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Schlei-Bote

21. Oktober 2017 | 09:30 Uhr

Kappeln : Rettungsspektakel am Hafen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der vierte „Blaulichttag“ vereinte Schiffe, Fahrzeuge, Technik, Werkzeug im Gesamtwert von 30 Millionen Euro.

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2015 | 07:15 Uhr

Die Sonne war ihm gar nicht so wichtig. „Hauptsache“, sagte Dirk Schadewaldt kurz nach 11 Uhr gestern Vormittag, „es bleibt trocken“. Genau das blieb es tatsächlich, und am Ende des gestrigen „Blaulichttages“ waren nach Schätzung des Gemeindewehrführers mehr als 3000 Menschen an den Hafen gekommen, um jede Menge Rettungs- und Sicherheitsorganisationen bei ihrer Arbeit zu beobachten. Auffällig dabei: Überwiegend Familien mit jungen Kindern zählten zu den Besuchern.

Sie erlebten unter anderem einen äußerst gut gelaunten Andreas Spyra, Kapitän auf dem Bundeswehr-Sicherungsboot „Todendorf“. Die 22 Jahre alte „Todendorf“ kümmert sich als eines von vier Booten um die Absicherung der Schießgebiete in der Kieler Bucht und nahm gestern erstmals am Kappelner „Blaulichttag“ teil. Andreas Spyra freute sich sichtlich darüber, mit Zivilisten ins Gespräch zu kommen, ihnen die Aufgabe seiner fünfköpfigen Mannschaft zu erläutern. „Während der Schießzeiten sichern wir das Gebiet ab, damit niemand in den Gefahrenbereich fährt“, sagte er. Dass er mit in solchen Fällen erforderlichen Kursänderungen beispielsweise Segler nicht immer begeistern kann, ist Spyra bewusst. „Deswegen sind solche Aktionstage so toll, weil man sich dann direkt austauschen kann“, betonte er. Auf seiner Brücke hatte jemand in weiser Voraussicht schon einmal das Plakat für den „Blaulichttag 2017“ hinterlassen.

Eher im Verborgenen arbeiten in der Regel auch die Mitglieder der Rettungshunde Südschleswig. Der kleine Verein präsentierte das Können seiner Hunde, an denen allerdings die ungewohnte Situation, vor einer üppigen Zuschauermenge zu agieren, nicht spurlos vorüberging. So erkannte etwa Münsterländer „Baja“ in einer hockenden Fotografin ein wehrloses Opfer statt im extra dafür auserkorenen jungen Thiago, der auf einer Decke kauerte. Kirsten Villmow, Ausbildungsleiterin der sogenannten Mantrailer oder Personenspürhunde, erklärte dazu: „Das kann passieren, wenn die Hunde zu nervös sind.“ Das Publikum honorierte die Leistung der Tiere dennoch mit viel Applaus. Gleiches galt für die Vorführung des Technischen Hilfswerks (THW), bei der die Mitglieder in einer Simulation eine verletzte Person mit viel Kraft und Geschick und einem Schleifkorb aus einem Gullyschacht befreiten. Und drei ganz offenbar kälteresistente DLRG-Schwimmer zeigten, wie eine Wasserrettung funktioniert, für die sie sich, teils nur mit Badehose bekleidet, in die wenig warme Schlei wagten. Den staunenden Zuschauern wurde auf diesem Weg die gleichermaßen eindrucksvolle wie beängstigende Strömung der Schlei demonstriert.

Am späten Nachmittag war Dirk Schadewaldt nach eigenen Worten „überwältigt“ von den Zuschauermassen. „Es sind auf jeden Fall mehr als vor zwei Jahren“, sagte er. „Wir deuten das als großes Interesse an unserer Arbeit.“ Damit bezog er sich auf den Grundgedanken, der alle 200 Aktive am gestrigen Tag verband: Helfen, Sichern, Retten. Und der Gemeindewehrführer hatte noch eine beeindruckende Zahl vorzuweisen: Equipment im Wert von rund 30 Millionen Euro hatte sich gestern am Hafen versammelt, dazu zählten Schiffe, Fahrzeuge, Technik, Werkzeug.

Beate Engelhardt hatte nach gut drei Stunden im blinkenden Blaulicht „ganz neue Eindrücke“ gewonnen. „Schon als Kind wollte ich immer auf ein Seenotrettungsboot“, sagte die Urlauberin aus Bad Wildungen. „Heute konnte ich das endlich.“ Ihr Mann Wilhelm fühlte sich an jeder Stelle gut informiert. „Bei Fragen wurde man immer gut beraten“, sagte er, den besonders die Stationen der Bundeswehr und Polizei interessierten. Die Kappelnerin Jessica Schmidt war mit ihren Kindern an den Hafen gekommen. „Es ist toll, dass auch den Kleinen etwas geboten wird, sie sich in die Fahrzeuge setzen dürfen“, sagte sie und lobte den Mix aus Information und Aktion. Kapitän Andreas Spyra wird wohl nicht der einzige sein, der sich den „Blaulichttag 2017“ vorgemerkt hat.

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