zur Navigation springen

Konzert des Schlei-Orchesters : Polka-Virus erfasst die Eckernförder Stadthalle

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Freek Mestrini und das Schlei-Orchester Kappeln entfachen eine mitreißende Stimmung.

Böhmischer und mährischer Wind wehte am späten Sonntagnachmittag durch die Eckernförder Stadthalle. Er infizierte die Besucher mit dem Polka-Virus – und zwar von der ersten bis zur letzten Reihe. Anders kann man die Begeisterung der fast 400 Gäste nicht bezeichnen. Das Schlei-Orchester Kappeln hatte zu einem Konzert der besonderen Güte geladen.

Zu Gast war der Trompeter, Flügelhornist, Komponist und Dirigent Freek Mestrini – ein gebürtiger Holländer, der im Allgäu lebt, seit über 40 Jahren böhmische und mährische Blasmusik spielt und stets neue Fans für diese Musik gewinnt. Und der 68-Jährige entpuppte sich als echtes Energiebündel, das es verstand, nicht nur die Musiker, sondern auch sein Publikum mitzunehmen. Und es waren nicht nur ältere Freunde der Volksmusik gekommen. Unter den Zuschauern waren auch viele Männer und Frauen der jüngeren Generation.

Der Vorsitzende des Schlei-Orchesters, Uwe Kornienko, erklärte eingangs, dass die Musiker an einem Wochenend-Workshop von Mestrini teilgenommen hatten. Der eigentliche Dirigent der Kappelner, Johannes Kringel, überließ an diesem Nachmittag gerne seine Position dem Gast. Mit dem „Gruß an Kiel“ eröffnete Mestrini das zweistündige Programm. Schon beim zweiten der 24 Titel bezog er das Publikum, das ihm nur zu gerne folgte, mit ein. Beim „Böhmischen Defiliermarsch“ bat er die Gäste: „Legen Sie die Hände auf den Bauch, möglichst auf den eigenen, und genießen Sie.“

20 Jahre lang spielte Mestrini bei den „Original Egerländer Musikanten“. Nebenbei begann er zu komponieren, sodass mittlerweile über 800 Titel aus seiner Feder stammen. Einige davon brachte er am Sonntag mit den Hobbymusikern zu Gehör – nie ohne die dazugehörige Anekdote auf höchst amüsante Weise zu erzählen. Wie Freek Mestrini erklärte, wird in Mähren viel Wein getrunken, der die Leute lebhaft werden lasse. So sei auch ihre Musik, schnell, mitreißend und teilweise aggressiv. Das böhmische Volk trinke Bier und sei eher gemütlich – dementsprechend seine Musik. Genau diese Unterschiede konnte man nicht nur hören, sondern auch sehen. Da klatschte der 68-Jährige in die Hände, tänzelte vor den Musikern, gab dem Publikum Anfang und Ende seines Klatscheinsatzes vor und forderte auch die Musiker in der letzten Reihe auf, alles zu geben. Mit ausladenden Gesten läutete er sanfte Weisen, wie die „Herbstfestpolka“, ein und sparte nicht mit Lob für die Hobbymusiker. Das Tüpfelchen auf dem i lieferte das Gesangsduo aus Uwe Kornienko und Ruth Jochimsen, als es das „Tüdelbandlied“ sang, unterlegt mit einem Polka-Arrangement.

Bester Laune verließen die Zuschauer nach über zweieinhalb Stunden die Eckernförder Stadthalle. Ob alle zu Fans der böhmischen und mährischen Blasmusik geworden waren, wie Mestrini es zum Abschied gefordert hatte, war nicht wichtig. Denn die fröhliche Stimmung – die nahm jeder mit nach Hause.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Nov.2014 | 12:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert