Filmdreh in Kappeln : Ostsee und Olpenitz als Kinofilm-Kulisse

„Wann fahren Sie zurück nach Berlin?“ – Ein aufgeregter Rico (Anton Petzold) trifft auf seinen Nachbarn Rainer Kiesling (David Kross, im Bademantel) und dessen Freund Tom (Jacob Matschenz, halb verdeckt).
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„Wann fahren Sie zurück nach Berlin?“ – Ein aufgeregter Rico (Anton Petzold) trifft auf seinen Nachbarn Rainer Kiesling (David Kross, im Bademantel) und dessen Freund Tom (Jacob Matschenz, halb verdeckt).

Gestern rückte eine 60 Mann starke Filmcrew im Ostseeresort an, um den dritten Teil der Reihe um „Rico und Oskar“ zu drehen.

shz.de von
09. Juli 2015, 07:30 Uhr

Und plötzlich läuft ein Hund ins Bild. Einer, der da eigentlich gar nicht hin gehört. Und dann kriecht auch noch die Sonne hinter der dichten Wolkendecke hervor. Der Wind allerdings wird dadurch nicht eine Spur zahmer. Es sind einige Herausforderungen, mit denen das Filmteam von „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“ gestern beim Dreh im Ostseeresort Olpenitz zu kämpfen hat. Der Stimmung allerdings tut das keinen Abbruch. Zwischen Ruhe und Konzentration bricht sich immer wieder große Gelöstheit, spürbare Fröhlichkeit und einfach gute Laune bahn. Es ist nicht zu übersehen: Das, was dort passiert, setzen die Beteiligten mit einer Mischung aus enormer Professionalität und spielerischer Leichtigkeit um. Und die unbeteiligten Nachbarn im Resort erleben an diesem Nachmittag ein Stückchen Filmwelt hautnah.

Es ist der dritte Teil der Erzählung um Rico und Oskar, den die Produktionsfirmen „Lieblingsfilm“ und Fox International Productions Germany neben Berlin und Leipzig eben auch in Angeln drehen. Gelting und Noer waren bereits Drehorte, genauso Maasholm, heute geht es nach Falshöft, später noch nach Schleswig. Und gestern also Olpenitz. 18 Drehtage waren in der Region geplant, 19 werden es werden – schuld ist das Wetter. Thomas Blieninger, Herstellungsleiter bei „Lieblingsfilm“, sagt: „Der Wind ist teilweise so stark, da braucht man einfach länger.“ Und hin und wieder muss man offenbar auch gut bei Stimme sein. „Am Montag mussten wir uns anschreien“, sagt Blieninger. Anders habe man sich bei dem Wind schlicht nicht verständigen können.

Gestern Nachmittag dreht sich alles um den Dialog auf Seite 97 im Drehbuch: Rico (Anton Petzold) ist mit Oskar an die Ostsee gereist, um einen wertvollen Stein zu suchen. Dort trifft er nun seinen Nachbarn aus Berlin, Rainer Kiesling (David Kross), und dessen Freund Tom (Jacob Matschenz). Rico läuft die Stufen zum Ferienhaus hinauf, klopft an die offene Tür und berichtet den beiden Männern aufgewühlt, dass er ihre Hilfe benötigt. Eine relativ kurze Szene, die allerdings mehrfach wiederholt wird. Mal wegen des unangekündigten Hundes, mal weil der zwölfjährige Rico-Darsteller Anton Petzold aufgeregt „meine Markierung“ ruft, die sich eben vom Boden gelöst hat. Thomas Blieninger ist nicht der einzige, der angetan ist von seinem Jungschauspieler. „Die Jungs wissen, um was es geht“, sagt er anerkennend. Und: „Sie sind über die Jahre cooler geworden.“ Allerdings nicht so cool, um sich eine Drehpause nicht auch mit Schokolinsen, Weingummi und Wassermelone versüßen zu lassen.

Viele Mitglieder der Film-Crew waren bei allen drei Rico-Teilen dabei, als großer Tross mit zig Lastern, Wohnwagen und Cateringbus ziehen sie dieser Tage durch die Region – „wie ein Zirkus“, sagt Thomas Blieninger. Der logistische Aufwand ist riesig, 60 Menschen müssen versorgt und koordiniert werden. Nach Olpenitz hat sie Motivaufnahmeleiter Benno Pastewka gelockt. Blieninger erinnert sich: „Wir wollten eine bilderbuchmäßige Ostsee. Wasser, Strand, Ferienwohnungen.“ Szenenbildner Michael Binzer nennt das Ostseeresort derweil „ein bisschen absurd und surreal“. Als er zum ersten Mal Bilder gesehen habe, seien ihm die Häuser irgendwie wie „reinmontiert“ vorgekommen.

Der Wind zieht an, bei manchen knirscht der Sand schon zwischen den Zähnen. Thomas Blieninger schüttelt fast ungläubig den Kopf. „Der Wind ist echt der Wahnsinn“, sagt er. Trotzdem beklagt sich keiner – immer noch besser als Regen. Und vor allem besser als die zwölf Grad beim Dreh in Maasholm Ende Juni.

Im Sommer nächsten Jahres wird „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“ über die großen Kinoleinwände flimmern, geplant ist eine Sonderaufführung in der Region. Ob er an die Erfolge seiner beiden Vorgänger (800.000 Zuschauer und den Deutschen Filmpreis für den ersten Teil „Rico, Oskar und die Tieferschatten“; bereits jetzt 300.000 Zuschauer für den gerade angelaufenen Teil 2 „Rico, Oskar und das Herzgebreche“) anknüpfen kann, wird sich zeigen. Mit regelmäßig guter Besetzung – etwa Ronald Zehrfeld, Detlev Buck, Anke Engelke oder eben David Kross – sind die Voraussetzungen nicht die schlechtesten. Den Rest besorgt die bilderbuchmäßige Ostsee.

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