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Steinbergkirche : Rückwärts erinnern – und dann erzählen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Im Workshop des Märchenpädagogen Klaus Dörre erlernen Teilnehmer Techniken, um Geschichten spannend zu präsentieren.

Ältester Teilnehmer der Erzählausbildung in Neukirchen war der 80-jährige Kunstprofessor Manfred Korte aus Kiel. Er ist „Wiederholungstäter“, schließlich gehörte er zum vierten Mal zu den Teilnehmern. Zu erleben, wie Worte lebendig, zu Abenteuern und Ohrvergnügen werden, das trainierten seit Anfang des Jahres an acht Wochenenden acht Frauen und Männer. Sie haben die Kunst des freien Erzählens aus inneren Bildern heraus erlernt. Jetzt erhielten sie ihre Erzähl-Zertifikate.

„Wer gut erzählt, kann Gespräche, Vorträge, Unterricht und Veranstaltungen lebendig und eindrücklich werden lassen“, sagt Klaus Dörre (68), Märchenpädagoge und freischaffender Künstler. Dem Erzählen wohne ein ganz besonderer Zauber inne. Dörre ist seit 14 Jahren für den gemeinnützigen Verein „Grundstein“ mit Sitz in Neukirchen tätig. Sein Lieblingskind sei die Ausbildung von Erzählern in der Erzählwerkstatt.

Für Dörre, der bislang bundesweit rund 100 Menschen zu Erzählern ausgebildet hat, ist die Seele ein Speicher von Bildern und Gefühlen. Im Mittelpunkt der Ausbildung steht bei Dörre das Vermitteln des freien Erzählens – ohne auswendig zu lernen. Denn eine Geschichte, einmal gehört, setze sich mit Bildern und Gefühlen fest. Dörre erklärt das so: „Die Teilnehmer erinnern sich an das Gehörte rückwärts vom letzten bis zum ersten Bild und dann umgekehrt – und beginnen zu erzählen.“ Im Grunde sei das ganz einfach, man müsse es nur lernen und trainieren.

Zum Beispiel Ingrid Franzen (68) aus Flensburg, 17 Jahre lang Mitglied des Landtages und drei Jahre Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsministerin. Sie sagte 2009 der Politik ade. Anfang dieses Jahres schnupperte sie in die Neukirchener Ausbildung hinein und blieb dabei. Die 62-jährige Elisabeth Bahlmann aus Hamburg-Stellingen ist in der IT-Branche tätig. Von Kind an stottert sie, hat sich in der Stotterer-Selbsthilfe engagiert. Bei einem Seminar lernte sie Klaus Dörre kennen und war schnell davon überzeugt, dass das Erzählen gegen Stottern hilft. Wenn sie über ihre inneren Bilder berichtet, so die übrigen Lehrgangsteilnehmer, sei von ihrer Sprachbeeinträchtigung nichts zu spüren – für Elisabeth Bahlmann eine, wie sie sagt, „schöne Erfahrung“.

Mit dabei war auch Jacqueline Benoit (67). In Frankreich geboren, unterrichtete sie als Lehrerin an der Domschule in Schleswig. Vor sieben Jahren hatte sie schon einmal an einer Erzählausbildung teilgenommen. Doch der Schulalltag hatte sie im Griff. Jetzt im Ruhestand hat sie Zeit zu einer Wiederholung. Klaus Dörre bescheinigt ihr eine große Begabung, aus tiefster Seele heraus zu erzählen.

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