zur Navigation springen

Seegras als Werkstoff : Ostwinde versprechen eine gute Ernte

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Kristian Dittmann sammelt am Strand Seegras und macht daraus Kopfkissen, Kuscheltiere und Schuheinlagen.

„Das Kissen ist wunderbar, ich habe vom Meer geträumt“, rief eine ältere Dame Kristian Dittmann zu. Sie war die erste Kundin seiner mit Seegras gestopften Kissen und rundum begeistert. Und Dittmann freute sich über das Lob. Das war im Sommer dieses Jahres in Langballig und ein guter Einstand in seine Selbstständigkeit mit der „Strand-Manufaktur“. Inzwischen ist der „Seegrasmann“ auf dem Gelände des Barfußparks Schwackendorf in der Gemeinde Hasselberg sesshaft geworden.

Nach seiner Kindheit am Strand von Laboe studierte Kristian Dittmann Meeresbiologie in Hamburg und ist seit 15 Jahren freiberuflicher Journalist mit den Schwerpunkten Meeresbiologie und Segeln. Seit gut einem Jahr gilt sein Hauptaugenmerk der Aufarbeitung von Seegras – für ihn ein gesundes, langlebiges und ökologisches Meeresprodukt. Am Strand ernten, dann waschen und trocknen: Das alles sind für Dittmann mechanische Arbeiten mit selbst konstruierten Gerätschaften. Das dabei gewonnene Seegras-Heu verwendet er zum Stopfen von Kissen, wie sie zunehmend Abnehmer finden. Daneben fertigt er auch Schuheinlagen oder Kuscheltiere an – das Feedback ist jedes Mal positiv. Kunden hätten etwa davon gesprochen, dass man dank der Seegras-Kissen beim Schlafen weniger schwitze, weniger Nackenschmerzen habe und weniger schnarche.

Begonnen hatte alles im Januar 2013 mit einem Spaziergang am Glücksburger Strand. Eigentlich herrschte damals kein Wetter zum Aufenthalt im Freien, aber Kristian Dittmann, der zu diesem Zeitpunkt in Flensburg lebte, und seine Kinder konnte das nicht abhalten. Am Spülsaum des Strandes entdeckte Dittmann Seegras in großen Mengen. „Da machte es bei mir Klick“, erinnert er sich. „Das ist ein Rohstoff, den man nutzen kann, aus dem sich was machen lässt.“ Diese Erkenntnis war der Startschuss für seine heutige Strand-Manufaktur. Das Seegras verpackte er in einer Kiste und nahm zu Hause erst einmal die Badewanne in Beschlag. Dort wusch er das Seegras, legte es auf Zeitungspapier und breite dieses auf der Heizung aus. Nach drei Tagen war das Seegras trocken. Dittmann holte sich einen Kissenbezug und stopfte das zu Heu gewordene Seegras hinein. „Das war faszinierend“, sagt er rückblickend – und die Geburt der Vision, sich mit einem Handwerksbetrieb für die Aufbereitung von Seegras selbstständig zu machen. Davor allerdings stand die Recherche. Dittmann wollte alles wissen, was mit Seegras zu tun haben könnte. Er fragte beim Baugewerbe nach, lernte dort etwas über Seegras zur Isolierung, Gartenbauexperten informierten ihn über die Möglichkeit, mit Seegras den Boden zu verbessern, in Polstereien machte er sich darüber schlau, wie Seegras als Stopfwolle funktioniert. Und er erfuhr auch, dass auf der Schlei bis in die 1960er-Jahre hinein Seegras gefischt wurde. „Mir wurde immer deutlicher, dass ich mit meiner geplanten Strand-Manufaktur auf dem richtigen Weg bin“, sagt Dittmann.

In seinem Flensburger Garten war die Idee allerdings nur schwerlich zu realisieren. Also kaufte er sich einen Lastwagen, baute in diesen seine Waschanlage, Trockengitter, eine Auslage für seine Kissen und auch eine Koje für sich selbst ein. Zu Ostern stand er dann zum ersten Mal am Strand von Langballigau – mit Erfolg: Die Besucher hatten Fragen über Fragen, schauten ihm bei der Ernte am Strand zu.

Inzwischen lebt er in Schwackendorf. In einer Scheune hat er Platz für seine Produktion gefunden. Dort wäscht er das Seegras in einer selbst gebauten Waschanlage, lässt er es an der Luft trocknen und macht sich dann ans Stopfen, wobei zwei Polsterinnen die Kissen für ihn anfertigen. Bei Ostwind setzt sich Kristian Dittmann in seinen Lastwagen, fährt zur Geltinger Bucht und an die Küsten von Maasholm bis Kronsgaard: Der Seegras-Tisch ist gedeckt. Neun Kubikmeter hat er bereits geerntet und wird noch öfter am Strand anzutreffen sein, um sein Seegras-Lager aufzufüllen. Sobald die Sonne höher steht, beginnt für ihn in seiner Anlage dann das Waschen per Hand und anschließend das Trocknen in der Luft.

Und Dittmann hat noch mehr vor: Er ist auf der Suche nach einem Standort für ein Seegras-Infozentrum. Voraussetzung: Sie muss in Schubkarren-Distanz vom Strand liegen. In Kursen für Mitbürger will er außerdem zeigen, dass man Seegras selbst ernten und aufbereiten kann. Und noch etwas schwebt ihm vor: eine Seegras-Fachtagung im Frühjahr nächsten Jahres. Kontakt für Interessenten: www.strand-manufaktur.de.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen