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Orgel-Restaurierung : Puzzle-Arbeit über der Kanzel

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Ostern soll die Orgel in der Nikolaikirche endgültig fertig sein. Derzeit stehen die Prospektpfeifen und ein noch ziemlich leeres Gehäuse.

Sie ist gerade mal in Ansätzen fertig. Und doch fällt es schon jetzt nicht schwer zu erahnen, wie charmant sich die neue Orgel in ihr altes Zuhause einfügen wird. Das prächtige Instrument von St. Nikolai sollte eigentlich schon in der zurückliegenden Adventszeit wieder erklingen. Ein hoher Krankenstand in der Werkstatt des Orgelbauers Reinalt Klein hat das aber unmöglich gemacht. Jetzt wird Ostern angepeilt, vorher ist also noch ausreichend Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Noch kann Thomas Euler in seiner Orgel sitzen. Der Organist von St. Nikolai muss diesen Platz noch nicht mit den mehr als 1700 Orgelpfeifen teilen. Irgendwann aber wird er hinter dem Instrument am Spieltisch sitzen, und es ist davon auszugehen, dass ihm dieser Platz dann sogar noch besser gefällt. Derzeit geben die Tasten zwar noch keinen Ton von sich, aber die im Moment noch vollkommen unverkleidete Orgel erlaubt es dem Besucher, zumindest ein Gefühl für die kleinteilige Mechanik zu entwickeln, die sich dahinter verbirgt. Kleines, aber durchaus eindrucksvolles Beispiel: Thomas Euler betätigt eines der Pedale unterhalb des Spieltisches – und löst damit eine ganze Bewegungskette aus: Wellen und Winkel tragen die Bewegung über insgesamt sieben Stationen zu ihrem Ziel, einem winzigen Ledersäckchen. „Das geht absolut verzögerungsfrei, ganz schnell und hoffentlich ganz leicht“, sagt Euler. Elektrisch, wie das Instrument, das teils aus 500 Jahre altem Material besteht, zuletzt funktioniert hat, war einmal, jetzt ist Mechanik Trumpf. Und die besteht nun mal aus vielen winzigen Mosaikteilen, die am Ende ein vollkommenes Puzzle ergeben – zumindest wenn sie aus dem Hause Klein kommt.

In den vergangenen Monaten hat Reinalt Klein für das insgesamt rund 600.000 Euro teure Mammutprojekt Pfeifen restauriert und neue gebaut. Er hat das gesamte hölzerne Orgelgehäuse neu errichtet, hat Windladen entworfen und Federn gebogen. Und er hat jede Menge recherchiert. Ein Ergebnis dieser Recherche ist gleich beim Betreten der Kirche zu sehen: Jedes Labium (Lippe) der fünf neuen mittleren Prospektpfeifen ist wie eine Pfeilspitze ausgerichtet, sie deutet nach unten auf die Kanzel. Klein erkennt darin die Verbindung von Musik und Wort. Die Labien der fünf weiteren Prospektpfeifen rechts und links sind aufsteigend angeordnet – wie die beiden Treppen, die im Hintergrund zu sehen sind. Klein ist überzeugt: „Das ist damals vom Architekten genauso gezeichnet und vom Orgelbauer genauso gebaut worden. Für uns war klar: Wenn wir die Orgel restaurieren, dann kann es nur wieder so aussehen.“ Eine Einheit zwischen Orgel und Altar, die bislang unterbrochen war.

Noch in diesem Monat will Klein die schwergewichtige Balg-Anlage auf den Dachboden der Kirche hieven. Und dann, sagt er, wird es Zeit, „die Orgel unter Wind zu setzen und ein Register nach dem anderen zum Leben zu erwecken“. Die Klanggebung – die spannendste Phase zum Schluss. „Ich habe eine Klangvorstellung im Ohr“, sagt der Lübecker Orgelbaumeister. „Ich weiß, was ich gerne hören möchte.“ Er weiß aber auch, dass die Akustik in der Nikolaikirche keine einfache ist. Das viele Holz, die hohen, großen Emporen machen es ihm schwer. Am Ende wird er den Kappelnern dennoch ein Instrument übergeben, das mit seiner filigranen Macht genauso überzeugt wie mit seinem Klang, „der die Seele berühren kann“. So hatte es Reinalt Klein selber einmal formuliert. Und dass das alles dann auch noch ausgerechnet zu Ostern passiert, zum Fest der Auferstehung Christi, ist viel mehr als ein ganz wunderbarer Zufall.
 

 

> Orgelführungen sind unter Tel. 0 46 42 / 91 11 10 oder katja.isaack@kirche-slfl.de zu buchen

 

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erstellt am 04.Jan.2014 | 08:00 Uhr

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