Waabs : Ostsee inspiriert Hobby-Autorin

Nach sieben Jahren Arbeit und wiederkehrender Unsicherheit hält Susann Nocent ihren ersten Roman in der Hand.
Nach sieben Jahren Arbeit und wiederkehrender Unsicherheit hält Susann Nocent ihren ersten Roman in der Hand.

Beim Urlaub auf dem Campingplatz in Großwaabs entstand bei Susann Nocent aus Uetersen die Idee zu einem Buch.

shz.de von
05. Juni 2015, 12:30 Uhr

„Ich kenne jeden Grashalm hier mit Namen“, sagt Susann Nocent aus Uetersen (Kreis Pinneberg). Ihr Wohnwagen auf dem Campingplatz Ostsee-Freizeitpark Booknis in Großwaabs ist ihr zweites Zuhause. Wenn nicht gerade eine Kreuzfahrt in der Karibik oder ein Urlaub in der Türkei ansteht, verbringt die 51-Jährige gemeinsam mit ihrem Mann Ronald Nocent (50) drei bis fünf Wochen auf dem Stammplatz an der Ostsee. Dazu kommen zahlreiche Wochenenden. Zeit genug, um die Gedanken schweifen zu lassen und sich zu entspannen.

Warum also nicht einmal darüber nachdenken, ein Buch zu schreiben? Vor sieben Jahren tat die selbst ernannte Hobby-Autorin genau das. Jetzt hält sie ihren ersten Krimi in der Hand. Mit Wasser, schönem Wetter und frischer Luft hat der allerdings so gar nichts zu tun. „Selbstjustiz oder Gerechtigkeit für die Opfer“ lautet der Titel ihres fiktiven Werkes. Um die Bestrafung von Kinderschändern durch eine geheime Organisation geht es darin. „Ich habe damals im Urlaub zahlreiche Artikel über Missbrauchsfälle gelesen“, erklärt Susann Nocent. Wütend und auch nachdenklich habe sie die Rechtsprechung für Kinderschänder immer wieder gemacht. „Dann wollte ich das Thema in einem eigenen Buch behandeln“, erinnert sie sich als wäre es gestern.

Sieben Jahre sind schließlich bis zur Herausgabe im März vergangen. „Ich habe immer wieder Zweifel gehabt und abgebrochen“, sagt die Hobby-Autorin. „Du hast doch gar keine Vorstellung, wie so ein Buch geschrieben wird und bist doch ein ganz normaler Mensch“, waren ihre Gedanken. Die Ablehnung zahlreicher Verlage – einige hätten ihr nicht einmal geantwortet – als es um die Veröffentlichung ihres Krimis ging, haben es ihr neben ihren eigenen Zweifeln nicht einfacher gemacht. Ihre Hartnäckigkeit zahlte sich aber schließlich aus, als der Windsor-Verlag ihr das langersehnte Okay gab. „Sieben Jahre, und jetzt habe ich in der Hand, was ich selbst geschrieben habe“, sagt sie noch ganz fassungslos. Zwar habe sie selbst einen vierstelligen Betrag investieren müssen. Um Geld sei es jedoch ohnehin nie gegangen. „Das eigene Buch ist mein persönliches Projekt, mein Traum gewesen“, erklärt sie.

Dazu sei der Wunsch gekommen, das Unverständnis über den Umgang der Justiz mit Gewaltverbrechen zu thematisieren. „Gerechtigkeit für die Opfer“ (GfdO) ist in einem selbst entworfenen Symbol auf dem Cover ihres Romans zu finden. Am Hals trägt Susann Nocent eine Kette mit dem gleichen Symbol. Auch in ihrem Buch tauchen Träger dieser Kette auf, die mit der fiktiven geheimen Organisation sympathisieren.

Die Resonanz von Freunden und Familie sowie auf ihrer Facebook-Seite und in einem Autorenblog ist positiv. Das motiviert zu einem zweiten Buch, von dem zehn Kapitel bereits geschrieben sind. „The Witch“ soll es heißen. Um die Aufklärung von Morden an rothaarigen Frauen wird es gehen. „Hier auf dem Campingplatz habe ich Ruhe“, sagt die Autorin. Aber nicht nur Bücher, auch maritime Basteleien mit Serviettendruck und beleuchtete Kugeln entstehen in Booknis. „Auf den Weihnachts- und Herbstmärkten in Emkendorf verkaufe ich die Sachen dann. Außerdem male ich sehr gern“, verrät Nocent.

Dem Campingplatz Ostsee-Freizeitpark in Großwaabs wird das Multitalent noch eine ganze Weile treu bleiben. Im vergangenen Jahr wurde noch einmal in ein neues Vorzelt investiert. „Das wird unser Sitz für die Altersruhe“, sind sich Ronald und Susann Nocent sicher. „Wir sind zwei schleswig-holsteinische Kinder, die immer am Meer sind. Wasser bedeutet für uns Entspannung.“

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