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Plattdeutsch : „Prickelnde“ Theater-Premiere

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Laienschauspieler der VHS Kappeln überzeugen mit der Komödie „Champagner to'n Fröhstück“. Autor der Stückes hat sein Kommen angekündigt.

shz.de von
erstellt am 30.Mär.2015 | 07:30 Uhr

Die Tokieker und Tohörer wissen, was sie von „De Laienschauspeelers vun den VHS Kappeln“ zu halten haben – und umgekehrt auch: sehr viel. Wenn sich der Vorhang hebt und die Akteure in Aktion treten, herrscht zunächst erwartungsvolle Stille. Und dann gibt’s Szene für Szene Lacher und immer wieder Applaus – drei Akte lang. Diesmal war es die Inszenierung der Komödie „Champagner to'n Fröhstück“ von Michael Wempner. Und so, wie Champagner im Glas perlt und auf dem Gaumen prickelt, war die Premiere ein prickelndes Erlebnis – alle hatten ihre helle Freude an dem Stück und der Aufführung.

Die Premieren-Besucher ließen sich gefangen nehmen von den Turbulenzen rund um eine Senioren-WG. Rentner Valentin Müller (Kuddel Jacobsen) hat das Seniorenheim satt, sucht sich stattdessen mit Zufallsbekanntschaft Marie Stratmann (Christiane Spliedt), eine Wohnung. Das ruft den Widerstand der Kinder von den beiden hervor. Und Komplikationen gibt es auch. Doch den Rentnern gelingt es, sich zu behaupten.

Zu den Tohörern und Tokiekern gehörten als treue Premieren-Besucher Rainer Kirstein und seine Frau Jutta sowie deren Freunde Waltraud und Helmut Klatt aus Kappeln. Sie genießen die Aufführung in vollen Zügen. Dabei richtet Rainer Kirstein sein besonderes Augenmerk auf Maik Stender, seinen Kollegen in der Verwaltung des Amtes Geltinger Bucht: „Wir lachen gerne – hier können wir es.“ Keine Plattschnacker sind der Arnisser Bürgermeister Bernd Kugler und seine Frau Birte. Doch sie hören die Sprache gerne und verstehen sie auch. Zur nächsten Premiere 2016 werden sie wieder kommen.

Das Feedback, das die Schauspieler von ihrem Publikum erhalten, ist „das Brot des Schauspielers“, meint der 62-jährige Kuddel Jacobsen und fügt hinzu: „Ich esse gerne Brot.“ Er spielt diesmal den 66-jährigen Rentner Valentin. Als „Plattdeutscher“ will er, mit dazu beitragen, dass diese Sprache erhalten bleibt.

Die 41-jährige Almut Rothberg aus Struxdorf versucht in dem Stück als Tochter Sophie ihre Mutter Marie von der Idee der WG wieder abzubringen. Rothberg ist glücklich, wenn sie mit dazu beitragen, dass die Zuschauer sich freuen und „mit uns einen schönen Abend genießen“.

Der jüngste Schauspieler in der Truppe, Birger Hansen (34), aus Stoltebüll mimt Lukas, den Sohn von Rentner Valentin Müller. Und auch der protestiert gegen das Leben seines Vaters in einer WG. Hansen spielt gerne Theater und will für Lachen sorgen, denn „zu weinen gibt es genug in der Welt“.

Mit von der Partie ist auch Verwaltungsangestellter Maik Stender (48) aus Steinbergkirche – diesmal als wuseliger Hausmeister Koslowski. „Man merkt sehr schnell, wenn der Funke von der Bühne aufs Publikum überspringt und das ist toll“, so Stender.

Das bestätigt Elke Lauenstein aus Arnis, die diesmal eine neugierige Nachbarin spielt. „Wenn man auf der Bühne spürt, wie das Publikum reagiert, dreht man so richtig auf“, sagt die 60-jährige Lehrerin. „Bei den Proben lerne man viel über sich selbst“, findet Psychotherapeutin Marion Lorenzen, die diesmal eine Polizistin spielt. Gottfried Lotze (70) aus Kappeln spielt bei „Champagner to'n Fröhstück“ den Freund des Rentners. Plattdeutsch ist für Lotze keine Alltagssprache – den Text lernt er ganz gezielt.

Seit 30 Jahren mischt die 61-jährige Lehrerin Christiane Spliedt aus Kappeln mit. Nicht nur in ihrer WG-Rentnerin-Rolle ist sie voller Tatendrang: „Man muss sein Leben selbst in die Hand nehmen. Das Glück komme nicht von allein: „Man mutt wat daför doon.“

Zufrieden mit ihrem Team, zu dem die hinter der Bühne Tätigen gehören, ist Irmgard Jacobsen, seit 25 Jahren „Speelbaas“. Die Spielfreude, lobt die 70-Jährige, sei ungebrochen.

Weitere Aufführungen gibt es noch jeweils ab 20 Uhr im Karbyer „Gasthof Nüser“ am heutigen Montag, Mittwoch, 1. April, und Donnerstag, 2. April. Übrigens: Der Autor der Komödie, Michael Wempner aus Flensburg, hat sein Kommen für die Aufführung am 1. April, angekündigt.  

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