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Kappeln : Protest gegen Einbahnstraße wächst

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Beschluss des Verkehrsausschusses zu der Prinzen- und der Süderstraße steht auf der Kippe. Verkehrszählgeräte sollen die Entscheidung erleichtern.

Im vergangenen November hatte der Umwelt- und Verkehrsausschuss einstimmig beschlossen, sowohl Prinzen- als auch Süderstraße künftig nur noch in eine Richtung – nämlich stadteinwärts – befahren zu lassen. Wer aus der Stadt hinaus will, sollte die Schleswiger Straße nutzen. Am Mittwochabend nun hatte es das gleiche Thema erneut auf die Tagesordnung des Ausschusses geschafft – offenbar ausgelöst durch massive Proteste nachdem der November-Beschluss öffentlich geworden war. Während der jüngsten Sitzung waren diese Proteste deutlich vernehmbar, immerhin waren an die 30 Bürger erschienen. Eine andere Lösung indes kam vorerst nicht auf den Tisch.

Der Ausschussvorsitzende Michael-Sven Schattka (Grüne) gab gleich zu Beginn die Marschroute vor, als er eine Beschlussänderung zumindest zu diesem Zeitpunkt ausschloss. Vielmehr ginge es um eine Ergänzung seitens der Verwaltung. Gleichwohl ließ Schattka Fragen zum Thema ausnahmsweise auch außerhalb der Einwohnerfragestunde zu. Das erste Wort ergriff dann allerdings Bürgermeister Heiko Traulsen. Nach der November-Sitzung habe sich „erheblicher Widerstand“ innerhalb der Bevölkerung geregt. Vielen sei der Beschluss, wonach einerseits die Prinzenstraße vom Kreuzungspunkt mit der Süderstraße in Richtung Gerichtsstraße bis zu ihrem Ende als Einbahnstraße und andererseits die Süderstraße vom gleichen Kreuzungspunkt bis zur Ecke Mühlenstraße als Einbahnstraße auszuweisen sei, übel aufgestoßen. Traulsen berichtete zudem von mehr als 40 Anwohnern der Prinzenstraße, die sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen hätten, um sich gemeinsam gegen den Beschluss zu wenden. „Das alles hat mich dazu veranlasst, eine Expertenrunde einzuberufen“, sagte der Bürgermeister. Diese bestand unter anderem aus Vertretern der Polizei Kappeln und Flensburg, der Straßenverkehrsbehörde Schleswig und des Kappelner Wirtschaftskreises. Resultat: „Das Ergebnis vom November findet so keine Akzeptanz“, fasste Traulsen zusammen.

Also habe die Verwaltung eine Ergänzung erarbeitet, die eine zweite Ausfahrtmöglichkeit von der Prinzenstraße auf die B 201 beinhalte. Dort, wo üblicherweise die Busse das Zob-Areal verlassen, könnten auch andere Autofahrer auf die B 201 einbiegen. Dazu müsste, so Traulsen weiter, der Bürgersteig abgesenkt, ein Baum und eine Straßenlaterne müssten versetzt werden. Auf diese Weise könne man den zu erwartenden Verkehrsfluss auf der Schleswiger Straße entlasten.

In der sich daran anschließenden, vereinzelt aufgeladenen Diskussion nahmen nur sehr wenige tatsächlich Bezug auf diesen Vorschlag. Die Redebeiträge der Bürger drehten sich vielmehr fast ausschließlich um die im November beschlossene Einbahnstraßenregelung. So führte etwa Olaf Rieger aus, dass ein Krankentransport von der Margarethenklinik zumindest bei geöffneter Brücke viel Zeit einplanen müsse, um sein Sanitätshaus in der Mühlenstraße zu erreichen, da er nämlich auf der B 201 im Stau stecke. Eine andere Stimme aus dem Publikum schlug vor, die Ampeln auf der Bundesstraße im Stile einer „grünen Welle“ zu schalten, damit eine Abkürzung über die Prinzenstraße unattraktiv und so die Einbahnstraße unnötig werde. Ein dritter erkannte in der Einbahnstraßen-Idee ohnehin nur eine Verlagerung des Problems. Für den Wirtschaftskreis „Pro Kappeln“ betonte dessen zweite Vorsitzende Helga Thurau, dass auch sie „große Probleme für die Geschäfte“ sehe. „Mit der derzeitigen Lösung kann keiner zufrieden sein“, sagte Thurau. Sie machte sich stattdessen für ein Gesamtkonzept stark, das die ganze Innenstadt abdecke – ein Vorschlag, für den ihr die anwesenden Bürger kräftigen Applaus spendierten, der aber in der Vergangenheit, daran erinnerte Michael-Sven Schattka, schon einmal gescheitert war. Schattka: „Deshalb haben wir ja nun mit einem Teilkonzept begonnen.“

Stadtvertreter Matthias Mau (CDU) appellierte schließlich dafür, das Thema parallel zur intensiven Ausschussarbeit in der Stadtvertretung zu behandeln, „damit wir eine Diskussion quer durch die Stadt widerspiegeln“. Man solle nichts festnageln, ohne tatsächlich „alle Ecken“ betrachtet zu haben. Philipp Schmitt (CDU) zielte in die gleiche Richtung und erhoffte sich zudem von den derzeit platzierten Verkehrszählgeräten in der Prinzenstraße eine bessere Entscheidungsgrundlage.

Die nächste Sitzung des Verkehrsausschusses ist für Mai terminiert, die Stadtvertretung wird vorher tagen. Ob am Ende eine Entscheidung steht, die weniger Unmut hervorruft, als die derzeit gültige, darf zumindest mit Skepsis betrachtet werden.

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erstellt am 17.Jan.2014 | 07:30 Uhr

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