Kappelner Abschlussbilanz : Rechenmaschine läuft auf Hochtouren

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Schneller als der Kreis: Die Kämmerei hat innerhalb kürzester Zeit vier Jahresabschlussbilanzen vorgelegt.

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14. Juli 2015, 07:30 Uhr

In der Vergangenheit hinkten die städtischen Abschlussbilanzen teilweise um Jahre der Gegenwart hinterher. Das gab Anlass für so manche Kritik. So monierte damals CDU-Fraktionsvorsitzender Matthias Mau (CDU), dass die Jahresabschlüsse nicht zeitnah wären. „In einem privaten Unternehmen wäre so etwas undenkbar“, so Mau. Dabei zielte die Kritik des Hauptausschussvorsitzenden darauf ab, dass bei dieser Vorgehensweise Planung und Kontrolle für künftige Einnahmen und Ausgaben erschwert würden.

Grund für diese Verzögerungen ist demnach das enorme Arbeitspensum, das die Abteilung „Städtische Finanzen“ zu absolvieren hat. Jahr für Jahr müssen die vier Mitarbeiter des Fachbereiches „Finanzen und Controlling“ allein fünf Abschlussbilanzen für das Amt Kappeln-Land, den Nahbereichsschulverband und die Stadt Kappeln erstellen, teilweise bis zu jeweils 60 Seiten Umfang. Dabei benötigt die Verwaltung pro Haushaltsabschluss etwa eineinhalb bis zwei Monate.

Damit nicht genug kam im November 2012 die Drohung des Landes-Innenministeriums bei der Höhe der Abschlagszahlung zu berücksichtigen, ob die Jahresabschlüsse vorliegen oder nicht. Dazu sagte Kämmerer Klaus Blöcker damals: „Das sind kleine Daumenschrauben, die das Land uns jetzt anlegt.“ Immerhin ging es für die Stadt allein im Jahr 2012 um 100.000 bis 200.000 Euro. Die Politik gewährte daraufhin der Kämmerei ein halbes Jahr lang vier statt der normalerweise dreieinhalb Stellen. „Da haben wir ordentlich rein geklotzt“, so Blöcker. So hat der Fachbereich innerhalb kurzer Zeit die Eröffnungsbilanz 2010, die Schlussbilanzen für die Jahre 2010, 2011, 2012 und jetzt 2013 berechnet und sich dazwischen auch noch den Kontrollen des Kommunalen Prüfungsamtes gestellt. Keine einfache Aufgabe, da eine Jahresabschlussbilanz im Unterschied zur Haushaltsplanung der Kämmerei wenig Freiräume lässt. „Der Haushaltsabschluss muss bis auf den letzten Cent stimmen“, so Blöcker. Doch nun wurde der Rückstand weitgehend aufgeholt.

„Mit dem Jahresabschluss 2013 nähern wir uns jetzt immer mehr der Gegenwart an“, verkündete Klaus Blöcker den Stadtvertretern auf ihrer jüngsten Sitzung. Dabei handelt es sich im Übrigen um die erste Abschlussbilanz, bei der die jetzigen Stadtvertreter auch Verantwortung dafür tragen. Bei den Bilanzen aus den Vorjahren waren viele Mandatsträger noch nicht im Amt, als die auf den Weg gebracht worden sind.

Der Haushaltsabschluss 2013 ist Spiegelbild des konjunkturellen Aufwärtstrends und auch der Sparmaßnahmen. Als die geplante Bilanz im Dezember 2012 vorgestellt wurde, rechnete die Kämmerei noch mit einem Minus von 1,4 Millionen Euro. Doch die Dividenden aus den erworbenen Anteilen an der Schleswig-Holstein Netz AG, mehr Gewerbesteuereinnahmen und höhere Einnahmen am Anteil der Einkommenssteuer sowie weniger Ausgaben ließen das berechnete Defizit um rund eine Million Euro abschmelzen. „Beim zweiten Nachtragshaushalt gingen wir nur noch von einem Defizit in Höhe von 308.000 Euro aus“, sagte Blöcker. Tatsächlich beträgt das Minus im Jahresabschluss nun 482.628 Euro. Dass das Minus noch etwas angewachsen ist, begründete Blöcker mit Abschreibungen und Pensionsrückstellungen in Höhe von 240.000 Euro.

Mit den Abschlussbilanzen ist die Stadt nun gut davor. Laut Verwaltung hinkt der Kreis mit seinen Bilanzen fünf Jahre zurück. Für den städtischen Haushalt 2014 rechnet der Kämmerer nun mit einem Haushaltsüberschuss. Das lässt das Schwert des Innenministeriums mit der Jahresfehlbetragszuweisung stumpf werden. Nun gilt es wohl eher, alte Fehlbeträge auszugleichen – für Blöcker ein völlig neue Situation: „Da muss ich mich erst noch daran gewöhnen.“ Schließlich hat der städtische Haushalt über viele Jahre jeweils ein Minus ausgewiesen.  

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