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Kappeln : Protest-Zug für ein neues Schwimmbad

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Knapp 150 Menschen zogen gestern Nachmittag vom Hafen bis zum Rathaus, um lautstark für ein neues Schwimmbad zu demonstrieren.

shz.de von
erstellt am 27.Nov.2014 | 07:30 Uhr

Knapp 150 Bürger demonstrierten gestern Nachmittag für eine neue Schwimmhalle. Organisiert hatten die Demonstration die DLRG Gelting-Golsmaas-Hasselberg (GGH) und die von Tanja Ludwig ins Leben gerufene Interessengemeinschaft (IG) Hallenbad Kappeln.

Am Hafen trafen sich Jung und Alt. Bei Temperaturen von gefühlten minus drei Grad waren Handschuhe, Schals und Mützen gefragt. Einige hatten sich passend zum Thema eine Badekappe aufgesetzt. Doch im Gegensatz zu den frostigen Temperaturen war die Stimmung gut. Jugendliche brachten plakatähnliche Schilder mit. Darauf waren Sätze zu lesen wie „Ein Lehrschwimmbad ist kein Luxus“ oder „Unsere Region braucht ein Schwimmbad“.

„Ursprünglich wollten wir heute zur Sitzung der Stadtvertreter, doch die ist abgesagt worden. Also haben wir die Demo vorgezogen, dann können auch die Kinder mitlaufen“, sagte Dagmar Struß von der IG Hallenbad. Und es waren viele Kinder da. Auch die Rudervereinigung war mit einer Abteilung vertreten. Deren Mitglieder hielten jeder einen Riemen in die Höhe. „Eigentlich hätte die Kindergruppe jetzt Training, aber das haben wir für die Demo ausfallen lassen“, erklärte Vorsitzender Michael Schürmann. Nachwuchsruderin Lera Fiona Hintz (11) sagte: „Für uns ist das Schwimmbad auch wegen des Sicherheitstrainings wichtig.“ Nils Stutz war schon bei solch einem Training. „Nach Kenterungen ist es wichtig, schnell und ohne Hilfe wieder ins Boot zu steigen. Das wird dort geübt,“ erklärte der 13-jährige Süderbraruper.

Hauptausschussvorsitzender Matthias Mau (CDU) war auch zum Hafen gekommen. Er steht einem neuen Bad kritisch gegenüber. „Wenn wir jährlich 300.000 Euro für ein Schwimmbad ausgeben, dann können wir kaum unseren Pflichtaufgaben für Schulen und Kindergärten nachkommen“, sagte Mau. Ein Geräuschteppich aus Pfeiffen und Tröten umgab die Gespräche der Teilnehmer. Dann machte sich der Zug mit einigen Minuten Verspätung auf dem Weg durch die Innenstadt.

Am Rathaus erklomm Tanja Ludwig, die mit ihrer Online-Petition die Bewegung ins Rollen gebracht hatte, die Ladefläche eines Anhängers. „Ich bin begeistert, dass so viele in so kurzer Zeit gekommen sind“, sagte die 41-Jährige unter dem Beifall der Anwesenden. Und zu ihrer Forderung sagte Ludwig, dass ein Neubau nichts Ungewöhnliches sei. „Die Unterstützung ist riesengroß, ich hoffe, es wird weitergehen.“ Danach ergriff Swantje Schmagold-Trocha von der IG Hallenbad das Wort. Kappeln sei mit 1350 Schülern ein großer Schulstandort. „Doch Schüler, die zwischen Schlei und Ostsee leben, müssen auch schwimmen lernen.“ Schmagold-Trocha forderte einen „Runden Tisch“ unter Einbeziehung der Umlandgemeinden. Seniorenbeiratsmitglied Manfred Bohner sagte, dass es ab nächstem Jahr kein Seniorenschwimmen mehr gebe. „Darüber bin ich sehr traurig“, sagte Bohner. Der zweite Vorsitzende der DLRG GGH, Asmus Petersen, betonte: „In diesem Jahr hat die DLRG 686 Personen gerettet. Ohne Ausbildung wären diese Menschen nie gerettet worden.“ Er forderte, die Öffentlichkeit stärker einzubinden. Dagmar Struß plädierte anschließend für eine regionale Lösung der Schwimmbadfrage. „Wir sind hier jetzt in Kappeln, könnten aber ebenso gut in Gelting oder Karby stehen.“

Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker meinte am Rande der Demo, man könnte sich für ein Bad entscheiden, müsse aber wissen, dass dann alles andere an sozialen Leistungen reduziert werde. „Ich wehre mich deutlich dagegen, dass die Stadtvertreter zu Buhmännern gemacht werden“, sagte sie. Lange vor dem geplanten Schluss war die Veranstaltung zu Ende. Zu einer Übergabe der Unterschriften kam es nicht mehr. Die Online-Petition läuft ohnehin noch zehn Tage. Mittlerweile haben sie 1763 Personen unterzeichnet, davon kommen 615 aus Kappeln.

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