Kappeln : "Port Olpenitz ist nicht tot"

Ziemlich genau ein Jahr ist vergangen, seitdem die GmbH Insolvenz anmeldete. Foto: Port Olpenitz
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Ziemlich genau ein Jahr ist vergangen, seitdem die GmbH Insolvenz anmeldete. Foto: Port Olpenitz

Vor einem Jahr hat die Port Olpenitz GmbH Insolvenz angemeldet. Auf einer Einwohnerversammlung wurde nun verkündet, wie es weitergehen soll.

shz.de von
25. November 2012, 02:49 Uhr

Kappeln | Der Termin zur Einwohnerversammlung hätte kaum passender für die Port Olpenitz GmbH ausfallen können. Ziemlich genau ein Jahr ist vergangen, seitdem die GmbH Insolvenz anmeldete. Seitdem ist es um das Unternehmen recht still geworden. Auch Anfragen zum Stand der Grundstücksverkäufe beantwortete man nicht. Um so spannender war es, als der für den Insolvenzverwalter Dr. Rainer Eckert arbeitende Unternehmensberater Bernd Diekmann nun in der voll besetzten Koslowski-Halle vor die Einwohner trat und quasi eine Einjahresbilanz vorlegte.
Diekmann beschrieb zunächst die Maßnahmen seit der Insolvenzübernahme. Dazu gehörte das Heizen und Verkleiden der Häuser, um sie winterfest zu machen. Darüber hinaus sei die Qualität der Grundstücke durch Küstenschutzmaßnahmen, weitere Molen und Böschungen verbessert worden. "Wir haben schnell bemerkt, dass die Attraktivität des Grundstückes vom Eindruck des ersten Besuches abhängt. Bei meinem ersten Besuch wirkte das Gelände auf mich wie ein Bombenabwurfplatz", so Diekmann.

"Wir haben konkrete Interessenten"

Auch auf Investorensuche hat sich der Insolvenzverwalter begeben. Dazu hat man laut Diekmann die Unternehmensberatung Roland Berger eingeschaltet. 100 Firmen - von Immobilienunternehmen über Banken und Projektentwickler bis hin zu Wohnungsbaugesellschaften - hätten sich bereits für das Projekt vorgestellt. Und zu Vertragsabschlüssen mit Investoren sagte der Diplomkaufmann: "Wir haben konkrete Interessenten und gehen davon aus, dass wir in absehbarer Zeit Erfolge vorweisen können." Dies war wenig aussagekräftig, klang aber optimistischer als noch in den Monaten zuvor.
Konkreter wurde es da schon bei den bisherigen Vermarktungsergebnissen des ersten Bauabschnitts, den Diekmann anhand einer Karte auf der Leinwand vorstellte. Zunächst erschien in gelber Farbe auf Höhe des Nordhakens die von der Helma Ferienimmobilien GmbH gekaufte Grundstücksfläche. "Sie sollen beeindruckt sein, wie viele Farben hier gleich noch auftauchen", meinte der offensichtlich selbst beeindruckte Diplomkaufmann. Und es erschienen sogleich die Farben Rot für private Käufer, Grün für in Verkaufsverhandlung stehende Flächen und Blau für den Olpenitz Projektbau, dazu gehören der Yachtclub, ein Yachthafen mit 100 Liegeplätzen und 24 Reetdachhäuser sowie für die Hamburger Immobilien Projekt und Entwicklungsgesellschaft mbH mit zehn Grundstücken. Die Erläuterung des Hannoveraners zur Farbenlehre: "Wenn man alle Farben zusammen nimmt, dann ist der erste Bauabschnitt zu 70 Prozent verkauft." Seine Folgerung: "Port Olpenitz ist nicht tot. Port Olpenitz lebt, und die Lage wird sehr geschätzt."

"Wer bietet diesem Wildwuchs Einhalt?"

Laut Diekmann waren bei der Insolvenz der Port Olpenitz GmbH 30 Grundstücke verkauft, inzwischen seien es 59. Und das mit einer um die Hälfte geschrumpften Mannschaft. Zudem stünden auch weitere Verkaufsabschlüsse, davon einer mit 50 Grundstücken, in Aussicht. "Ich denke, Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres werden wir insgesamt 100 Grundstücke verkauft haben." Und im Gegensatz zu früher beschränkt sich die Gesellschaft auf den Verkauf der Grundstücke und ist nicht mehr an der Fertigstellung der Häuser beteiligt.
Auch sonst begrenzt sich die Gesellschaft in ihrem Aufgabenbereich, das wurde bei der Fragerunde deutlich. Als Einwohner Fragen zur Hafeneinfahrt und Versandung stellten, antwortete Diekmann: "Wir sind eine endliche Option. Wenn genügend Investoren da sind, verlassen wir das Projekt." Die mittel- und langfristige Entwicklung obliege den Investoren. Das rief einen Bürger auf den Plan, der zu wenig Kontrolle befürchtete. Dazu sagte der Vertreter des Insolvenzverwalters, dass es klare Vorgaben durch den Bebauungsplan gebe. "Wir stellen den Investoren die Grundidee der Ursprungsvision vor. Wie ein Investor damit umgeht, ist nicht mehr unsere Sache." Ein Bürger kritisierte, dass ursprünglich ein dänischer Baustil das Projekt prägen sollte, nun aber auch Kubus-Häuser Einzug hielten. "Wer bietet diesem Wildwuchs Einhalt ?", fragte der Einwohner. Diekmanns Antwort fiel ernüchternd aus. "Wir vermarkten Grundstücke, keine Gebäude." Überdies stünden hinter ihm die Gläubiger. "Und die Gläubiger wollen die bestmögliche, nicht die schönstmögliche Verwirklichung des Projektes."
Ein Zeitfenster konnte auch Diekmann nicht benennen, doch hier zeigte sich jetzt ein anderer genügsam: Bürgervorsteher Jürgen Seemann. Wohl angesichts der unglücklichen Vergangenheit der Port Olpenitz GmbH meinte er: "Ich freue mich, dass das Interesse an Port Olpenitz wieder gestiegen ist, damit das Projekt irgendwann einmal zu einem guten Ende kommen wird."

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