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Gefrässige Tiere : Reh und Hirsch sorgen für Gärtnerfrust

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Reh- und Damwild sind ständige Besucher in den Gärten von Vogelsang-Grünholz und fressen Pflanzen an – sehr zum Leidwesen der Hobbygärtner.

shz.de von
erstellt am 02.Sep.2014 | 12:30 Uhr

Sommer- und Frühlingszeit ist Gartenzeit – auch für die Bürger im Ortsteil Vogelsang-Grünholz. Aber dort nicht für die Bürger, sondern auch für das Reh- und Damwild. Sehr zum Leidwesen der Hobbygärtner. Denn nahezu alles, was ausgesät oder angepflanzt wird, fällt dem scheinbar unstillbaren Appetit von Rehbock und Co. zum Opfer. Seien es Hornveilchen, Tulpen, Rosen, Rittersporn oder Buchsbäume – vor den Paarhufern ist nichts sicher. In jeder Straße treibt das Wild in Rudeln von fünf bis zu zehn Tieren sein Unwesen, sucht fast jeden Garten auf, um dort zu fressen. So seien nachts teilweise bis zu 50 Tiere im Ort unterwegs, hat Uwe Wichert, zweiter stellvertretender Bürgermeister, beobachtet. Die Bürger sind mittlerweile nicht mehr nur verärgert, sondern frustriert.

So auch Astrid Tönning. Die 61-Jährige wohnt im Eichenweg. In ihrem Garten blühen keine Rosen mehr – die Knospen waren für die Rehe zu verlockend. Der Rittersporn auf dem Friesenwall wurde durch das Wild niedergetrampelt. Nicht nur bei Nacht, sondern auch am hellen Tag tauchen Rehe bei ihr im Garten auf: „Vor Kurzem habe ich morgens um 10 Uhr zwei Tiere bei mir auf der Auffahrt stehen sehen.“ Den Schaden durch den Wildverbiss beziffert sie auf mehrere Hundert Euro. „Mittlerweile ist es keine Lachnummer mehr“, sagt Tönning. Auch bepflanzte Schalen auf Terrassen verschmähen die Tiere nicht. Selbst wenn diese nur einen Meter von der Terrassentür, hinter der die Bewohner aus dem Fenster schauen, stehen. So geschehen bei Barbara Wichert, die ebenfalls im Eichenweg wohnt. Ein Rehbock hat die Schale mit Hornveilchen vor ihren Augen regelrecht ausgeräumt.

Von einer „unzumutbaren hohen Wildbelastung in den Gärten“ spricht die Wählergemeinschaft Aktive Bürger Damp (ABD). „Es muss etwas geschehen“, fordert Uwe Wichert ein Handeln von Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Hegering Schwansen. Denn laut Jagdschutzgesetz steht den Hobbygärtnern kein Schadensausgleich zu.

Vorkehrungen, wie Vogelnetze, Flatterband oder Alustreifen helfen wenig bis gar nichts. Und einzäunen? Dann müsse man einen Zaun von mindestens zwei Meter Höhe errichten, so Uwe Wichert. Und man wolle ja auch nicht in einer Festung leben.

Für den Hegering Schwansen existiert ein Plan, der in drei Jahren den Abschuss von 3900 Stück Damwild vorsieht. Der Leiter des Ordnungsamtes Schlei-Ostsee, René Kinza, ist überzeugt, dass das Problem nur in den Griff zu kriegen sei, „wenn man den Wildbestand deutlich reduziert“. Er pocht auf die unbedingte Einhaltung der Abschusszahlen. Das sei in der Form nicht passiert. Friedrich von Ahlefeld, Leiter des Hegerings, dementiert. „Zwar wollen wir die Bestände deutlich zurückfahren, aber behutsam.“ Die Pläne seien mit der Jagdbehörde des Kreises entschieden worden. Von einem zu hohen Aufkommen an Damwild könne mittlerweile keine Rede mehr sein. „Und wir sind keine Mordgesellen“, bekräftigt er seine Absage an höhere Abschussquoten.

Seit zwei Wochen sichert ein Schutzzaun aufgrund der Wildunfälle die B 203. Das Wild soll durch den Tunnel bei Kratt unter der Straße queren. Ob der Zaun die Tiere davon abhält, die Gärten in Vogelsang-Grünholz aufzusuchen, bleibt abzuwarten.

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