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Kappeln : Rückeberger wollen nicht „absaufen“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Anwohner befürchten einen steigenden Grundwasserspiegel bei weiterer Bebauung.

shz.de von
erstellt am 10.Jan.2016 | 16:56 Uhr

Der Widerstand war heftig, gebeugt hat sich ihm der Bauausschuss am Ende allerdings nicht. Es ging um das immer mal wieder im Fokus stehende Wohngebiet der Straßen Vorm Deich und Hinterm Deich, der Verwaltung lag ein Antrag auf Bebauung des Grundstücks Hinterm Deich 30 vor. Die Folge war eine ganze Kette von Anschreiben der Anwohner, die alle einen Antrag auf Änderung des bestehenden B-Plans stellten. Als Grund führten sie unter anderem die Sorge an, dass durch die neue Bebauung die Gefahr von Überflutungen der anderen Grundstücke bestehe.

Klar war, so ging es aus der Sachlage der Beschlussvorlage hervor, dass die eingereichte Planung des Neubaus „den Festsetzungen des B-Plans Nr. 35 [entspricht]“. Ungeachtet dessen sind bei der Stadt sieben Anträge eingegangen, die sich gegen die Planung beziehungsweise für eine Änderung des dazugehörigen B-Plans aussprechen. So richten sich die Widerstände unter anderem gegen die geplante Dachform eines Flachdaches (bislang herrschen dort überwiegend Walmdächer oder Nurdachhäuser vor), die maximale Gebäudehöhe von neun Metern über Straßenniveau sowie die Gebäudegröße bis 180 Quadratmeter Grundfläche. Zusammengenommen würde der Neubau so „den bestehenden Siedlungscharakter“ verändern. Ganz besonders stieß den Antragsstellern jedoch der Umstand auf, dass der Bauherr eine Aufschüttung seines Grundstücks von etwa zwei Metern über dem Niveau aller unmittelbar angrenzenden Grundstücke plane. Als Konsequenzen wurden genannt: „eine erhebliche Beeinträchtigung bezogen auf die gesamte Topographie“, außerdem „bedenkliche Auswirkungen in Bezug auf die Überflutungssituation nach starken Regenfällen“. Demnach ist auf dem Grundstück eine Sickermulde vorgesehen, die das Oberflächenwasser aufnehmen soll. Anwohner Dieter Poeck formulierte das Ganze noch ein bisschen deutlicher. „Der Bauherr muss aufgefordert werden, sein Oberflächenwasser korrekt abzuführen und nicht versickern zu lassen, weil wir sonst absaufen“, sagte er.

Offene Ohren fand er bei Christian Andresen (SSW), der prognostizierte, dass sich die angrenzenden Grundstücke in „Moorlandschaften“ verwandeln würden und eine Wertminderung die Folge sei. „Die Stadt hat eine Verantwortung, das zu verhindern“, sagte Andresen. Sowohl der Bauausschussvorsitzende Volker Ramge (CDU) als auch Ulrich Bendlin von der Bauverwaltung machten erneut darauf aufmerksam, dass sich der Bauherr mit seiner Planung innerhalb der gesetzlichen Vorgaben befinde. Bendlin sagte: „Das Vorhaben ist B-Plan-konform.“ Und Ramge stellte klar: „Wenn wir etwas ändern können, dann nur den B-Plan.“ Eben das fand Michael Arendt (LWG) nicht als einziger kompliziert. „Den B-Plan nachträglich zu ändern, ist schwierig, weil dadurch verschiedene Forderungen entstehen können“, sagte Arendt. Und auch Axel Langkowski (CDU) fand: „Eventuell setzen wir uns sogar Regressansprüchen aus, wenn wir den B-Plan ändern.“ Diese Äußerung rief wiederum Anwohner Dieter Poeck auf den Plan, der betonte: „Wenn Sie nicht Sorge dafür tragen, dass wir nicht absaufen, müssen Sie mit Regressansprüchen von meiner Seite rechnen.“ Michael Arendt machte schließlich den Vorschlag, die seitens der Anwohner eingegangenen Hinweise im Rahmen des Bauvorhabens zu prüfen beziehungsweise den Kreis als Baubehörde darauf aufmerksam zu machen. Ulrich Bendlin gab jedoch zu bedenken: „Was die Behörde aber daraus macht, liegt nicht mehr in unserem Machtbereich.“ Die Anträge auf Änderung des B-Plans Nr. 35 lehnte der Ausschuss danach einstimmig ab.

Anwohnerin Gerda Hartmann, die der Sitzung ebenfalls beiwohnte, gab sich auch einige Zeit später trotz der abschlägigen Entscheidung des Gremiums recht zufrieden. „Uns war es ganz wichtig, dass wir in dieser Angelegenheit und gerade was das Hochwasserrisiko betrifft, gehört werden“, sagte sie hinterher. Dass ihre Anträge auf B-Plan-Änderung am Ende tatsächlich von Erfolg gekrönt sein würden, sei ohnehin kaum zu erwarten gewesen. „Aber wir wollten die Stadt für das Thema sensibilisieren“, sagte Hartmann. Bereits jetzt, ohne den geplanten Neubau, käme es vor, dass weiter hinten liegende Grundstücke „fast ertrinken“, beschrieb die Anwohnerin die Situation. Und eine weitere Versiegelung habe zur Folge, dass noch mehr Grundwasser verdrängt werde. Auch deshalb war es ihr wie allen anderen Antragsstellern wichtig, eine eindeutige Abführung des Oberflächenwassers einzufordern. Hartmann geht davon aus, dass die Problematik bei der Stadt angekommen ist und zählt jetzt darauf, dass auch der Kreis die Risiken erkennt. „Ich hoffe wirklich“, sagte sie, „das ist durch unsere Anträge gelungen“.

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