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MatheMagie in Kappeln : „Plötzlich macht es Klick“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Rechenphänomene zum Anfassen: Die Ausstellung „MatheMagie“ am Kappelner Hafen ist eröffnet.

Wer hätte gedacht, dass Mathematik so viele Menschen auf einmal begeistern kann? Noch dazu so viele verschiedene? Wenn man es nicht ganz so streng sieht, könnte man glatt sagen, dass es gestern Vormittag in der Werfthalle von Henning Mittelmann tatsächlich ein bisschen magisch zuging: Es fiel der Startschuss zur „MatheMagie“, einer Ausstellung der Stiftung Rechnen, die, so sollte es der geschäftsführende Stiftungsvorstand Johannes Friedemann formulieren, „die Mathematik raus aus dem Unterricht und in den Alltag holt“.

Und wie Mathematik im Alltag aussehen kann, veranschaulichte Professor Albrecht Beutelspacher. Der Gründer des Gießener Mathematikums und Schirmherr der „MatheMagie“ bastelte mal eben aus ein bisschen sonnengelbem Papier ein kleines mathematisches Phänomen – oder wie würden Sie das nennen, wenn aus zwei aneinandergeklebten Kreisen dank einer Schere ein Quadrat wird? „Diese Ausstellung ist das perfekte Gegenmittel gegen die Horrorvorstellung Mathematik“, hatte Beutelspacher seiner Bastelei noch vorweggeschickt, ehe er dann selber den Beweis dafür antrat. „Plötzlich macht es Klick, und man merkt, Mathe bricht einem nicht das Genick“, sagte er auch noch und kündigte an, dass sich hinter jedem der Experimente der Schau eine „kleine Überraschung“ verberge.

Dass die „MatheMagie“ überhaupt in Kappeln Station macht, geht auf die Kooperation der Stiftung mit den drei Unternehmen Euroscience, Mittelmanns Werft und Tischlerei Mau zurück. In ihrer Eröffnungsansprache nannte Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker diese Zusammenarbeit „ein großes Glück für Kappeln“ und dankte allen Beteiligten für ihr Engagement. Dabei allerdings war den Unternehmern eines gemein: Während der Schulzeit, das offenbarten sie gestern ohne große Scheu am Mikrofon, empfanden sie keine allzu große Vorliebe für die Mathematik. Matthias Mau zum Beispiel: „Ich fand Mathe früher überhaupt nicht sexy“, sagte der Chef der gleichnamigen Tischlerei. Dass das inzwischen anders sein dürfte, lässt sich unter anderem an Maus Engagement als Hauptausschussvorsitzender und damit als Herr über die Finanzen ablesen. Oder Henning Mittelmann, der nach eigenen Worten den Zugang zur Mathematik erst während der Ausbildung fand. „Da stellte sich nämlich die Frage, wie ich es aus der Zeichnung auf Papier schaffe, ein dreidimensionales Boot zu bauen“, erinnerte er sich. Mit der ganz konkreten Anwendung von Mathematik befassen sich indes auch die „Math Trails“, die der Frankfurter Mathematik-Professor Matthias Ludwig passend zur Ausstellung entwickelt hat. Über eine App hat jeder die Möglichkeit, sich auf einem Pfad durch die Stadt zu bewegen und nebenbei an ganz greifbaren Orten und Situationen Mathematik einzusetzen. Die Patenschaft für diese „Math Trails“ hat Landesbischof Gerhard Ulrich übernommen – und das offensichtlich sehr gerne, wie seine gestrigen Worten erkennen ließen. „Die Bibel ist voll mit bedeutungsvollen Zahlen“, sagte Ulrich. Und auch Dingen, die darüber hinausgehen. „Man kann ganze Konstruktionspläne, etwa für die Arche Noah, darin finden.“ Eine Arche müssen die App-Nutzer zwar weder bauen noch berechnen, dafür aber beispielsweise den Umfang eines kreisförmigen Fensters am Hafen, das Alter einer Eiche hinter der Nikolaikirche oder die Höhe eines Fahnenmastes.

Der siebenjährige Finn-Ole Hinkeltein hatte in der Zwischenzeit schon eines der zahlreichen Exponate in der Werfthalle für sich entdeckt: eine Waage, die mit unterschiedlich schweren und verschiedenfarbigen Ziffer-Elementen ausgeglichen werden sollte. Er war das beste Beispiel für das, was Bodo Meusel sich gewünscht hatte. „Endlich sehen wir mal, wofür wir dasd alles tun“, hatte Meusel zuvor gesagt. „Für leuchtende Kinderaugen.“ Und für etwas, das der Grundschüler Finn-Ole so zusammenfasste: „Das ist viel besser als im Unterricht. Man kann es anfassen, das macht viel mehr Spaß.“ Auf diesen Effekt baut auch Jörg Koschnitzke. Der Schulleiter der Grundschule Kieholm war gestern Gast der Eröffnung und will in der nächsten Woche die Ausstellung mit seinen Schülern besuchen. „Das ist wirklich sehr anschaulich gestaltet“, lobte Koschnitzke gestern. „Und selbst wenn die Kinder vielleicht noch nicht alles mathematisch verstehen können – zum Staunen reicht es.“ Und für ein bisschen Magie.

> „MatheMagie“, Am Hafen 19c, Kappeln: 8. Juli bis 12. August, täglich von 10 bis 19 Uhr; Preis: 2,50 Euro, Familien 10 Euro, Gruppen 40 Euro. Anmeldung für Gruppen: MatheMagie@euroscience.de.

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erstellt am 08.Jul.2017 | 07:30 Uhr

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