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Adventszeit in Kappeln : Punschbude mit Vergangenheit

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Seit 31 Jahren steht in der Vorweihnachtszeit „Andresens Futtterkiste“ auf dem Rathausmarkt – in diesem Jahr erstmals bis zum 30. Dezember.

shz.de von
erstellt am 08.Dez.2017 | 06:16 Uhr

Kappeln | Diese Punschbude ist eine Institution: Seit 31 Jahren steht Christian Andresens „Futterkiste“ auf dem Rathausmarkt. Es gibt Wurst, Frikadellen, Fliederbeersaft und Lumumba. „Und Punsch, keinen Glühwein – nur das Original“, sagt der Chef und lacht.

Als Christian Andresen 1986 anfing war er selbst noch Gastronom und betrieb das Restaurant am Zob. Thomas Simonsen war am Anfang dabei, wurde aber nach gut zwei Jahren von seinem Vater Peter Simonsen abgelöst. In den ersten Jahren hatte Andresen noch große Pläne. Etwa 1988 wollte er gemeinsam mit Bernd Albig von der „Fährschenke“ und Thomas Kiesewetter, der zu dem Zeitpunkt Wirt der ASC Gaststätte war, einen richtigen Weihnachtsmarkt auf die Beine stellen. „Was haben wir zehn Jahre lang nicht alles versucht“, erinnert der 69-Jährige sich und schüttelt den Kopf.

Ein Karussell habe es gegeben, eine Krippe, in der Gertrud Klawitter eine Kinderbetreuung angeboten hat, damit die Eltern bummeln konnten. Sogar ein Weihnachtswald sei aufgestellt worden – mit echten Tannen. Auch wechselnde Aussteller und Kunsthandwerker habe man eingeladen, und eine Weihnachtslotterie lief erst gut an. Aber: „Der Markt wurde von der Bevölkerung einfach nicht angenommen“, sagt der Punschbuden-Betreiber bedauernd. Irgendwann hatten er und seine Mitstreiter ihre Bemühungen schweren Herzens wieder eingestellt.

„Andresens Futterkiste“ dagegen ist aus der Innenstadt nicht wegzudenken. Und Christian Andresen denkt auch noch nicht ans Aufhören. Normalerweise hat er eine feste Vereinbarung mit der Stadt, dass die Bude am 24. Dezember abgebaut ist. „Ich hab damals zugesagt, dass der Platz am Nachmittag des Heiligabends wieder sauber ist“, berichtet er. Und das sei auch bis 2016 so geblieben. Immer am 23. Dezember heißt es bei ihm dann „Abpunschen – mit Spaß“. Das bedeutet für die Kunden, der Würfel entscheidet über den Preis „Aber nach welchem System verrate ich nicht. Wenn jemand Glück hat, zahlt er nichts für sein Heißgetränk. Wenn er Pech hat, den vollen Preis von 2,50 Euro“.

Stammgäste kommen regelmäßig und holen sich einen Punsch – oder wie Frank Nickel einen Mittagssnack. „Eigentlich bin ich jeden Tag hier und kaufe mir eine Wurst, wenn ich die Runde mit dem Hund gehe“, sagt er. Auch der Hund kennt die Anlaufstation bereits, denn für ihn gibt es dann immer eine Scheibe Hundewurst. Kinder kennen die Bude auch gut, denn für sie gebe es kostenlos eine Mandarine oder einen Äpfel, verrät Andresen. „Das kommt gut an“, berichtet er und erzählt von einem kleinen Jungen, vielleicht vier oder fünf Jahre, der sich in die Hütte gestellt hatte und rief: „Kinder kriegen hier was umsonst und Hunde auch. Nur Menschen müssen bezahlen!“

Das schlimmste Erlebnis, außer dass der Weihnachtsmarkt sich einfach nicht etablieren ließ, war als der Weihnachtsmann erschossen wurde. „Daran kann ich mich noch genau erinnern“, sagt Andresen und erzählt. Ein Weihnachtsmann verteilte Spielzeuge, darunter auch Waffen, an die umstehenden Kinder. Ein Kind richtete die Waffe auf den Mann im roten Mantel, dann ein Knall, ein Schrei – und der Weihnachtsmann fiel um. Kinder liefen erschrocken weg, Eltern beschwerten sich schockiert. Die Szene sei inszeniert gewesen, aber das wusste zu diesem Zeitpunkt keiner: „Den Anblick hab ich nie vergessen.“

31 Jahre „Andresens Futterkiste“– aber in diesem Jahr gibt es eine Neuerung. Erstmals wird der Stand bis zum 30. Dezember geöffnet bleiben und die Gäste mit heißen Getränken und Grillwurst versorgen. Das liegt daran, dass die beliebte „After Work Party“, die die Wirtschaft und Touristik Kappeln GmbH vor nahezu 20 Jahren auf dem Rathausmarkt initiiert hat, in diesem Jahr schon am Sonnabend, 16. Dezember, und nicht, wie traditionell, am Sonnabend vor Heiligabend stattfindet. Rund 2000 Besucher wurden in den vergangenen Jahren auf dem Rathausmarkt gezählt. Darunter viele Ortsansässige, aber auch Menschen, die verzogen sind und die es zu Weihnachten zurück in die Heimat zieht. Da am 16. vielleicht noch nicht alle Heimkehrer zum Mitfeiern da sind, gibt es sicherheitshalber in diesem Jahr eine „After Christmas Party“ am 29. Dezember.

Auch „Andresens Futterkiste“ soll deshalb aufgebaut bleiben. Und auf diese Feste freut sich Christian Andresen auch, denn bei der „After Work Party“ war bisher scheinbar immer die halbe Stadt auf den Beinen. „Es ist so voll: Es kann junge Hunde regnen, man wird wirklich nur oben nass, und wenn man zu viel getrunken hat, kann man nicht umfallen. Nur wegsacken“, weiß Andresen und lacht wieder. Nun bleibt nur abzuwarten, ob auch die „After Christmas Party“ so gut ankommt.

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