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Zukunftsperspektive : Rettet ein Stall das Schleimuseum?

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Ein altes Gemäuer neben Mühle und Sägewerk könnte das neue Domizil für die Exponate des Schleimuseums werden. Bis zum Jahresende sollen Plan und Ausgaben feststehen.

Das Schleimuseum existiert noch. Das muss wohl vorweggeschickt werden, wenn in der Folge von einer möglichen Zukunft dieser alteingesessenen Kappelner Einrichtung die Rede sein soll. Karsten Poppner jedenfalls räumt ein, dass es ihn kaum überrascht, wenn ihn jemand fragt, ob es das Museum noch gibt. Der Vorsitzende des Museumsvereins weiß, dass das schon seit geraumer Zeit eigentlich nur noch auf dem Papier der Fall ist. Aber er sagt auch, dass er sich getragen fühlt von Bürgern und Urlaubern, dass er das Gefühl hat, Kappeln stehe hinter seinem Schleimuseum – wenn es auch derzeit nicht mal ein Museum gibt, in dem man stehen könnte. Genau das aber soll sich ändern. Karsten Poppner steht in der Schleswiger Straße, neben ihm die Mühle „Amanda“, vor ihm ein alter Schweinestall. Wenn es nach ihm ginge, könnte das das neue Schleimuseum werden.

200 Quadratmeter Grundfläche, ein undichtes Dach, ungedämmtes Mauerwerk, zugige Türen und Fenster, keine Heizung, ungepflegte Grünanlage – es gibt idealere Bedingungen, um ein Museum zu erschaffen. Trotzdem: Ungeachtet des löchrigen Materials ist dem alten Schweinestall durchaus Charme zu attestieren. Und natürlich eine perfekte Lage. Karsten Poppner jedenfalls hat es gepackt, in seinem Kopf wirbeln die Ideen nur so umher. Dass er Hilfe braucht, um seine Gedanken umzusetzen, ist ihm bewusst. Er hat bereits mit der Handwerkerrunde gesprochen, ein befreundeter Architekt sitzt über möglichen Plänen. „Man kann wirklich etwas draus machen“, sagt Poppner. Und gerade mit Blick auf die Handwerkerrunde „sind alle gewillt, mitzumachen“. So einfach wie bei der Neugestaltung des Eingangs zur Bücherei wird es derweil nicht. Damals hatte die Runde nur das Material in Rechnung gestellt und ihre Arbeitskraft gesponsert. Aber Poppner sagt: „Ich kann mir gut vorstellen, hier an den Wochenenden mit zwei, drei Lehrlingen das Dach zu erneuern.“

Im Innern ist indes der Schweinestall nicht zu verleugnen – und Karsten Poppner betont: „Mir wäre schon wichtig, den Stil komplett zu erhalten.“ Dazu gehört etwa ein alter Lastenaufzug oder zumindest die Vorrichtung, die davon übrig geblieben ist. Poppners Idee dafür: ein Kamin. Oder die tieferliegende Rinne im Boden. „Man könnte Plexiglas drüber legen und Exponate darunter zeigen.“ Poppner hat sich erlaubt, „ein bisschen rumzuspinnen“. Konkreter sind da schon die kalkulierten Zahlen: Der Museumsvereinsvorsitzende rechnet mit mindestens 100.000 Euro allein für die Instandsetzung und Herrichtung als ausstellungstauglichem Raum. Dazu kommt noch der Kaufpreis für den baufälligen Stall samt Grundstück, beides derzeit in Privatbesitz.

Glücklicher Nebenaspekt: Nach Poppners Worten könnte sich auch die Stadt eine neue Nutzung für den Schweinestall vorstellen – etwa für Hochzeitsgäste, die nach der Trauung in der Mühle in urigem Ambiente noch mit einem Glas Sekt anstoßen wollen. Bei größeren Gruppen ist das in der Mühle kaum möglich, in einem extra dafür abgetrennten Teil des Stalls schon eher. Auch deshalb träumt Poppner davon, dass die Stadt als Käufer auftreten könnte, vor allem, weil sie in der Position ist, andere Fördertöpfe abklopfen zu können als ein Verein. Und die unmittelbare Nähe zu Mühle und Sägewerk lässt den Vorsitzenden in Gedanken schon nicht nur an eine ideale Konstellation für an Kappelns Historie Interessierte denken, sondern auch an eine gemeinsame Nutzung von Ressourcen. „Es sind zehn Meter bis zur Mühle“, sagt Poppner. „Da könnte man problemlos über einen Graben die Heizungsanlage der Mühle mitnutzen.“

Ein wenig hat sich das Schleimuseum in den vergangenen Monaten schon der Schleswiger Straße genähert. In der zweiten Etage der Mühle hängen Kappeln-Motive, ein Modell des Heringszauns steht dort unter Glas, etliche Buddelschiffe schmücken die Fensterbänke, im Erdgeschoss steht ein lebensgroßer Taucheranzug, wie ihn ein Schleitaucher in einer anderen Zeit getragen haben könnte. Karsten Poppner sagt: „Von der Touristinformation weiß ich, dass die Exponate regen Zuspruch erfahren.“ Der größte Teil aller potenziellen Ausstellungsstücke allerdings liegt immer noch gut verwahrt in einer Halle der früheren Marinewaffenschule in Ellenberg. Dafür zahlt der Verein Miete in einem überschaubaren Rahmen. Ebenso überschaubar allerdings scheint der Zeitraum, innerhalb dessen die Halle überhaupt noch in dieser Weise genutzt werden kann. „Nochmal in eine andere Zwischenlösung umzuziehen mit all den Exponaten ist problematisch“, sagt Poppner. Wo sonst bestünde schon die Möglichkeit, die schiere Zahl des musealen Eigentums unterzubringen? Dann doch lieber gleich ins endgültige Zuhause, in das sicher auch nicht alles reinpasst, aber auch nicht alles hinein soll. „Wir müssen neu sortieren“, kündigt Poppner an.

Zuerst aber muss er Menschen um sich scharen, die seine Ideen nicht nur gutheißen, sondern mit Stimme und Tun unterstützen. Und er muss belastbare Zahlen vorlegen, genauso wie eine handfeste Planung. Bis zum Jahresende will er das schaffen. „Und dann“, sagt er, „muss man es vielleicht einfach tun“. Damit das Schleimuseum nicht mehr nur auf dem Papier existiert.

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erstellt am 29.Aug.2014 | 07:30 Uhr

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