Restaurierung : Riesebyer Glocke reist nach Holland

Am Haken eines Krans schwebt die 700 Kilogramm schwere Kirchenglocke aus 15 Metern Höhe sanft zu Boden.
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Am Haken eines Krans schwebt die 700 Kilogramm schwere Kirchenglocke aus 15 Metern Höhe sanft zu Boden.

Eine Spezialfirma restauriert das 209 Jahre alte Geläut samt Holzjoch. Der Kirchenvorstand hofft auf den Wiedereinbau rechtzeitig zu Ostern.

shz.de von
21. Januar 2015, 07:30 Uhr

700 Kilogramm schwer schwang die Kirchenglocke am Haken des Krans leicht hin und her, bevor sie sanft auf den Boden gesetzt wurde. Nicht nur Pastor Jörg-Michael Schmidt schaute gestern am frühen Nachmittag zu, wie das Herzstück des Glockenturms der Riesebyer St.-Petri-Kirche seinen angestammten Platz verließ und aus 15 Metern Höhe zu Boden schwebte. Die Nacht hat die Glocke aus Bronzeguss direkt vor der Kirche verbracht, bevor sie heute die lange Reise nach Aasten in die Niederlande antritt. Bei der dort ansässigen Firma Eijsbouts erfolgt eine Generalüberholung.

Und diese ist dringend nötig. Im Zuge der jährlichen Wartung wurde im vergangenen Jahr bereits im Mai ein Riss an der Glockenkrone festgestellt, der ein echtes Problem hinsichtlich der Befestigung der Glocke an der Krone darstellte. Es habe die Gefahr bestanden, so Schmidt, dass durch die Dynamik und die Bewegungen der Glocke beim Läuten auch die verbliebene Befestigung an der Krone hätte reißen und die Glocke hätte abstürzen können. Um das zu vermeiden, habe die Glocke seit acht Monaten nicht mehr geschlagen – es sei still im Dorf gewesen.

Sechs bis acht Wochen hat die holländische Spezialfirma für die anstehenden Schweißarbeiten der Glockenkrone und die Aufarbeitung veranschlagt. Neben der Glocke wird auch das Original-Holzjoch restauriert. An dem aus Eichenholz hergestellten drehbaren Tragbalken, angefertigt im selben Jahr wie die Glocke, ist die Glocke an ihrer Krone befestigt. Das zwischenzeitlich verwendete Stahljoch wurde gestern entfernt. Statt seiner soll in Zukunft wieder das restaurierte Holzjoch verwendet werden. Dieses ermögliche im Vergleich zum Stahljoch ein sanfteres Schwingen der Glocke, sodass die Belastungen für die Befestigung sich entsprechend verringerten, erklärte Schmidt.

Karsten Weiß von der Glockenwartungsfirma Herforder Elektromotoren-Werke (HEW) kennt die Riesebyer Kirchenglocke seit 15 Jahren. Der Läutemaschinenmonteur will beim Wiedereinbau der sanierten Glocke dafür sorgen, dass diese um 90 Grad gedreht und in genau derselben Haltung wie vor 209 Jahren eingebaut wird. Das schone die Glocke und gebe einen weicheren Klang, so Weiß. Aus diesem Grund sei auch die Herstellung einen neuen, weicheren Klöppels notwendig. Noch eines verriet der Fachmann gestern Nachmittag. Es gebe Anzeichen für die Vermutung, dass die Glocke sich nicht zum ersten Mal auf Reisen befindet. In ihrer Innenseite ist das Wort Eckernförde eingebrannt – ein mögliches Indiz für eine Zwischenlagerung im Zweiten Weltkrieg auf dem Glockenfriedhof. Die Kosten für die Restaurierung einschließlich der Nebenarbeiten, wie Aufbauen und Miete des Gerüsts, belaufen sich auf rund 24.000 Euro.

Seit Mai kein Kirchengeläut – ein Zustand, der in den Augen des Pastors schon viel zu lange anhält. „Ich hoffe, dass die Glocke rechtzeitig vor Ostern wieder hängt, um sie dann zum Festgottesdienst das erste Mal wieder offiziell zum Kirchamt läuten zu lassen“, sagte Schmidt. Das Gerüst bleibt bis zur Rückkehr der Glocke stehen. Es gibt im Kirchenvorstand Überlegungen, auch die andere Seite des 27 Meter hohen Turmes einzurüsten, um dann im Zuge der Glockenrestaurierung die Holzverkleidung des Turmes streichen zu lassen.

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