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Klaus-Harms-Schule Kappeln : Reif für die Ausstellung

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Gymnasiasten arbeiten Werke namhafter Künstler aus ihrer Schulgalerie auf und präsentieren sie bis zum 1. Juli im Rathaus.

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2016 | 07:00 Uhr

Dietmar Hilscher stand mitten im Rathaus-Flur und konnte es eigentlich gar nicht glauben. Ganz offenbar war er jahrelang durch seine Schule gelaufen und hatte dabei stets geradeaus geguckt, seltener nach rechts oder links. „Ich habe überhaupt nicht gewusst, dass dieses Bild bei uns hängt“, sagte der stellvertretende Schulleiter der Klaus-Harms-Schule fast ungläubig und meinte damit ein Werk des Berliners Bernhard Schwichtenberg mit dem schönen Titel „Holland-in-Not-Platituden“. Zu Hilschers Ehrenrettung sei gesagt: Im Moment hängt dieses Bild auch nicht in der Schule, sondern eben im Rathaus. So wie 18 weitere Werke. Ihren angestammten Platz aber hat jedes von ihnen im Kappelner Gymnasium. Die Schüler des Ästhetischen Profils haben nun dafür gesorgt, dass diese ausgewählten Bilder aus der umfangreichen Schulgalerie aus ihrem Schattendasein heraustreten und der Öffentlichkeit in einer Ausstellung zugänglich gemacht werden. Sie haben ihnen quasi den Status „Ausstellungsreif“ verliehen und so ihre Schau benannt. Gestern Vormittag war Eröffnung.

Michael Arp, Peter Nagel, Gerda Schmidt-Panknin, Daniel Loewe, Harald Duwe, Klaus Fußmann – die Liste der Künstler, deren Bilder in den kommenden fünf Wochen im Rathaus hängen, ist lang. Und dennoch rücken ihre Namen fast ein wenig in den Hintergrund. Gleichwohl gründet auf ihnen das, was die 17 Abiturienten in den zurückliegenden Monaten geleistet haben. Bürgermeister Heiko Traulsen sprach anlässlich der Eröffnung von einer „vielschichtigen Arbeit“, davon, dass sich die Schüler „auf beispiellose Art“ mit den Bildern auseinander gesetzt haben. Wie diese Art ausgesehen hat, fassten die die Gymnasiasten auf souveräne Weise vor ihren Gästen zusammen.

Sie stellten ihre einzelnen, oft sehr intensiven Arbeitsschritte bis hin zur Ausstellungsreife vor, sprachen von Zustandserfassungen, Tabellenerstellung, Flurplänen, jeder Menge Archiv- und Recherchearbeit, von Analysen und Interviews, von Fotografien und Textbearbeitung, vom Anfertigen der Passepartouts und vom tatsächlichen Hängen der Bilder. Schülerin Marisa Kühn sagte etwa: „Unser Ideal waren immer eine Ausstellung und ein Katalog – auch wenn wir wegen der zusätzlichen Abi-Belastung ordentliche Bedenken hatten.“

Geschafft haben sie es dennoch, und die Abiturientin Maj-Britt Langenstein lächelte als sie sagte: „Das hier ist jetzt der Höhepunkt im ganzen Prozess.“ Und damit auch der Betrachter einen ungefähren Eindruck von eben diesem Prozess erhält, haben die Schüler die Ausstellung um ein „Making of“ erweitert: Auf mehreren Großformaten schildern sie in Wort und Bild, was sie wann wo und auf welche Weise erarbeitet haben. Der letzte Handschliff wurde demnach tatsächlich erst am Sonnabendabend kurz vor Mitternacht angelegt.

Dass hinter der ganzen Arbeit auch ein schulischer Aspekt steht, habe ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch eine untergeordnete Rolle gespielt, sagte Maj-Britt Langenstein gestern. „Irgendwann überwog der Anspruch, etwas Sehenswertes abzuliefern“, sagte die 18-Jährige. „Die Note rückte in den Hintergrund.“

Diese Auffassung entspricht der, die Dr. Christina Kohla in ihrer Arbeit mit den Schülern wahrgenommen hat. Die Kunsthistorikerin hatte die Abiturienten gemeinsam mit Lehrerin Henrike Reinckens durch die Aufgaben geführt und betonte gestern: „Jeder hat es wirklich zu seinem eigenen Projekt gemacht, und es war sehr berührend, das zu erleben.“ Zwar habe die ein oder andere Anstrengung genauso dazugehört, aber jeder habe sich verantwortlich gefühlt, dem gemeinsam beschlossenen hohen Anspruch gerecht zu werden. Und Henrike Reinckens gab sich zuversichtlich, dass ihre Schüler sogar noch ein bisschen mehr aus ihrer arbeitsintensiven Unternehmung mitgenommen haben. „Sie werden jetzt mit anderen Augen gucken“, sagte Reinckens. Und: „In vielen Jobs muss man immer mal wieder etwas präsentieren – jetzt wissen sie, worauf es dabei ankommt.“ Und Dietmar Hilscher weiß künftig, wo er Bernhard Schwichtenberg in seiner Schule findet.

> Die Ausstellung ist bis zum 1. Juli zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen. Kontakt für Führungen: Tel. 01  51  / 21  52  47  14 (Dr. Christina Kohla)

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