Kappelner Werkstätten : Orientierung dank Begegnung

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Das St. Nicolaiheim Sundsacker stellte Bausteine der beruflichen Bildung vor – und kochte für etwa 80 Gäste.

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19. Februar 2018, 07:00 Uhr

Der Abend der Begegnung trägt seinen Namen zu Recht. Knapp 80 Gäste waren in diesem Jahr in die Räume der Kappelner Werkstätten gekommen, um die Traditionsveranstaltung des St. Nicolaiheims Sundsacker zu feiern. Um gemeinsam zu essen, etwas aus dem Werkstättenbetrieb zu hören und um sich eben zu begegnen – ein Leitmotiv, das sich das St. Nicolaiheim, Träger der Werkstätten, aus voller Überzeugung gegeben hat und seit vergangenem Jahr noch ein bisschen mehr als ohnehin schon lebt. Der Vereinsvorsitzende Johannes Jensen jedenfalls erinnerte in seiner Begrüßung nicht nur an das Kulturbankett, als die Werkstätten im Juni mit Unterstützung für 450 Gäste auf dem Deekelsenplatz gekocht hatten, und an das dreitägige Kunstfestival „Plein Air 54 Grad“ im August, sondern auch an den Erwerb der früheren Koslowski-Halle im April. Die Veranstaltungsstätte, seitdem unter dem Namen Alte Maschinenhalle, will der Verein zwar auch für eigene Zwecke nutzen, sie vor allem aber weiterhin der Stadt und den Menschen als Ort der Begegnung und des gemeinsamen kulturellen Erlebnisses erhalten. Ein Umstand, der auch deshalb möglich ist, das betonte Jensen ebenso, „weil wir betriebswirtschaftlich gesund sind“. Mehr noch: „Wir haben keine Angst vor der Zukunft. Wir wachsen, wir werden weiter in der Region investieren, möchten dabei aber gleichzeitig die Individualität unserer Beschäftigten nicht verlieren.“

Auch St.-Nicolaiheim-Geschäftsführer Stefan Lenz stellte den Gedanken des Miteinander heraus, als er bei einem kurzen Ausblick auf das laufende Jahr zwei Termine für die Mitmach-Werkstatt nannte – am 2. Juni in Kappeln und am 16. Juni in Süderbrarup: An diesen Tagen öffnen die Werkstätten ihre Türen und laden Besucher dazu ein, einfach mal mitzuarbeiten – und dabei eben auch ganz nebenbei den Menschen mit Behinderungen zu begegnen.

Dass im Verein St. Nicolaiheim und in den Werkstätten eben der Mensch in seiner Vielfalt im Zentrum steht, legten danach einige Gäste in ihren Grußworten dar. So hob etwa Kreispräsident Ulrich Brüggemeier hervor, „dass bei Ihnen die Kosten-Nutzen-Bilanz nicht alles ist“. Heiko Naß, Landespastor des Diakonischen Werkes, würdigte den Willen der Kappelner Werkstätten, „mit Menschen mit Handicaps gemeinsam eine Gesellschaft zu gestalten und ihnen eine eigene Stimme zu geben“. Und der stellvertretende Bürgervorsteher Helmut Schulz zeigte sich dankbar für den Einsatz des St. Nicolaiheims um die Alte Maschinenhalle, denn: „Es ist auch ein Anliegen der Stadt, Kunst stattfinden zu lassen. Und ich glaube, dass wir Wege finden werden, um das zu unterstützen.“

Wie genau das St. Nicolaiheim sein Klientel unterstützen kann, zeigten im Anschluss Werkstattleiter Henning Herges und Kerstin Jürgens, pädagogische Leiterin der Inklusiven Arbeits- und Bildungsangebote in den Werkstätten. Die beiden schlüpften in unterschiedliche Charaktere und stellten so, als kleines und unterhaltsames Schauspiel, die Bausteine „Berufliche Bildung“ und „Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme“ vor. Es ging um Eignung, Qualifizierung, um Stärken und Schwächen, um Sozialkompetenz und Motivation. Ganz deutlich wurde dabei: Nur im engen Kontakt und regelmäßigen, vertrauensvollen Austausch – also in der Begegnung – kann es gelingen, jungen, noch orientierungslosen und wenig von sich selbst überzeugten Menschen einen Weg aufzuzeigen, den sie durchdacht und zuversichtlich gehen können. Selbst wenn dazu mehr als ein Anlauf nötig sein sollte. Geschäftsführer Stefan Lenz wusste derweil, dass zum Erfolg dieser beiden Bildungsbausteine noch mehr nötig ist, als das St. Nicolaiheim leisten kann. „Das funktioniert nur, wenn auch die Firmen in der Region mitziehen. Unsere Jugendlichen sind nämlich nicht alle lieb und pflegeleicht.“ Daher benötige man genauso Unternehmen, die bereit seien, diese Richtung mitzugehen, gleiches gelte für die Beruflichen Schulen.

Über dieses Thema und noch jede Menge andere war danach ausreichend Gelegenheit, bei Ente auf Grünkohl, Lengfisch und lauwarmem Kartoffelsalat zu diskutieren.

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