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28. Figurentheater-Tage in Kappeln : Räuber Hotzenplotz kriegt sie alle

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Räuber Hotzenplotz begeistert nachmittags Kinder und abends Erwachsene. Insgesamt erlebten 1500 Besucher die 28. Figurentheater-Tage.

Die rund 75 erwachsenen Besucher, die am Freitagabend im Christophorushaus eine kleine Reise in Richtung Kindheit angetreten haben, waren das deutlichste Signal dafür, dass die Rechnung aufgegangen ist: Zum ersten Mal boten die Figurentheater-Tage neben der Eröffnungsveranstaltung eine zweite Aufführung für Erwachsene an. Immer wieder war der Wunsch danach geäußert worden, und für Organisator Christopher Dank, Mitarbeiter der Kappelner Stadtverwaltung, stand hinterher fest: „Die Eröffnung war schon mehr als gut besucht. Weitere 75 Besucher zum Abschluss zeigen mir, dass eine begründete Nachfrage besteht. Meine Erwartungen sind mehr als erfüllt.“

Das galt wohl auch für die „Räuber-Hotzenplotz“-Fans, zu den 75 am Abend kamen bereits nachmittags 120, überwiegend junge Zuschauer dazu. Und beide Besuchergruppen ließen sich ein auf die wohl dosierte Interaktion, die Stefan Kühnel und Stefan Hofmann von den Kammerpuppenspielen Bielefeld immer wieder einstreuten. Geschichte und Figuren waren bekannt – ein Umstand, der vor allem am Abend den besonderen Reiz der Vorstellung ausmachte. Räuber Hotzenplotz stiehlt die Kaffeemühle der Großmutter, Wachtmeister Dimpfelmoser scheint ratlos, also ziehen Kasperl und Seppel selbst los, um den Räuber im Wald zu stellen. Dabei geraten sie allerdings in eine Falle, Kasperl landet beim leicht näselnden Zauberer Petrosilius Zwackelmann, kann dort aber die verzauberte Fee Amaryllis befreien. Am Ende ist die Kaffeemühle wieder da und der Räuber gefangen – inklusive eines eleganten, kaum zu übersehenden Hinweises auf eine zwingend erforderliche Fortsetzung. Was die Erwachsenen-Schau am Abend von der Nachmittags-Vorstellung unterscheidet? „Nicht viel“, sagte Stefan Kühnel hinterher. „Wir wollen ja in jedem Fall der Geschichte gerecht werden.“ Das gelang – auch dank der fünf unterschiedlich gestalteten Bühnenbilder: Während im riesigen Schloss des Zauberers bei fast jedem Wort ein Hall zu hören war, strömten im tiefen Keller bei der verzauberten Fee Nebelschwaden über die Bühne. Gepaart mit der koddrigen Berliner Schnauze des Räubers, dem bayerischen Einschlag des Wachtmeisters und dem naiv-gütigen Seppel glückte den beiden Bielefeldern so eine einfach gute Unterhaltungsshow.

Dass sie dabei höchst charmant auf ihr Publikum eingingen, machte ihre Aufführung noch ein bisschen reicher. Als etwa Petrosilius Zwackelmann kläglich dabei versagte, die Schale von seinen Kartoffeln zu zaubern, kam ein spontanes „Pech gehabt“ aus den Zuschauerreihen. Zwackelmanns Antwort: „Du machst dich gerade sehr beliebt, meine Liebe. Du weißt ja, wie ein Kartoffelschäler funktioniert.“ Zwischendurch streute auch der schlecht gelaunte Räuber Hotzenplotz Sätze ein, die beim erwachsenen Publikum auf dankbaren Boden fielen – etwa als er sich über die immer noch anhaltende Wirtschaftskrise beklagte und schimpfte: „Auf den Mindestlohn komm’ ich auch nicht.“

Es war auch solche Situationskomik, die durchweg gut bei den Zuschauern ankam. Brigitte Kellermann aus Kronsgaard etwa sagte in der Pause: „Ich erfreue mich einfach an den Dialogen und daran, dass das Publikum mit einbezogen wird.“ Gemeinsam mit ihrem Ehemann besuche sie sonst regelmäßig die Eröffnungsveranstaltung, in diesem Jahr habe das leider nicht geklappt – da kam der Räuber Hotzenplotz äußert gelegen. Dirk Kellermann betonte: „Es macht einfach Spaß und hat viel Charme. Ich fühle mich ein bisschen zurückversetzt in meine eigene Jugend.“ Auch die Kappelnerin Elisabeth Magnussen-Andresen sagte: „Ich amüsiere mich richtig gut, weil ich mit diesem Stück auch viele Erinnerungen verbinde.“

Die drei gehören zu den insgesamt rund 1500 Besuchern, die während der 28. Figurentheater-Tage 14 Aufführungen erlebt haben. Für Christopher Dank ist das schon deshalb eine gute Zahl, „weil wir eine Vorstellung weniger hatten als im vergangenen Jahr“. Dank sprach daher von einem „klasse Schnitt“. Vor allem die Vormittags-Termine seien innerhalb von zwei Wochen allesamt ausverkauft gewesen, sodass nicht alle Einrichtungen, die gerne kommen wollten, Platz fanden. „Gerade für die Kindergärten möchte ich deshalb noch mehr Angebote schaffen“, sagte Dank, dachte aber auch schon wieder an das ältere Publikum, für das er ebenfalls gerne eine zweite Abend-Vorstellung etablieren möchte, denn: „Das hier heute Abend war ein Super-Einstieg.“

 

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erstellt am 16.Mär.2015 | 07:30 Uhr

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