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Kunsthaus Hänisch : Realisten-Ausstellung als Publikumsrenner

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

1200 Besucher sahen die Bilder von Warwas, Möller und Petermann. Positives Fazit zur ersten Kooperation des Kunsthauses Hänisch mit der Kulturstiftung.

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2014 | 11:30 Uhr

Inzwischen sind die Wände blank, die Bilder sorgfältig eingepackt und abtransportiert. Die Schau „Von Kappeln bis Flensburg“ im Kunsthaus Hänisch ist Geschichte, an Till Warwas, Lars Möller und Ulf Petermann erinnert nur noch der Eintrag im „Buch der Stadt“. So könnte man jedenfalls meinen. Tatsächlich haben die drei Norddeutschen Realisten weit mehr als das hinterlassen. Dem Kunsthaus wie der Stadt hat die Ausstellung des bemerkenswerten Trios so etwas wie einen Schub gegeben, berichten die Verantwortlichen. Die erste Kooperation der Kulturstiftung und des sie tragenden Profundus-Kulturvereins mit dem Kunsthaus ist ein echter Erfolg gewesen.

„Als vor drei Jahren die Idee entstand, Maler an die Schlei zu holen, ihnen beim Malen zuzusehen und anschließend ihre Bilder auszustellen, hörte sich zwar toll an, aber ich konnte nicht glauben, dass das funktioniert“, sagt Bürgermeister Heiko Traulsen, gleichzeitig Vorsitzender des Kulturvereins, jetzt bei einem Rückblick auf das Projekt. Es hat funktioniert. Till Warwas, Lars Möller und Ulf Petermann sind im vergangenen Jahr drei Mal in Kappeln gewesen, sie sind durch die Region gezogen, haben angehalten, wenn ihnen Blick, Licht und Motiv gefielen, haben gemalt und in diesem Sommer ihre Ergebnisse sowohl im Kunsthaus Hänisch als auch in der Kunsthandlung Messerschmidt in Flensburg gezeigt. Der Lohn der äußerst ambitionierten Absicht: mehr als 1200 Besucher im Kunsthaus. Die Marc-Chagall-Schau lief gut, Armin Mueller-Stahl noch besser – doch keine kommt an die Zahlen der Norddeutschen Realisten heran.

Corinna Graunke, Gründungsmitglied des Kulturvereins, ist zufrieden. „Endlich haben sich Stiftung und Verein mal gezeigt“, sagt Graunke. „Wir wollen immer ein gutes Projekt unterstützen. Das hier war ein absolut hochwertiges.“ Die künstlerische Leiterin des Kunsthauses, Dr. Christina Kohla, hat in den gut zwei Monaten der Ausstellungsdauer acht Führungen angeboten, ganze Schulklassen haben das Haus bevölkert. Und sie hat viel Feedback von den Besuchern empfangen. „Die Bilder zeigen Blicke, die viele kennen“, sagt Kohla. „Eine einsame Person am Strand, ein Spaziergang am Hafen – die Bilder erlauben, das Gefühl wieder zu empfinden, wenn man sich auf den Moment einlässt.“ Häufig haben die Bilder zu Gesprächen angeregt, einige Schüler sind zum Standort der Maler zurückgekehrt, um den Ausblick zu überprüfen.

Der Vorsitzende des Kunsthaus-Vereins, Uli Schütt, weiß um die Besonderheit der Ausstellung. „Zwar gibt es das Kunsthaus nun schon sechs Jahre, aber diese Symbiose mit der Stiftung war etwas Spezielles“, sagt Schütt. Gleiches gilt für die Ausstellung selbst. Weil die Bilder so kurzfristig in der Region entstanden seien, sei vielen Menschen der Bezug zur Kunst leichter gefallen. Schütt sagt: „Sie hat Besucher angezogen, die vorher noch nie im Kunsthaus waren.“ Namensgeberin und Initiatorin des Kunsthauses, Hildegard Hänisch, sagt: „Hier ist etwas Neues aufgebrochen.“ Der Umstand, dass die Maler während ihrer Arbeit beobachtet werden konnten, hätte bei vielen die Neugier geweckt, nachher sehen zu wollen, was daraus geworden sei. Gerade diese besondere Konstellation von Kunst, die in Kappeln entsteht, und Kunst, die im Anschluss in Kappeln zu sehen ist, hat den Stellenwert des Kunsthauses in den Augen des Vereinsvorsitzenden Schütt, weiter forciert. Und Hildegard Hänisch erinnert sich an einen Eintrag im Gästebuch des Hauses, mit dem sich ein Besucher dafür bedankt, dass seine Heimat in den Bildern so wiedergegeben wird, wie sie tatsächlich aussieht. Vielleicht war das mit ausschlaggebend dafür, dass von den 72 gezeigten Werken 28 verkauft wurden. Und von den 1000 Katalogen zur Ausstellung sind keine mehr übrig – ein gebundener Botschafter des Kunsthauses und der Region.

Von den Künstlern selber weiß Christina Kohla zu berichten, dass sie sich wohl gefühlt haben während ihrer Aufenthalte in Kappeln. Ein Umstand, der für die Ergebnisse prägend gewesen sei. „Die Zusammenarbeit aller Mitwirkenden hat gut geklappt“, sagt Kohla, „weil alle das gleiche Ziel vor Augen hatten“. Uli Schütt bestätigt die Bedeutung des Wohlfühlfaktors, als er sagt: „Sonst wäre das am Ende eine reine Auftragsarbeit geworden.“ Dass es mehr geworden ist, ist daher auch auf die akribische Vorbereitung zurückzuführen. Harry Detlefsen, zweiter Vorsitzender des Kunsthaus-Vereins, ist überzeugt: „Der Erfolg hat den intensiven Aufwand gerechtfertigt.“

Im Kunsthaus steht nun am Sonntag, 12. Oktober, die nächste Vernissage an. Um 11.30 Uhr wird mit „Eine deutsch-dänische Begegnung“ von Katharina Duwe und Mini Blume die letzte Ausstellung des Jahres eröffnet. Der Kunstverein will derweil erst einmal durchatmen. Corinna Graunke sagt: „Dieses Projekt mit einer neuen Idee zu toppen, wird nicht leicht.“ Immerhin thront über allem der Anspruch, Kappeln den Zusatz „Kulturstadt“ zu verpassen. Und Christina Kohla glaubt: „Auf dem Weg dahin, ist das hier schon mal ein Qualitätsstandard gewesen.“

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