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Porträt : Rückkehr eines Kappelner Künstlers

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Nach 34 Jahren in der Fremde will Frank Poppner an der Schlei kreative Akzente setzen.

Eigentlich ist er einer von denen, die man getrost als Kappelner Jung bezeichnen könnte. Dann allerdings ist er auch das wieder nicht. Frank Poppner ist in Kappeln groß geworden, ist dort zur Schule gegangen, hat seinen Abschluss gemacht. Das jedoch ist es gewesen mit seiner Zeit an der Schlei. Erst lockte die Metropole Berlin, danach Europa, Poppner zog nach Spanien. Noch heute sagt er: „Kappelns gesamte Doppelidentität als Deekelsen habe ich komplett verpasst.“ Er lacht, viel und gerne. Es ist ein tiefes, etwas kratziges Lachen, das gut zu seiner erdigen Stimmlage passt. Nach 34 Jahren ist Frank Poppner zurück in Kappeln und mitgebracht hat er seinen ganzen Fundus an sehr spezieller Kunst.

Frank Poppner ist gelernter Steinmetz und Steinbildhauer, die handwerkliche Ader verbindet ihn mit seinem Bruder Karsten, Dachdeckermeister. Für den 53-Jährigen geht es seitdem allerdings ausschließlich um Kunst. Das heißt, eigentlich ging es das vermutlich schon vorher: Poppners Kunstlehrerin hieß Gerda Schmidt-Panknin. Über sie sagt er: „Sie hat mich sehr inspiriert. Dank ihr bin ich von der Kunst nie mehr losgekommen.“ Er hat Bäder gestaltet, aus ganzen Restaurants hat er Gesamtkunstwerke gemacht. In Berlin, so erzählt es Poppner, habe es eines seiner entworfenen Restaurants im Michelin unter die fünf schönsten der Stadt geschafft. Vor einigen Jahren entdeckte er weitere Elemente für sich, Wasser und Licht gehören inzwischen zu seinen Utensilien, Pooldesign zu seiner besonderen Kunstform. Auch an Stahl probiert er sich aus. Sein liebstes Material allerdings bleibt der Stein – „weil es das älteste auf diesem Planten ist“, sagt Poppner. Aus rauer Ursprünglichkeit macht er effektvolle Kunst. Seine Motivation? „Ich empfinde den Stein als Geschenk der Natur. Und ich möchte dem mit meiner Kunst etwas entgegen setzen, damit sich der Aufwand, den Stein dort rauszureißen, auch lohnt.“ Sein Dankeschön zurück an die Natur.

19 Jahre hat Frank Poppner als freischaffender Künstler in Spanien gelebt, private Gründe haben ihn im vergangenen Juni zurück nach Kappeln kommen lassen. „Ich freue mich, wieder ganz hier zu sein“, sagt er ehrlich. Er genießt die Jahreszeiten, den Winter, die Natur und „das Diamantfeuer des Schnees“. Der Lichtkünstler lächelt. Die Stadt habe sich verändert, zum Positiven. „Es gibt hier Menschen, die für Kunst einen Raum schaffen“, ist Poppner überzeugt. Vielleicht ja auch für seine, die sich verändert hat, seit er Spanien verlassen hat. Poppner spielt mit dem Gedanken, einen neuen Schwerpunkt zu setzen, Skulpturen im öffentlichen Raum könnte er sich vorstellen. „Damit“, sagt er, „brauchte ich in Spanien gar nicht anzutreten“. Bei diesem Thema kam er an den Einheimischen nicht vorbei. Er will seine Lichtschilde in Bronze oder Aluminium gießen, sich außerdem verstärkt der Fotografie widmen. Auf dem Gelände seines Bruders soll im Laufe des Sommers sein neues Studio entstehen, vielleicht sogar mit Galerie.

Ohnehin hat er in seinem Bruder seinen vermutlich größten Fan gefunden. Es existiert kaum ein Raum im Zuhause Karsten Poppners, das nicht ein Werk seines Bruders ziert. Wandschmuck aus mallorquinischem Sandstein, chilenischem Onyx und italienischem Alabaster, gepaart mit Spiegelelementen, poliertem Aluminium oder Dreifach-Vergoldung. In der oberen Etage steht ein Kamin, geschaffen von Frank Poppner, dazwischen Kristalle von Mallorca. „Es ist toll, mit echtem Material zu arbeiten“, sagt Frank Poppner. „Das hat eine ganz andere Schwingung.“ Sogar den Fußboden im Büro des Dachdeckerbetriebes hat er zu einem kleinen Kunstwerk gemacht. Wer genau hinsieht, erkennt steinerne Engel, die denjenigen am Schreibtisch beschützen. „Es ist mein Ziel, die Schönheit auf der Welt zu vermehren“, sagt Poppner. „Und Licht, Stein, Wasser und Luft helfen mir dabei, dem Ausdruck zu verleihen.“ Er weiß, dass er kein ganz gewöhnlicher Steinmetz ist, aber das will er auch nicht sein. Mit seinen Werken möchte er sich Räume erobern, jetzt will er herausfinden, ob Kappeln das zulässt. Frank Poppner lacht sein tiefes Lachen. „Vielleicht“, sagt er, „ist hier Platz für Künstler wie mich.“

 

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erstellt am 13.Feb.2015 | 07:15 Uhr

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