zur Navigation springen

Kappeln : Rettungsanker für die Koslowski-Halle

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Bürgermeister Heiko Traulsen präsentiert eine Lösung, die den Erhalt der Kultur- und Veranstaltungsstätte sichern soll. Der Kreis signalisiert Zustimmung.

Es ging um 40 Dezibel. So viel Lärm verursacht ein sprechender Mensch bei einer normalen Unterhaltung. So viel Lärm dürfen Autos maximal ausstoßen, wenn sie nach einer Veranstaltung in der Koslowski-Halle nach 22 Uhr weggefahren werden. So viel Lärm hätte dem Hallenbesitzer Rainer Koslowski beinahe das Genick gebrochen. Zu Beginn des Sommers nämlich sah es ganz danach aus, als würde Koslowski seine Halle noch in diesem Jahr für immer abschließen – zu sehr machten ihm die Beschwerden über den Lärm zu schaffen, zu kostspielig und umfangreich waren die Auflagen, die er zu erfüllen hatte. Seit Mittwochmittag ist nun klar: Mit Unterstützung der Stadt und des Kreises scheint die Problematik des lärmenden Abreiseverkehrs gelöst. Und Rainer Koslowski wird es noch einmal versuchen.

Bürgermeister Heiko Traulsen hatte ins Magistratszimmer geladen und warf zunächst einen Blick zurück. Im vierten Jahr habe Rainer Koslowski gemeinsam mit seiner Ehefrau Gisela immer wieder neue Anläufe unternommen, um die Veranstaltungshalle im Bahnhofsweg endlich auf rechtlich sichere Füße zu stellen. Drei Bauanträge habe er auf den Weg gebracht – „aber aus irgendeiner Ecke kam dann regelmäßig der nächste Querschlag“, erinnerte sich Traulsen, der dem Ehepaar für dessen nie versiegendes Durchhaltevermögen dankte. Knackpunkt blieb am Ende der abreisende Verkehr nach 22 Uhr, der das erlaubte Limit von 40 Dezibel nicht einhalten konnte. Aus dem mittlerweile dritten Schallschutzgutachten geht nun hervor, dass, sollten die Autos an anderer Stelle untergebracht werden können, die 40-Dezibel-Grenze nicht überschritten werde und der Betrieb der Halle auch nach 22 Uhr so aufrecht erhalten werden könne. Traulsen erklärte: „Die 26 erforderlichen Stellflächen hat ein örtlicher Gewerbebetrieb von sich aus angeboten.“ Mittels eines Baulasteintrags werde dieser Umstand nun rechtlich abgesichert. Die bereits vorhandenen und der Halle zugehörigen Stellflächen dürfen folglich von 22 bis 6 Uhr nicht genutzt werden.

Für Rainer Koslowski birgt diese Regelung mehr Spielraum, da vor allem bei Privatveranstaltungen (der deutliche höhere Geldbringer im Vergleich zu den kulturellen Terminen) die 22-Uhr-Marke überschritten wird. Dennoch tat er sich zunächst schwer, die Zuversicht des Bürgermeisters zu teilen. „Ist das jetzt wirklich alles so?“, wollte der Hallenbesitzer mehrfach wissen. Und auch wenn Traulsen einräumte, nichts Schriftliches in der Hand zu halten, betonte er doch: „Wenn alles so geschieht, wie im Gutachten festgelegt, hat der Kreis signalisiert, dass nichts gegen eine Baugenehmigung spreche.“ Diese Worte reichten dann doch. Rainer Koslowski holte zwar noch einmal tief Luft, nickte dann und verkündete: „Dann greifen wir noch einmal an und geben jetzt richtig Gas. Dann machen wir weiter.“

Abgesehen vom nun gelösten Parkplatzproblem bringt diese Entscheidung allerdings weitere Kosten für den Veranstalter mit sich. Sämtliche Fenster müssen noch wirksamer abgedichtet werden, gleiches gilt für den Eingangsbereich. Zudem müssen Brandschutzklappen installiert werden, Raucher sollen eine Möglichkeit erhalten, sich auch mit brennender Zigarette im Innern der Halle aufzuhalten. Insgesamt kalkuliert Koslowski mit einer Summe im höheren fünfstelligen Bereich. Er versprach: „Wir werden die Auflagen erfüllen und sogar noch ein bisschen mehr. Wir machen die Halle pottendicht.“

Für den Wirtschaftskreis „Pro Kappeln“ hob Vorsitzender Stefan Lenz die Bedeutung der Halle für die Stadt hervor und appellierte an die Bürger, die Veranstaltungen tatsächlich zu besuchen. „Kultur in Kappeln ist möglich und nötig“, sagte Lenz. „Jetzt müssen wir alle dafür sorgen, dass auch wieder Leben in die Halle kommt.“

Die ebenfalls anwesenden Vertreter der Wirtschaft und Touristik Kappeln GmbH, Geschäftsführer Jürgen van Schöll, und der Ostseefjord-Schlei-GmbH, Marketingleiterin Andrea Simons, boten an, die Halle zu unterstützen, indem sie etwa den Veranstaltungsflyer in sämtlichen Touristinfos auslegen oder den Newsletter über ihren eMail-Verteiler versenden. Vorstellbar sei auch eine Art Informationspunkt am Hafen, der nicht nur auf das Programm der Koslowski-Halle, sondern auch des Kunsthauses Hänisch oder der „Palette“ hinweise. Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker machte sich dafür stark, die kulturellen Angebote der Stadt eventuell auf diese Weise zu bündeln.

Die unmittelbare Zukunft gestaltet sich für Rainer Koslowski allerdings so: Als erstes wird er den inzwischen vierten Bauantrag stellen. Ende November soll die Halle vorübergehend schließen, um alle nötigen Umbauarbeiten vorzunehmen. Angepeilter Termin zur Wiedereröffnung ist der 1. März. Mit Blick auf diesen recht ambitionierten Zeitplan betonte Koslowski, dass er sich auch in der Vergangenheit nie von Stadt oder Kreis behindert sondern vielmehr gefördert gefühlt habe. Gleichzeitig richtete er seinen Dank auch an die äußert engagierte Bürgerinitiative „Kultur in der Koslowski-Halle muss bleiben“.

Michael Holzem, Mitglied dieser Initiative, zeigte sich über das Ergebnis erfreut. „Ich finde das sehr gut, dass der Zusammenhalt bei dieser Aktion zum Erfolg geführt hat. Aber auch die Arbeit in der Verwaltung ist dafür verantwortlich“, meinte Holzem. Die Frage sei doch, was passiert wäre, wenn man nicht aufgestanden wäre, dann hätte Rainer Koslowski die Sache womöglich im Sande verlaufen lassen. „Für die Motivation ist es nun mal wichtig auch Rückenwind zu bekommen“, so Holzem. Nur die Information seitens der Politik fand er nicht ausreichend. „Da muss man mit Herzblut sprechen, da muss man auch mal Klartext reden und nicht nur Wischi-Waschi.“

Bei aller Erleichterung also, die sich rundum breit machte, und allem Willen, weiter zu machen, stellte Rainer Koslowski eines unmissverständlich klar: „Wenn die Sache noch ein Mal einknickt, dann ist endgültig Schluss.“

zur Startseite

von
erstellt am 04.Okt.2013 | 07:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen