur zweiten Presswehe habe es weniger als eine Minute gedauert. Während sie den Kopf des Kindes schützend in Händen hielt, habe sie gleichzeitig vergeblich versucht, die Hebamme anzurufen. „Ich hatte furchtbare Angst, dass etwas passieren könnte, das Kind hätte ersticken können. Ich war ja völlig allein mit der Situation.“

Die zweite Presswehe folgte und schon begrüßte die kleine Juna die Welt. „Ich habe sie sofort in den Arm genommen, da fing sie zum Glück an zu schreien und meine Angst war sofort verflogen“, sagt die Geburtshelferin. Simones Tochter Lynn (4) hat schnell Handtücher geholt, damit sich das neue Schwesterchen nicht verkühlt. Sandra Schmidberger-Hübscher ist dankbar für die Hilfe: „Ich konnte ja nicht weg, schließlich waren Juna und Simone noch durch die Nabelschnur verbunden.“

Wenige Sekunden später, laut Telefonspeicher um 15.21 Uhr, kann die frischgebackene Geburtshelferin der Hebamme telefonisch mitteilen: „Ich habe das Baby im Arm.“ Minuten später treffen Oma, Ehemann Hanjo und die Hebamme ein. Weil diese in der Eile eine Nabelschnurklemme vergessen hat, beweist Vater Hanjo einen kühlen Kopf und reicht ihr zum Abklemmen der Nabelschnur „das einzig Geeignete, was wir da hatten: pinkes Geschenkband.“

Mit einer Größe von 50 Zentimetern und einem Geburtsgewicht von 3400 Gramm ist Juna ein normales, gesundes Baby. Auch Mama Simone hat die Niederkunft auf dem Badezimmerboden gut überstanden.“ Weil sie mit 31 Minuten deutlich unter den vereinbarten fünf Stunden geblieben ist, wünscht sich die junge Mutter von ihrer Schwester etwas Schönes zum Anziehen, „aber erst, wenn der Babybauch weg ist.“

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