Kappeln : Parken: Ab jetzt kostets Geld

Das erste Ticket löste Bürgermeister Heiko Traulsen.
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Das erste Ticket löste Bürgermeister Heiko Traulsen.

Elf Ticketautomaten stehen seit gestern Vormittag an sechs Parkplätzen in der Innenstadt / Einnahmen sollen zusätzliche Stellflächen schaffen

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14. Juli 2012, 08:09 Uhr

Kappeln | Ausführlich ist das Thema in den städtischen Gremien diskutiert worden. Sowohl Haupt- als auch Verkehrsausschuss hatten der geplanten Parkraumbewirtschaftung mit deutlicher Mehrheit grünes Licht gegeben. In der Stadtvertretung fiel das Votum dann zwar entschieden knapper aus - Realität sollte das gebührenpflichtige Parken aber dennoch werden. Seit gestern ist es nun soweit. Ab sofort muss jeder, der sein Auto auf einer von 316 der insgesamt 850 vorhandenen Parkflächen abstellt, zahlen. Pünktlich um 10 Uhr wurden die Ticketautomaten scharfgestellt.

Dass die Entscheidung, Parkgebühren zu erheben, keine ist, mit der man ausschließlich auf Gegenliebe stößt, schien den Verantwortlichen derweil durchaus bewusst zu sein. "Gebühren erfreuen in den seltensten Fällen", sagte so auch Bürgermeister Heiko Traulsen. "Langfristig dienen sie aber dazu, Parkplätze qualitativ und quantitativ zu verbessern." Damit bezog sich Traulsen auf die Methode, wie die Stadt die auf diese Weise erzielten Einnahmen einsetzen will. Das Geld soll ab 1. Januar 2013 in den bis dahin gegründeten Eigenbetrieb Parken fließen. Dort werden die Einnahmen gesammelt, um im besten Falle - Traul sen nannte einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren - nahe der Innenstadt zusätzliche Stellflächen mittels eines Parkdecks oder weiteren Parkplatzes zu schaffen. In den Augen von Bauamtsleiter Erich Reuter gut angelegtes Geld, denn: "Als Tourismusort ist Kappeln darauf angewiesen, Qualität zu liefern - auch bei Parkplätzen."

Elf Ticketautomaten versehen also seit gestern Vormittag ihren Dienst. Sie stehen an den Parkplätzen in der Wassermühlenstraße, Mühlenstraße, im Hohlweg, Dehnthof, Kehrwieder und auf dem Deekelsenplatz. Für die ersten zwei Stunden Parkdauer müssen Autofahrer je 0,50 Euro pro Stunde zahlen, für jede weitere Stunde wird jeweils 1 Euro fällig. Ein Tagesticket, das einer Parkdauer von zehn Stunden entspricht und damit die gebührenpflichtige Zeit von 9 bis 19 Uhr abdeckt, kostet 10 Euro. Wer einen kurzen Gang, etwa zur Post oder zur Apotheke erledigen will, kann mittels der sogenannten Brötchentaste 30 Minuten kostenlos parken. "Mit diesen Gebühren bewegen wir uns im Vergleich zu anderen Städten ähnlicher Größenordnung in der unteren Hälfte", sagte Heiko Traulsen. Pro Jahr kalkuliert die Stadt auf diese Weise Einnahmen von rund 200 000 Euro brutto ein.

Was die eigentliche Handhabung der dreisprachigen (Deutsch, Englisch, Dänisch) Automaten angeht, so können Autofahrer auf zwei unterschiedlichen Wegen die fällige Gebühr bezahlen. Die klassische Bezahlweise funktioniert über Münzgeld, 50 Cent ist der erforderliche Mindestbetrag. Wechselgeld gibt der Automat nicht heraus. Zusätzlich kann über die Geldkartenfunktion der ec-Karte gezahlt werden. Der Vorteil: In 10-Cent-Schritten, die jeweils zwölf Minuten entsprechen, kann in diesem Fall die gewünschte Parkzeit leichter genauer eingestellt werden.

Drei Jahre lang soll dieser Modus zunächst laufen - ein Zeitraum, in dem weder eine Gebührenerhöhung noch eine Ausweitung der kostenpflichtigen Parkplätze geplant ist. Regelmäßig können Anzahl der Nutzer und deren Parkdauer ausgewertet werden - sämtliche Daten laufen beim dafür zuständigen Mann in der Stadtverwaltung, Manfred Wehking, auf. Sein Rechner meldet auch, wenn ein Apparat eine Störung hat, die Geldkassette voll oder die Papierrolle leer ist. Wehking: "Die Automaten sind praktisch wartungsfrei, sämtliche Arbeiten, die anfallen, können von der Verwaltung erledigt werden."

Stellvertretend für die innerstädtischen Kaufleute, die die Einführung der Parkgebühren nach eigenem Bekunden "mit Bauchschmerzen" zur Kenntnis genommen haben, betonte Jürgen van Schöll, Geschäftsführer der Wirtschaft und Touristik Kappeln GmbH, dass man die Sache kritisch begleite, aber gleichwohl deren Notwendigkeit einsehe. "Die Kaufmannschaft hat unter der Prämisse zugestimmt, dass mit den Einnahmen weitere Stellflächen entstehen", sagte van Schöll. Sicherheit biete diesbezüglich der angekündigte Eigenbetrieb. Dessen ungeachtet sei unter den Unternehmern bereits der Wunsch geäußert worden, vor allem bei Uhr- und Jahreszeit flexibel zu bleiben. Van Schöll: "Vielleicht ist 19 Uhr ein bisschen lang, vielleicht muss man während der Wintermonate über die Parkgebühr neu nachdenken."

Gestern jedenfalls steuerten etliche Autofahrer den Ticketautomaten in der Wassermühlenstraße automatisch und ohne weitere Aufforderung an, um ihre Gebühr zu zahlen. Dass allerdings nicht alle den neuen Zustand so gelassen hinnahmen, zeigte sich ebenso schnell. Hermann Wieters etwa sprach von einem "Eigentor" und nannte die Gebührenordnung "Großstadtgehabe". Der Urlauber aus Ritterhude unterhält mit seiner Familie ein Ferienhaus in Pommerby, verbringt dort übers Jahr bis zu fünf Wochen. Seine Rechnung: "Wenn eine vierköpfige Familie eine teure Schleirundfahrt unternimmt und oben drauf auch noch diese Parkgebühr kommt, wirkt das, als würde die Stadt den Ast absägen, auf dem sie selber sitzt. Sie büßt so viel an Attraktivität ein." Wieters Vorschlag: Die "Brötchentaste" solle auf zwei Stunden ausgedehnt werden, um so die bis gestern gültige Regelung wieder herzustellen. Wieters war gestern übrigens auf dem Weg zum Friseur. Dafür hat er 30 Minuten einkalkuliert und das "Brötchentasten"-Ticket hinter der Windschutzscheibe deponiert. Ob die Zeit gereicht hat, wird er gemerkt haben, als er zum Auto zurückgekehrt ist.

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