zur Navigation springen

Kappelner Männergilde : Rieger macht nach 22 Jahren Schluss

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Eben noch ASC-Vorsitzender, jetzt erster Ältermann: Nach 22 Jahren übernimmt Thies Kölln das Amt in der Kappelner Männergilde von Edgar Rieger.

von
erstellt am 14.Apr.2014 | 19:28 Uhr

Wenn der Brief mit dem Wappen eintrifft, steigt die Vorfreude bei Edgar Rieger und seinen Kameraden von der Kappelner Männergilde sofort an. In dem Umschlag ist die Einladung zum Gildefest, das die älteste Gilde in der Stadt alle drei Jahre feiert. Dabei wird gelacht, gefeiert und geschossen. Das Schießen bestimmt den König für die nächste Warteperiode, der vom ersten Ältermann Rieger höchst persönlich gekürt wird. Doch beim nächsten Gildefest im kommenden Jahr ernennt ein neuer Ältermann den König, denn nach 22 Jahren gibt Edgar Rieger seinen Posten auf.

In seiner Zeit als Gildemitglied hat Rieger viel gesehen und miterlebt. Schon 1971 trat er in die Verbindung ein. Acht Jahre lang war er Offizier bevor er zum Fahnenträger aufstieg. Danach wurde er zweiter und drei Jahre später erster Ältermann. Das Stadtfest zum 650-jährigen Bestehen der Stadt Kappeln vor sieben Jahren sei dabei ein Höhepunkt seiner Amtszeit gewesen. „Unseren Umzug dabei anzuführen, war etwas ganz Besonderes“, resümiert der scheidende Vorsitzende. Natürlich war auch die Feier zum 350. Geburtstag der Männergilde ein unvergessliches Erlebnis. „Auch wenn mit unseren Festen immer eine ganze Menge Arbeit verbunden ist“, erklärt Rieger. Dafür könne er sich aber immer auf seine Gildebrüder verlassen.

Einer von ihnen ist Thies Kölln, und der sagt: „Wenn ein Fest zu Ende geht, beginnt aber schon die Planung für das nächste.“ Kölln wurde auf der jüngsten Generalversammlung der Gilde zu Riegers Nachfolger erkoren. „Stress hast du dadurch aber nicht, oder ?“, fragt er seinen Vorgänger und der entgegnet: „Wenn du Spaß an etwas hast, macht dir das keinen Stress.“ Dabei kümmert sich der erste Ältermann auch um alle anderen Angelegenheiten der Gilde. Gegründet als Brand- und Sterbegilde erfüllt die Organisation auch heute noch derartige Aufgaben. Zum Beispiel die Planung von Beerdigungen oder das Sicherstellen der Totenehre ihrer Gildebrüder. „Wir kümmern uns auch um die Hinterbliebenen“, erklärt Rieger. Seelische Unterstützung sei dabei genauso wichtig wie die körperliche Hilfe, zum Beispiel als Sargträger.

Kölln betont: „Wir wollen eben unsere Traditionen schützen.“ Er gibt dieses Ziel als oberste Priorität für die Gilde an. Genau genommen bedeute das einfach, eine Verbundenheit zur Region und deren Menschen aufrechtzuerhalten. Wer einmal Mitglied ist, bleibt meist bis zum bitteren Ende. Nur selten scheiden Gildebrüder aus der Gruppe aus. „Meistens waren schon andere Familienmitglieder in der Gilde. Es wird also dadurch auch die Familientradition beibehalten“, erklärt Kölln, dessen Vater schon König der Gilde war. Es interessierten sich aber auch junge Familienväter ohne Kappelner Hintergrund für eine Mitgliedschaft. „Um den Nachwuchs machen wir uns daher keine Sorgen“, sagt Kölln. Vor allem da neben der Männergilde noch die Junge-Leute-Gilde in Kappeln existiert, um unverheirateten Männern unter 40 Jahren eine Gemeinschaft zu bieten.

Momentan zählt die Männergilde 50 Mitglieder. Mehr könne man auch nicht versorgen, sagt Rieger mit 43 Jahren Gildeerfahrung. Für das nächste Gildefest, das am dritten Wochenende im Juni 2015 stattfinden soll, reiche das aber allemal. Außerdem wird es wieder ein Mittsommernachtsfest am Sonnabend geben, zu dem die ganze Stadt eingeladen ist. Dann wird Edgar Rieger wohl noch einmal feierlich verabschiedet. Seine Vorfreude – nicht auf seinen Abschied, aber auf das Fest – kann er auch kaum noch zurückhalten: „Nach zwei Jahren hat man schon wieder Lust, ein bisschen zu feiern.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen