Olpenitz : Ostsee-Resort erhält Hallen-Ensemble

Im Südwesten des Hafenbeckens soll eine Marina mit bis zu 350 Liegeplätzen entstehen.
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Im Südwesten des Hafenbeckens soll eine Marina mit bis zu 350 Liegeplätzen entstehen.

Die neue Planung für die Marina verzichtet auf touristische Highlights wie den Multifunktionshügel. Stattdessen sollen 18 Meter hohe Lagerhallen entstehen.

shz.de von
21. Mai 2015, 07:30 Uhr

Die Besucher der jüngsten Bauausschusssitzung konnten meinen, sie wären in der Stadtvertretung gelandet. Nahezu alle Stadtvertreter waren bei der Ausschusssitzung anwesend. Ein Grund dafür war sicherlich die fünfte Änderung des B-Planes Nr. 65 „Port Olpenitz“. Und diese Änderungen, die die Marina und den landseitigen Bereich betreffen, hatten es laut einigen Anwesenden in sich. Auf einer Fläche von etwa 40.000 Quadratmetern sollen ein geschlossenes Dock und zehn weitere bis zu 18 Meter hohe Hallen mit einer Gesamtfläche von rund 16.500 Quadratmetern entstehen.

Thedje Ancker vom regionalen Verbund maritimer Wirtschaft „schleiboot.de“ sagte, dass die dort geplante Hallenfläche größer sei als alles, was man bislang in der Region habe. „Das ist eine 180-Grad-Kehrtwendung zur bisherigen Planung“, so Ancker. Damit meinte der Unternehmer insbesondere den Wegfall des Multifunktionshügels mit Eiswelt, Indooraktivitäten und Bootslager. Stattdessen will nun ein der Öffentlichkeit bislang unbekannter Investor, der das Areal von der Helma Ferienimmobilien GmbH, gekauft hat, in unmittelbarer Nähe zur geplanten Marina mit maximal 350 Liegeplätzen mehrere Hallen zum Winterlager oder zur Reparatur der Boote errichten. „Das ist der Wechsel von einem ökologischen Hügel mit touristischer Qualität zu Flugzeug-Hangars“, meinte Ancker. Sein Fazit: „Die Bonbons aus der alten Planung sind bei der neuen Planung nicht mehr dabei.“ Der Kappelner appellierte an die Ausschussmitglieder, auf Qualität zu achten. „Hier sollte man nach außen auch mal ein Zeichen setzen, dass man nicht mit allem einverstanden ist“, sagte Ancker. Vor einer Beschlussfassung riet er zu einer intensiven Diskussion und Beratung des Themas, und sagte: „Doch wenn so eine Anlage kommt, dann sollte sie sich auch selbst tragen.“ Eine Förderung lehnte Ancker ab. „Das wäre Wettbewerbsverzerrung und fatal für die heimische Wirtschaft.“

Landschaftsarchitekt Frank Springer vom gleichnamigen Planungsbüro aus Busdorf betonte, dass keine neuen Nutzungen hinzu gekommen seien. Zudem wies er darauf hin, dass das Areal harmonisch aussehen müsste, da im benachbarten Gebiet große Ferienhäuser entstünden.

Thees Thiel, Geschäftsführer der ITT Port Consult GmbH, einem vor allem im maritimen Bereich tätigen Ingenieurbüro, sprach davon, dass in der Marina keine 350 Plätze benötigt würden. „Die angestrebten Kunden des Investors gehören mehr zur Motorbootklientel“, so Thiel. Die gesamte Anlage soll hochwertig sein. So seien auf den Stegen der Marina zwei Toiletten geplant, auch eine Tankstelle sei vorgesehen. Das Ostsee-Resort sollten Yachten bis zu einer Länge von rund 35 Metern anlaufen. Dazu gebe es an Land zwei Travellifts mit einer Tragkraft von 100 und 300 Tonnen. „Vom Sommer-Liegeplatz bis hin zur maritimen Dienstleistung wie Reparatur und Winterlager wird alles angeboten, aber kein Schiffbau“, meinte der Geschäftsführer. Der Investor sei offen für alles, was für die Region gut sei. Dazu gehörten Fragen der Abgrenzung oder auch der Zusammenarbeit mit anderen Firmen. Eine öffentliche Förderung sei nicht vorgesehen.

Zur Hallenhöhe führte Thiel aus, dass es das „Wunschdenken“ des Investors sei, wenn die Yachten ohne Umklappen von Antennen oder Persenning in die Hallen kämen. Da der Weg der Boote ins Trockendock die Promenade kreuzt, müsse an dieser Stelle eine Klappbrücke errichtet werden.

Dagmar Ungethüm-Ancker (CDU) meinte, dass der alte B-Plan einen höheren touristischen Mehrwert hatte. „Jetzt bekommt das mehr Züge eines reinen Wirtschaftsstandorts“, fand die Bürgervorsteherin. In Kappeln habe man kein Schwimmbad mehr und auch keinen Indoorsport. Ungethüm-Ancker: „Olpenitz sollte sich so weiter entwickeln, dass es etwas Besonderes ist, außer gigantisch.“ Springer antwortete, dass die gesamte touristische Nutzung mehr die Helma betreffe.

SPD-Fraktionschef Rainer Moll räumte ein, dass man diese Größenordnungen zu Wasser und zu Lande bislang so nicht gehabt habe. „Doch das hier ist nur der Startschuss“, sagte er. „Alle Dinge sind noch in unserer Hand. Wir sollten dem Investor eine Chance geben.“ Sein Kollege von der CDU, Matthias Mau, stimmte zu: „Der Investor setzt auf den Dialog. Wir müssen nur aufpassen, dass es harmonisch ist und zu Kappeln passt.“

Dagegen gefiel SSW-Fraktionschef Christian Andresen weder die fehlende Dachbegrünung noch der hohe Versiegelungsgrad oder die große Hallenfläche. „Ich habe da schon meine Bedenken“, so Andresen. Am Ende stimmte der Bauausschuss für den Aufstellungsbeschluss – einstimmig.

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