Kappeln : Petra Voyatzian gibt Musikunterricht durchs Fenster

Ukulele, aber auch Gitarre, Trommel und Klavier: Petra Voyatzian musste kreativ werden um den Einzelunterricht ihres „Musikmobils“ wieder aufnehmen zu können.
Ukulele, aber auch Gitarre, Trommel und Klavier: Petra Voyatzian musste kreativ werden um den Einzelunterricht ihres „Musikmobils“ wieder aufnehmen zu können.

Der Corona-Lockdown war für Petra Voyatzian existenzbedrohend, jetzt gibt sie wieder Unterricht.

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27. August 2020, 18:06 Uhr

Kappeln | Einige traf es härter als andere: Als Mitte März der Erlass zum Corona-Lockdown kam, wusste Petra Voyatzian erstmal gar nicht weiter. Eigentlich hat sie beruflich ja sogar drei Standbeine: Die Kappelnerin arbeitet als Musikgeragogin in Altenheimen und der Tagespflege, ist Chorleiterin zweier Gesangsgruppen in Süderbrarup und betreibt die Musikschule „Musikmobil“ in der Königsberger Straße in Kappeln.

Doch zuerst schlossen die Seniorenheime Besucher von außen aus, mit den Schulschließungen hatte sich vorerst auch der Kinderchor und die Gesangsgruppe „Gospelchor Süderbrarup“ erledigt. „Und in diesem Zusammenhang wurde auch den Musikschulen verboten zu unterrichten“, beschreibt Petra Voyatzian. „Auch wenn ich überzeugt bin, dass die Maßnahmen zu dem Zeitpunkt richtig und wichtig waren – finanziell war das ein Schlag ins Kontor“, berichtet sie. Nur durch einige ihrer Schüler, die sich in der Situation solidarisch gezeigt haben, konnte sie ihre Existenz retten. „So viel war von dem einen Standbein noch geblieben“.

Lichtblick Ende April

Ende April dann der Lichtblick: Unter bestimmten Auflagen sollte ab Mai der Einzelunterricht wieder möglich sein, vorausgesetzt, die Übungsräume dafür sind pro Person mindestens zehn Quadratmeter groß. „Das konnte ich bei mir zu Hause nicht bieten“, sagt die Musiklehrerin. Aber sie hatte eine Idee: Weil einige ihrer Angebote in Süderbrarup stattfinden, fragte sie bei der Kirchengemeinde an, ob sie im corona-bedingt wenig genutzten Saal des Gemeindehauses unterrichten dürfte. „Ich durfte und darf immer noch – kostenfrei“, sagt sie.

Unterrichtsstunden sind kürzer

Von Montag bis Donnerstag von 13.30 Uhr bis 18 Uhr konnte sie vor den Sommerferien dort ihre Schüler empfangen – einem strengen Hygienekonzept folgend. „Die Schüler kommen an, tragen ihren Mund-Nasen-Schutz, waschen und desinfizieren ihre Hände“ – so weit, so gut. In dem geschätzt 80 Quadratmeter großen Raum sind viele Fenster und eine Terrassentür. „So ist für gute Belüftung immer gesorgt“, so Petra Voyatzian weiter. Damit die Noten bei Windstoß nicht durch die Gegend fliegen, bringt sie vorsorglich Wäscheklammern mit.

Die Unterrichtsstunden fallen im Moment etwas kürzer aus. Denn es gibt eine Pause, damit die Schüler sich nicht treffen, vor allem aber damit alles, was berührt wurde, auch wieder geputzt und desinfiziert werden kann: „von der Toilette über die Wäscheklammern und Notenständer bis zu jeder einzelnen Klaviertaste.“

Wegen der Aerosole kein Flötenunterricht

Klavier, Gitarre, Trommel und Ukulele unterrichtet Petra Voyatzian zur Zeit. „Auf Flöte verzichte ich im Moment noch – wegen der Aerosole und der Tropfen“, sagt sie. Alle Instrumente, bis auf das Klavier, werden mitgebracht. Und das ist besonders: Wenn der Schüler sich zum Beispiel an das in Position gebrachte Klavier setzt, geht die Lehrerin aus dem Saal. „Ich stelle mich dann von außen an das Fenster und unterrichte von dort aus, so können wir beide die Maske abnehmen“, sagt sie. Denn normalerweise ist der Abstand zu gering und die ganze Unterrichtsstunde mit Maske – das sei auch nicht praktikabel: „Sie verrutschen beim Blick in die Noten, Brillen beschlagen, die Luft wird knapp“.

Weihnachtsfeier fällt aus

Es sei viel aufwendiger, den Unterricht vorzubereiten. „Aber das mache ich gerne, und die Kinder waren so froh und dankbar, als wir im Mai wieder starten konnten“, beschreibt Petra Voyatzian. „Wir haben einen guten Umgang mit der Situation gefunden und es klappt ziemlich reibungslos.“

Auf die Arbeit mit dem Kinderchor und der Gesangsgruppe muss sie noch verzichten. „Wir haben eine WhatsApp-Gruppe und haben darüber schon ein Lied gemeinsam aufgenommen – eine schöne Gemeinschaftsaktion“, sagt sie und hofft auf ein baldiges Treffen. „Wir halten Kontakt und trösten uns gegenseitig.“ Denn Pläne machen – das mache noch keinen Sinn. „Ich freue mich über jeden Tag, den wir schaffen und hoffe darauf, dass das Virus seinen Schrecken verliert – wie auch immer.“

Worüber die engagierte Musiklehrerin besonders traurig ist: „Wir haben immer eine große Weihnachtsfeier im Christophorushaus organisiert, auf die die Kinder und Eltern sich sehr gefreut haben. Darauf müssen wir in diesem Jahr verzichten, aber das soll auf jeden Fall nachgeholt werden, sobald es möglich ist.“

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