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Kappeln : „Plein Air“: Das Kunstfestival soll wachsen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Veranstalter planen eine Wiederholung und eine Ausdehnung auf zwei Termine.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2017 | 07:00 Uhr

Nach „Plein Air“ ist vor „Plein Air“ – so oder so ähnlich könnte das Fazit lauten, das Christina Kohla und Stefan Lenz jetzt gezogen haben. Die Leiterin des Open-Air-Kunstfestivals, das Anfang August in Sundsacker auf dem Gelände des St. Nicolaiheims stattgefunden hatte, und der Hausherr des Veranstaltungsortes sind zufrieden mit ihrer Premiere, haben aber gleichzeitig gemerkt, an welchen Schrauben gedreht werden sollte, damit die zweite Auflage noch erfolgreicher wird und sich das Plein-Air-Festival vielleicht etablieren kann. Denn eines stellen beide schnell klar: Es wird eine Wiederholung geben. Und sogar noch ein bisschen mehr als das.

„Wenn man so eine Veranstaltung zum ersten Mal plant, hat man viele große Ideen“, sagt Christina Kohla. „Und viel davon ist uns auch gelungen. Aber wir haben beispielsweise gemerkt, dass etliche nach dem zweiten Tag einfach erschöpft waren.“ Das Festival war an einem Freitagnachmittag gestartet, zog sich in den Freitagabend, über den gesamten Sonnabend und endete schließlich am späten Sonntagnachmittag – zu lang im Nachhinein betrachtet. Stefan Lenz räumt ein: „Es ist einfach schwierig, den Spannungsbogen über so einen langen Zeitraum zu halten.“ Aber: Stimmung und Atmosphäre sind trotzdem spürbar gelungen, das hatten Besucher mehrfach bestätigt. Auch mit der Teilnehmer-Zahl der Kunst-Workshops sind die Veranstalter glücklich, mehr als 70 wollten malen, zeichnen, fotografieren, töpfern. Lenz: „Der Aufwand war hoch, aber wir konnten zeigen, welche künstlerischen Aktivitäten im Freien eigentlich möglich sind.“ Das zugrundeliegende Leitmotiv, das etliche Sponsoren mitgetragen haben – „das war toll“.

Als herausfordernder entpuppte sich da schon der Wunsch, es mehreren Zielgruppen recht machen zu wollen. Denn: So stimmungsvoll und inspirierend das Gelände direkt an der Schlei in Sundsacker für die Workshop-Teilnehmer auch war, so abgelegen war es für zufällig vorbeikommende Gäste. „Es ist nicht so sehr geeignet für Laufpublikum“, sagt Stefan Lenz. Wer kam, tat das in den meisten Fällen sehr gezielt, zu den abendlichen Konzerten blieb die Besucherschar oft überschaubar – allerdings ohne, dass die Laune litt. Christina Kohla stellt jedoch klar: „Es ging uns in erster Linie darum, Menschen die Möglichkeit zu bieten, in künstlerische Betätigung hineinzuschnuppern. Das Unterhaltungsprogramm war als Rahmen drum herum gedacht, aber nicht als Schwerpunkt.“ Bestätigt konnte sie sich damit insofern sehen, als das viele Workshop-Teilnehmer den zeitlichen Freiraum nutzten, um sich mit Stift und Papier alleine weiter auszuprobieren – mitten am Ufer der Schlei. Kohla: „Und das war wirklich schön zu sehen.“ Klar ist derweil auch: Ein bisschen mehr Publikum etwa beim Auftritt der Band „Kompliment“ am Sonnabendabend wäre auch schön gewesen.

Insgesamt aber waren die drei Tage „Plein Air“ so gelungen und so aussichtsreich, dass die Veranstalter derzeit dabei sind, anhand des bestehenden Konzeptes zwei leicht abweichende zu entwickeln. In Kurzform: „Plein Air“ (so es denn bei dieser Bezeichnung bleibt) könnte künftig zweimal jährlich stattfinden – einmal im Mai wie gehabt auf dem offenen Gelände in Sundsacker, aber verkürzt auf zwei Tage, und einmal im November in der Alten Maschinenhalle mitten in Kappeln. Im Mai soll der Fokus deutlich auf den Workshops liegen, Christina Kohla kann sich gut vorstellen, die Inhalte auszudehnen, beispielsweise neben Malerei und Fotografie auch Tanz oder Kreatives Schreiben anzubieten. „Gerne würden wir auch den Platz direkt an der Schlei noch stärker bespielen, als wir das beim ersten Mal getan haben“, sagt die Kunsthistorikerin. Und auf jeden Fall den Besuchern die Chance auf eine unmittelbare Auseinandersetzung mit der Kunst geben. Im November wollen die Initiatoren eventuell über einen thematischen Schwerpunkt verstärkt jenes Laufpublikum einbinden, das nicht unbedingt bis nach Sundsacker kommt. Und auch der Unterhaltungsfaktor, etwa mit Musik oder Lesung, soll dann stärker betont werden, in diesem Fall unter wetterunabhängigen Bedingungen. Stefan Lenz sagt: „Es kann gut sein, dass wir damit ganz andere Gäste ansprechen. Und es könnte dazu dienen, die gesamte Idee dahinter bekannter zu machen.“ Beiden Konzepten bleibt jedoch eines gemein: Sie sind offen für jeden Interessierten.

Das Ziel der „Plein Air“-Premiere, Kunst unter freiem Himmel erlebbar zu machen, ist aufgegangen. Gleichzeitig hat sie kleinere logistische Schwierigkeiten offenbart, die aber die Veranstalter wiederum als Motivation auslegen, zwei Spielstätten für unterschiedliche Zielgruppen aufzubauen. Stefan Lenz nennt das: „Nicht die gleichen Fehler wiederholen, sondern die Sache optimieren.“ Oder eben nach „Plein Air“ ist vor „Plein Air“.

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