Steinbergkirche : Rettungsdienst statt Sonntagsbrunch

Die Rettungsassistenten Jan Söntgen und Henrik Schattner haben für die Feuerwehr eine Wochenendschicht des Rettungsdienstes übernommen. Für Ortswehrführer Thomas Kahl und Gemeindewehrführer Klaus Jürgensen (v.li.) bedeutet das jederzeit einsatzbereite „First-Responder-Fahrzeug“ eine zusätzliche Form der Ersten Hilfe.
Die Rettungsassistenten Jan Söntgen und Henrik Schattner haben für die Feuerwehr eine Wochenendschicht des Rettungsdienstes übernommen. Für Ortswehrführer Thomas Kahl und Gemeindewehrführer Klaus Jürgensen (v.li.) bedeutet das jederzeit einsatzbereite „First-Responder-Fahrzeug“ eine zusätzliche Form der Ersten Hilfe.

25 Ehrenamtler sorgen im Namen der Feuerwehr für die zeitnahe Notfallversorgung im Raum Steinbergkirche – einzigartig im Land.

shz.de von
05. Januar 2015, 12:30 Uhr

Erforderlich ist nicht nur sehr viel Idealismus, notwendig ist auch die Unterstützung durch die Familien. Da sind sich die Männer und Frauen, die für die Feuerwehr Steinbergkirche an den Wochenenden freiwillig in Rettungsdiensten stehen, einig. Damit erfüllen die ehrenamtlichen Brandschützer – die Wehr zählt rund 40 Aktive – eine Sonderaufgabe: freitags von 23 bis montags 7 Uhr. Während dieser Zeit sind sie stets zu zweit in der Rettungswache präsent – in fünf Schichten zwischen jeweils acht bis zwölf Stunden.

Während der Woche, also von Montag bis Freitag jeweils von 7 bis 23 Uhr, ist die Wache hauptamtlich durch DRK-Rettungsassistenten besetzt. Gäbe es die Freiwilligen der Feuerwehr nicht, müsste der Rettungsdienst für Steinbergkirche und Umgebung an den Wochenenden ebenfalls von den Hauptamtlichen in Sörup, Kappeln und Flensburg übernommen werden, desgleichen nachts an den Wochentagen von 23 bis 7 Uhr. Doch der Feuerwehr liegt ihr Rettungsdienst im Interesse einer schnellen Versorgung von Verletzten und Kranken am Herzen – und das bereits seit 1968.

Damals, so erinnert sich der Chef der Ortswehr Steinbergkirche, der 37-jährige Thomas Kahl, gab es auf der B  199 (Nordstraße) eine Vielzahl von schweren Verkehrsunfällen. Zu jener Zeit war für den Rettungsdienst auch im östlichen Bereich die Berufsfeuerwehr Flensburg zuständig. Doch bevor die zur Stelle war, vergingen oft mehr als 30 Minuten. Zu lange, befanden die Menschen vor Ort. Diese Erkenntnis war die Geburtsstunde für den freiwilligen Rettungsdienst der Feuerwehr, damals im ehemaligen Kreis Flensburg-Land ein Novum. Das Besondere: Es waren ausschließlich Aktive der Wehr Steinbergkirche, die rund um die Uhr rufbereit waren. Um diese Aufgabe erfüllen zu können, hatten sich zehn Ehrenamtler zu Rettungssanitätern ausbilden lassen. Bereits 1968 fuhren sie 30 Einsätze, 1977 waren es 208. Damit war klar, dass der Bedarf vorhanden ist.

Seit gut einem Jahrzehnt gibt es die Kombination von Hauptamtlern des DRK und Ehrenamtlern der Feuerwehr in der Rettungswache Steinbergkirche, eine Außenstelle der DRK-Rettungswache Sörup. Diese Kombination von Haupt- und Ehrenamtlern, so Kahl, der selbst Rettungsassistent und im Hauptberuf Disponent bei der Leitstelle Nord in Harrislee ist, ist seines Wissens nach einmalig in Schleswig-Holstein. Das bestätigt sein Ortswehrführer-Vorgänger Klaus Jürgensen, ebenfalls Rettungsassistent und mit diesem freiwilligen Dienst groß geworden.

Stationiert ist der Rettungsdienst Steinbergkirche seit Anfang 2000 in dem 1990 erbauten Haus der Feuerwehr. Zur Verfügung steht ein Mehrzweckfahrzeug, das der Kreis als Träger des Rettungsdienstes dem DRK für die Notfallrettung und Krankentransporte zur Verfügung stellt.

Warum der Freiwilligendienst an den Wochenenden? Für Kahl liegt das auf der Hand: „Unserer Meinung nach ist der nordöstliche Teil Steinbergkirches unterversorgt.“ Damit spielt er darauf an, dass bei Notfällen die vorgeschriebene Hilfsfrist von zwölf Minuten von Kappeln und Sörup aus häufig überschritten wird. Deshalb, so die beiden Männer der Feuerwehr, müsse der Rettungsdienst Steinbergkirche aufrecht erhalten bleiben.

Um bei lebensbedrohlichen Situationen die Zeit bis zum Eintreffen der hauptamtlichen Helfer zu überbrücken, hat die Feuerwehr 2012 offiziell ein „First-Responder-Fahrzeug“ für die Erste Hilfe angeschafft – und das hat sich bereits bewährt. Nach wie vor sind es rund 220 Einsätze, die die Freiwilligen an den Wochenenden fahren. Zehn der Aktiven sind Rettungsassistenten, beziehungsweise -sanitäter. Hinzu kommen als weitere Freiwillige an den Wochenenden DRK-Rettungsassistenten und auch Mitarbeiter von Krankenhäusern, sodass insgesamt 25 Männer und Frauen zur Verfügung stehen.

Wie groß der Idealismus ist, wird daran deutlich, dass jeder Rettungsdienstler 30 Stunden pro Jahr für die Fortbildung nachweisen muss – das kostet nicht nur Extra-Zeit, sondern auch Geld aus der Privatschatulle. Als zusätzliches Problem kommt auf die Ehrenamtler zu, dass es in Zukunft das Berufsbild des Rettungsassistenten nicht mehr geben wird. Angesagt ist stattdessen der „Notfallsanitäter“ und das, so Thomas Kahl, sei weitaus mehr als nur eine Umbenennung. Vielmehr beinhalte es noch höhere Anforderungen an die Ausbildung und weitere Prüfungen.

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