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Weihnachten in Chile : Plätzchenbacken bei 35 Grad

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Im August flog die Klaus-Harms-Schülerin Jana Danzer (16) nach Chile und berichtet, wie sie dort das Weihnachtsfest feiert.

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2013 | 08:00 Uhr

Für das Weihnachtsfest in der Heimat gibt es Traditionen, die sich in den Familien über Jahre hinweg gefestigt haben. Aber wie ist es eigentlich, wenn man Weihnachten nicht zu Hause, sondern weit weg bei fremden Menschen mit fremden Bräuchen feiert ? Die Klaus-Harms-Schülerin Jana Danzer verbringt derzeit ein Austauschjahr in Chile und berichtet im Schlei Boten von ihren Erlebnissen in der Weihnachtszeit.

Mein Name ist Jana Danzer, ich bin 16 Jahre alt und lebe für ein Jahr als Rotary-Austauschschülerin in Chile. Meine Gastfamilie lebt in einem großen Haus mit schönem Garten direkt an einem See in Concepcion. Ich habe hier eine Gastschwester und drei Gastbrüder, mein Vater Gonzalo Pena ist Dozent an der Uni, und meine Mutter Maria Cecilia Saavedra Silva ist Sprachtherapeutin. Eigentlich würde ich jetzt durch Kappeln bummeln, um noch die letzten Weihnachtsgeschenke zu besorgen, aber in diesem Jahr ist alles anders!

Ich habe noch gar nicht das Gefühl, dass Weihnachten ist, obwohl man seit November schon Weihnachtsdekoration in Läden oder Straßen finden kann. Es war für alle Austauschschüler ungewöhnlich mit der heißen Sonne im November, also besuchten wir zusammen den Schnee im Süden von Chile. Der Süden war wunderschön, und vieles erinnerte mich an Deutschland. Als ich wiederkam, war ich schon voller Vorfreude, meinen Adventskalender zu öffnen, der im letzten Päckchen aus Deutschland dabei war, da der Dezember schon begonnen hatte. Jedoch musste ich dann erst mal meiner Gastmutter erklären, was das ist, da sie total verwirrt war, dass an meiner Wand plötzlich 24 kleine Päckchen hingen. Dafür findet sie es eine super Idee und überlegt, nächstes Jahr auch welche zu machen.

Kurz darauf folgte dann auch der 6. Dezember, Nikolaus, ich fragte meine Familie: Kennt ihr den Nikolaus ? Es kam die Gegenfrage: Was ist Nikolaus ? Sie kannten ihn nicht, also kein Nikolaustag.

Da nun auch das Fest immer näher kam, entschied ich mich, Weihnachtsplätzchen zu backen, die gehören einfach zu Weihnachten dazu. Aber mir war schnell klar, warum meine Familie hier es bevorzugt, Kekse zu kaufen, anstatt sich bei 35 Grad Celsius in die Küche zu stellen und selber zu backen – es ist einfach zu heiß !

Anfang Dezember war ich mit meiner Gastfamilie im Einkaufszentrum unterwegs, sie erzählten mir, dass wir das Haus und den Baum noch schmücken sollten, und ich freute mich und wollte sofort nach Hause. Jedoch kam die große Enttäuschung: Als wir nach zwei weiteren Stunden dort ankamen, war alles geschmückt, und im Wohnzimmer stand ein Plastikbaum, der mit außergewöhnlichen Kugeln und Lichterketten, die in allen Farben leuchteten, bestückt war. Schade, dachte ich mir. Da ist endlich einmal etwas wie in Deutschland, und alle dekorieren zusammen das Haus und den Baum. Aber da hatte ich mich geirrt, die Nanny war schneller.

Am nächsten Tag dachte ich mir, wenn ich nicht das richtige Haus dekorieren darf, dekoriere ich mein eigenes kleines Lebkuchenhaus. Da man so was hier auch nicht kennt, habe ich es mir als Bausatz aus Deutschland senden lassen, und ich werde es dann meiner Gastfamilie unter den Weihnachtsbaum stellen.

Weihnachten wird hier am Abend oder eher in der Nacht des 24. Dezember gefeiert. Doch der Festtag beginnt wie jeder andere, da hier auch an Weihnachten bis 12 Uhr noch gearbeitet wird. Wiederum wäre es mit der Sonne auch viel zu heiß, um am Tag zu feiern , also genießt man den Nachmittag doch noch lieber im Pool. Gegen acht Uhr am Abend trifft man sich dann mit der ganzen Familie in der Kirche. Wenn man danach zu Hause ankommt, wartet die Nanny mit einem großen Essen, und erst etwa gegen 23 Uhr ist die große Bescherung an der Reihe. Dazu isst man „Pan de Pascua“ (ein Art von Weihnachtsbrot) und trinkt ein typisches Getränk „ Cola de Mono“ (Branntwein mit Kaffee, Sahne und Zimt). Nach ein paar Tagen kommt die ganze Dekoration und der Weihnachtsbaum in den Keller – alles ist wieder vorbei, der Sommer geht weiter.

Alles kommt und vergeht hier sehr schnell. Ich habe seit meiner Ankunft am 2. August einfach schon so viel erlebt, und das alles sind wundervolle Erinnerungen, die man nicht so einfach und schnell wieder vergisst. Dafür möchte ich auch ein ganz großes „Dankeschön“ an den Rotary-Club Kappeln ausrichten, der mir das alles ermöglicht und mich einfach nur glücklich macht mit diesem Jahr.

Ich wünsche nun allen Lesern ein wunderschönes Fest mit hoffentlich viel Schnee ! Frohe Weihnachten und sonnige Grüße aus Chile !


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