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Kappeln : Parkplatz-Umbau für 200.000 Euro?

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Ein Teil der Parkgebühren könnte in die Sanierung der Stellflächen an der Ecke Mühlenstraße/Querstraße fließen – oder auch nicht.

Soll der Parkplatz an der Ecke Querstraße / Mühlenstraße für rund 200.000 Euro neu gestaltet werden? Im Bau- und Planungsausschuss gab es darüber eine ausführliche Diskussion zwischen Verwaltung und Politik. Dabei ging es vor allem um die Prioritäten bei der Gestaltung der Stadt. Die Maßnahme selbst soll der Eigenbetrieb Parken finanzieren, dessen Kasse durch die Einnahmen der Parkgebühren prall gefüllt ist, sodass die Stadt für den Parkplatz-Umbau keinen Kredit aufnehmen müsste.

Landschaftsarchitekt Martin Keßler vom Büro Keßler/Krämer führte aus, dass der Wirtschaftskreis „Pro Kappeln“ vor zwei Jahren sein Büro angesprochen hatte. Dabei ging es um Verbesserungsvorschläge für die Innenstadt. Defizite gebe es aber eben auch am Parkplatz Querstraße / Mühlenstraße. „Die Asphaltdecke des Parkplatzes ist brüchig. Im Winter kann die bei Frost aufbrechen“, so Keßler. Die im Hochbeet eingepflanzten Bäume hätten fast alle Pilzbefall und würden absterben. Und die Beleuchtung sei mit nur einem Standort auch nach Umstellung auf LED nicht ausreichend. „Unser Vorschlag ist, den Parkplatz für die Zukunft zu optimieren“, sagte der Landschaftsarchitekt. So sollen aus den 38 Stellplätzen 40 bis 41 werden, darunter auch zwei Stellplätze für Menschen mit Behinderung und zwei für Elektromobile. Die bisherige Ausfahrt in der Mühlenstraße würde dabei zur Einfahrt werden, die westliche Öffnung in der Mühlenstraße wäre dann die Ausfahrt, um so die Mühlenstraße als Einbahnstraße in die Parkplatzsuche mit einbinden zu können.

Corinna Graunke (CDU) war über das Vorhaben verwundert. „Herr Keßler, ich war beim Wirtschaftskreis immer dabei. Sie haben damals gesagt, dass die Über- und Eingänge in die Stadt deutlicher gemacht werden müssten. Von einem Parkplatz war nie die Rede. Da bin ich jetzt baff erstaunt“, sagte sie. Ausschussvorsitzender Volker Ramge (CDU) wollte von Keßler wissen, wo er die Prioritäten für Kappeln sehe. „Wo würden Sie beginnen?“ Der Angesprochene antwortete: „Die Innenstadt müsste schon mal auf Vordermann gebracht werden.“ Dazu zählte er den Deekelsenplatz, aber auch ein schöner zentraler Parkplatz sei wichtig. Eine Priorität wollte Keßler nicht nennen.

Bauamtsleiter Erich Reuter betonte, dass nicht die sofortige Umsetzung der Maßnahme anstehe, Ziel sei vielmehr die Aufnahme in den Wirtschaftsplan. Reuter: „Die Werksleitung hat sich zum Ziel gesetzt, etwas vom Parkgroschen an den Bürger zurückzugeben.“ Doch könne man Maßnahmen unabhängig von der Haushaltslage treffen. „Es geht darum, wie wir die Stadt schöner machen können“, sagte Reuter. „Das ist auch eine Frage der Selbstwertschätzung.“ Axel Langkowski (CDU) widersprach und meinte, der Zweck des Eigenbetriebs Parken bestehe nicht darin, die Stadt oder die Parkplätze zu verschönern, sondern mehr Parkraum zu schaffen. Der Parkplatz an der Mühlenstraße sei – von den Bäumen abgesehen – in einem sehr guten Zustand. Und für eine bessere Beleuchtung könne man ein bis zwei LED-Lampen installieren. Langkowski: „Solange ich keinen Abschluss für den Eigenbetrieb Parken 2013 habe, gebe ich kein Geld für Parkplätze frei Da sollten wir lieber in Gehwege investieren.“

Norbert Dick (Grüne) fand, dass das Thema erst im Fachausschuss behandelt werden sollte, bevor man Geld frei gebe. „Im Fachausschuss haben wir ein Fahrradkonzept beschlossen“, erinnerte Dick. „Und wir haben damals die Satzung des Eigenbetriebes erweitert, um das Geld auch dorthin leiten zu können.“ Lars Braack (SPD) wollte wissen, ob und wie viele Parkplätze nach Einführung der Parkgebühren benötigt werden. „Mir fehlt da einfach ein Konzept“, sagte er. Der Geschäftsführer der Wirtschaft und Touristik Kappeln, Jürgen van Schöll, meinte, dass es bei der Frage der Parkplätze um Quantität und auch um Qualität gehe. „Wenn wir über den Eigenbetrieb die Chance zur Qualitätssteigerung haben, sollten wir sie nutzen“, so van Schöll. Parkplätze in der Innenstadt würden auf jeden Fall benötigt, wenn in Olpenitz 1000 Betten belegt seien. Bürgermeister Heiko Traulsen ergänzte, dass der Parkplatz-Bedarf später auch durch die Schlei-Terrassen wachsen werde. „Wir können doch nicht Leuchtturmprojekte an Land ziehen, ohne innerstädtisch etwas machen zu wollen“, so Traulsen. Es gehe darum, das Stadtbild insgesamt aufzuwerten.

Corinna Graunke entgegnete: „Vieles ist wünschenswert, aber es muss auch bezahlbar sein. Ich kann nicht begreifen, dass wir hier über einen Parkplatz reden, den wir bereits haben und der nur verschönert werden soll.“ Ihr Parteifreund Matthias Mau gab ihr recht. „Andere Ausschüsse schieben große Projekte und Kosten vor sich her. Da wundere ich mich, dass wir das nicht abarbeiten, sondern stattdessen so ein Projekt wie dieser Parkplatz nach oben schießt. Ich finde auch, dass wir andere Prioritäten haben“, sagte Mau. Als Beispiele nannte er Radwege, die Begehbarkeit der Gehwege für alte Menschen mit Rollatoren und die Erreichbarkeit der Innenstadt im Allgemeinen.

Der Bauausschuss beschloss am Ende einstimmig, die Beschlussvorlage in den Umwelt- und Verkehrsausschuss zu überweisen.

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erstellt am 19.Nov.2014 | 07:30 Uhr

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