zur Navigation springen

Propsteichor Angeln : Proben für die „Gänsehaut-Musik“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Propsteichor Angeln übt seit Ende Februar für das Mozart-Requiem. Die Aufführung findet im November in der Kappelner Nikolaikirche statt.

shz.de von
erstellt am 26.Apr.2016 | 07:30 Uhr

Es ist nicht ganz klar, ob er lieber steht oder sitzt. Zu häufig wechselt Thomas Euler zwischen diesen beiden Positionen hin und her. Mit aufgeschlagenen Ärmeln steht oder eben sitzt er hinter dem Klavier, vor ihm stehen – das ist eindeutig – knapp 50 Sängerinnen und Sänger. Chorprobe im Christophorushaus, am fortgeschrittenen Sonntagabend. In den Händen halten alle die Noten des Mozart-Requiems, die letzte Komposition des Ausnahme-Musikers. Im November wollen sie das äußerst populäre Werk in der Nikolaikirche zur Aufführung bringen, bis dahin stehen noch etliche solcher mehrstündigen Probeabende an. Aber auch gegen Ende der drei Stunden im Christophorushaus fällt auf: Es lächeln immer noch alle. Vermutlich weil es keine lästige Pflicht ist, die sie hier erfüllen. Kein Soll, das sie abarbeiten. Sie sind Teil eines Projekt-Chores, eines Zusammenschlusses, der sich eigens für das Mozart-Requiem gefunden hat und bei dem man deshalb davon ausgehen darf, dass jeder mit einem Mix aus Freude, Leidenschaft und Überzeugung dabei ist. Anfang des Jahres hatte Thomas Euler seine Idee des Projekts „Propsteichor Angeln“ in die Welt gesetzt. „Es könnte gnadenlos schiefgehen“, hatte er damals gesagt. Gut zwei Monate später ist er sicher: „Schiefgehen wird das hier nicht mehr.“

Henrike Reinckens und Eva Lufft singen beide schon lange in der Kappelner Kantorei. Der Reiz, zusätzlich beim Projekt-Chor mitzumachen, war dennoch groß. Henrike Reinckens sagt: „Ich habe immer davon geträumt, das Mozart-Requiem zu singen. Das ist Gänsehaut-Musik.“ Sie ist überzeugt: Das gemeinsame Ziel, auf die große Aufführung hinzuarbeiten, eint den Chor seit Beginn. Eine Auffassung, die Eva Lufft teilt und die offenbar auch der Rest des Chores ausstrahlt. Lufft sagt: „Die schnelle Umsetzung dessen, was der Chorleiter will, ist erstaunlich. Manchmal muss er uns eher bremsen.“ Gleichzeitig spüren die beiden Sängerinnen allerdings auch die gestiegene Erwartungshaltung ihres Leiters, der sie sich gerne stellen. Reinckens sagt: „Die, die hier sind, haben sich gefunden, um das Requiem zu singen. Alle brennen darauf.“ Da wird der deutliche Hinweis von Thomas Euler auf eine noch zu gleichmäßige Dynamik ab Takt 35 nicht nur hingenommen, sondern am besten beim nächsten Durchlauf gleich umgesetzt.

Henrike Reinckens und Eva Lufft gehören zu den insgesamt 22 Alt-Stimmen, außerdem zählt der Chor 21 Sopranstimmen, neun Tenöre und acht Bässe. Einige der Sänger kommen extra aus Eckernförde, um dabei zu sein, andere aus Schleswig und Schafflund. Viermal hat man bislang zusammen geprobt, hinzu kam ein intensives Probenwochenende in Rendsburg. Thomas Euler ist zufrieden, mit dem was der „Propsteichor Angeln“ bisher erreicht hat. „Sogar sehr zufrieden“, sagt er. Bis zur Aufführung allerdings ist noch einiges zu leisten, auch deshalb plant Euler gedanklich schon weiter. „Vielleicht“, sagt er, „werde ich noch Proben für die Einzelstimmen ansetzen“. Henrike Reinckens und Eva Lufft scheinen sich auch auf solche Extra-Termine zu freuen. Lufft sagt sogar: „Den Willen dazu konnte man bei allen schon bei der ersten Probe erkennen. Jedem war klar: Hier kann etwas Besonderes entstehen.“

Ein Ersatz für die mehr und mehr aussterbenden Chöre auf dem Land will Thomas Euler mit seinem Projekt-Chor jedoch nicht sein. Im Gegenteil. „Für ein solches Projekt bin ich auf Menschen mit viel Singe-Erfahrung angewiesen. Und die bekommt man nur bei der traditionellen Chorarbeit.“ Im Idealfall, glaubt der Chorleiter, könnten beide Formen voneinander profitieren. Im Mai steht die nächste Probe an, dann in der Nikolaikirche. Thomas Euler gibt seinen Sängern dafür noch einen Tipp mit auf den Weg: „Warm anziehen.“ Eine kleine versteckte Drohung ist dahinter kaum zu vermuten. Dafür lächelt der Chor viel zu überzeugend.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen